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Full text of "Über die Zeit der Olympien"

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ÜBER DIE ZEIT 



DER 



OLYMPIEN. 



VON 



AUGUST MOMMSEN. 



LEIPZIG, 

DRÜCK UND VERLAG VON B. G. TEUBNER. 
1891. 



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1. Diese Schrift ist hervorgerufen durch eine eingehende 
Beschäftigung mit den in den letzten Decennien von Unger 
und Nissen aufgestellten Hypothesen (6. F. ünger, Der Olympien- 
monat; Philologus XXXIII 1874 S. 227-248. H. Nissen, 
Über Tempelorientierung II Olympia; Rhein. Museum XL 1885 
S. 349—361. G. F. Unger, Zeitr. der Griech. u. Rom.; Iwan 
Müllers Handbuch der klass. Altertums wiss. L Nördlingen 1886 
S. 603 f. § 48). Die beiden Forscher begegnen sich in dem 
Gedanken, dafs man bisher die Feier der Olympien zu früh 
im Jahre angenommen habe, machen also gemeinsam Front 
gegen die ältere Ansicht, nach welcher die Olympien dem 
ersten postsolstitialen Vollmond anzulehnen wären. 

Die jüngere Ansicht^) kommt ohne Zweifel der Wahrheit 
näher als die ältere, mufs aber, mag man die Gestalt welche 
Unger ihr giebt oder die von Nissen vertretene ins Auge 
fassen, nicht wenig modificiert werden um annehmbar zu sein. 
Was also in dieser Schrift vorgetragen wird ist eine Modi- 
fikation der jüngeren Ansicht. 

2. Lage des Olympienfestes im Monat. Pindar hat 
die erste, von Herakles begangene Feier an die Vollmondszeit 
geknüpft; Ol. III 19 — 22 i^dtj yccQ avxä Tcargl [ihv ßmiiäv 
ayiöd'evtov dLXOfirjVLg okov xQvöccQfiatog söTteQag 6q)d^ak(i6v 
avteq)k6^£ Mr^va xal fisyäXcjv dad'kcDV ayvav xqlölv xal Tcsvta- 
stTjQid' aiia d-fjxe ^ad^dotg ijcl Kgr^ivotg ^Aktpsov^ über dem 
eben gestifteten und geweihten Zeusaltar ging die den Monat 
teilende Phase, der Vollmond, auf, da (naC) setzte der' Stifter 

1) 'Jünger' ist die Ansicht, sofern sie von jetzt lebenden Forschem 
unabhängig gefanden und der bisher herrschenden Ansicht gegenüber- 
gestellt worden ist. An sich ist sie nicht jünger, da schon im XVII. Jahr- 
hundert ein Gelehrter, den Petav Doctr. Temp. IX 48 zu widerlegen 
sucht, die Olympien dem Herbst hat annähern wollen. 

Mommsen, Olympienzeit. 1 



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— 2 — 

des Altars, Herakles, die Wettkämpfe und die Penteteris der 
Olympien ein. Genaueres indes können wir aus Pindar nicht 
gewinnen^). 

Nach Pind. Ol. V 5 — 7 hat das Fest, wie es scheitit als 
Ganzes, fünf Tage gedauert und zwar, den Scholiasten zufolge, 
von Luna XI an. A. 0. heifst es von Psaumis aus Eamarina, 
der zu Olympia mit dem Maultiergespann einen Sieg erlangt 
hatte: ßfoinovg ?| dMfiovg iysQaiQBv ioQtatg d^soiv (isycötaLg 
vTtb ßovd'vöiavg aid^kfQv ts üCsiiJCccii^QOLg aiiiklaig^) tTCTCoig 
ri^iövocg XB fiovaiiTtvxia rf, Psaumis verherrlichte am höchsten 
Götterfeste, dem der Olympien, die sechs Doppelaltäre mit 
Rindsopfem und die fünftägigen Wettspiele mit Rossen, Mäu- 

1) Dissen Pind. II p. 45 entnimmt eine zweitägige Feier, bestehend aus 
Opfern die im Vollmond dargebracht wurden und aus Wettspielen die 
am Tage nach Vollmond stattfanden. So bestimmte Anleitung giebt 
aber Pindar nicht; man kann ihm ebensogut die Meinung beilegen, 
Herakles, der mit der Errichtung des Altars abends zu Ende gekommen, 
habe den neuen Altar gleich seinem Zwecke gemäfs gebraucht um zu opfern 
(abendliches Voropfer); als die Nacht vergangen, habe er dann Wettspiele 
gehalten von Morgen bis Abend; endlich, nachdem die zweite Nacht 
vergangen, habe er den gottesdienstlich wichtigsten Akt der Olympien- 
feier, die grofse penteterisch zu wiederholende Opferhandlung ausge- 
führt. Die Olympien historischer Zeit hatten den sakralen Haupttag 
am Schlufs, imd Pindar wird sich die mythische Feier der historischen 
ähnlich gedacht haben. Vgl. Schol. Pind. Ol. III 33 Sst Sh ro nQotSQOv 
(das mit ßcofimv äyiöd'ivtoav zuerst Angedeutete, die Benutzung des 
Altars, das Opfern) dsvtsqov vostv xal zo dsvtSQOv (den danach mit 
Stxofirjvtg %tX. bezeichneten Aufgang des Vollmonds) n^mtov. ov yocQ örj 
d'vaiai iyivovto TtQOtSQOv^ stta ovtcug ^ dtxoiirivig ^Xafinsv, aXXoc ngots- 
Qov 71 TifiSQU tilg 'JtavcsXrivov naQsyivsxo , sha ovtcog at ^vöiat %ccl ra 
Xoma tov dycivog itsXovvto, (Was der Scholiast mit toc Xoma tov 
dycovog meint, ist nicht klar. Begannen ihm die Olympien mit Luna XI, 
Schol. Pind. Ol. V 6, so dachte er schwerlich an einen Rest von Wett- 
spielen, der bei schon abnehmendem Monde nachzuholen war. 'Ayavog 
bedeutet also das ganze Fest. Was war denn aufser den Opfern noch 
nach von den Festbräuchen? vielleicht ist die Antwort zu entnehmen 
aus Schol. Pind. Ol. III 35, wo Luna XVI irrtümlich als Tag der Preis- 
zuerkennung aufgestellt wird; s. Fr. Mie, Quaestion. agonist. Rostock 1888 
p. 30 und imten S. 3 A. 1. Allerdings liefse sich auch an die Prozes- 
sionen denken, mit denen das Olympienfest seinen Abschlufs fand.) 

2) IIsfinccfisQoig äfiCXlaig^ äolischer Akkusativ, wenn nicht ns(ina- 
fiSQOvg ccfitXXag zu schreiben ist. S. Fr. Mie p. 28. 



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— 3 — 

lern und Reitpferd. Der Scholiast läfst die Wettspiele (ra 
äyavLö^ata) fünf Tage dauern, von Luna XI bis XV ^). Bei 
dieser eigentlichen Auffassung von TCsiiTtaiidQOLg a^Maig würde 
für das sakrale Hochfest ein Tag hinzuzufügen sein, so dafs 
sich die Gesamtfeier zu sechs Tagen ergäbe; wir hätten also 
das Hochfest, da es nach Pindar Ol. ÜI 20 in die Vollmonds- 
zeit gehört, mithin nicht auf Luna X gesetzt werden kann^), 
der XVI. Luna zuzuweisen. Aber Luna XVI bringt den Voll- 
mond nur bei enorm früher Numenie. Mehr empfiehlt sich 
Luna XV ^). Als Vollmondstag ist allerdings Luna XIV vor- 
zuziehen, nicht aber als Dichomenie, halbieren thut XV den 
Monat besser als XIV. Vielleicht also ist das Hochfest auf 
Luna XV zu setzen und sind in Pindars jcsfiTtaiisQOig a^Ckkaig 
die gottesdienstlichen Bräuche mit einbegriffen. Danach hat 
das ganze Olympienfest fünf Tage gedauert, so dafs der Spiel- 
tage weniger als fünf waren. 



1) Die Lesart in dem Scholion zu Find. Ol. V 14 angehend, tritt Fr. Mie 
für iii%Qi Ixxat^cxarT^ff ein; die Worte sind: insidrj inl nivts fifiSQccg 
(Handschr. rifiSQuig) ^ysto avra tcc dycov^öitata dnö ivdsyiätrig ^sxqi 
Ixxaidexarijff (in der Breslauer Handschrift slg lb). Es habe nämlich 
der Scholiast zu Ol. III 35 seinen Autor mifsverstanden und die 'heilige 
Entscheidung der grofsen Wettspiele' auf die HeUanodiken und ihren 

Ausspruch bezogen; der Scholiast sage h rf^ navasXrjvcp b 'Olvfi- 

7ti%og dyd)v ayszai xal t^ sTtyiaid STicctrj yCvBxai ri %^i6ig^ aber von dem 
urteil der HeUanodiken und der Preiszuerkennung sei bei Pindar keines- 
wegs die Rede, einen eigenen Tag der Preiszuerkennung habe es zu 
Olympia nicht gegeben, da dem siegreichen Agonisten gleich nach der 
Leistung sein Kranz zu teil geworden sei. Das Mifsverständnis von 
ayväv v.{fCaiv ist unleugbar, der Scholiast zu Ol. III 35 hat sich desselben 
schuldig gemacht. Allein es folgt nicht, dafs der Scholiast zu Ol. V 14 
die irrige Ansicht teilte; er wird die fünf Tage einfach auf Luna XI 
bis XV gesetzt und keine Stunden abgestrichen haben. Der Änderer 
meinte, es habe einen eigenen Tag der Prämiierung, Luna XVI, gegeben, 
doch komme nicht der ganze Tag in Anrechnung, da für die Aushän- 
digung der Preise eine oder ein paar Stunden genügten. Auch von 
Luna XI mochte er Stunden abstreichen. So berührte ihm das fünf- 
tägige Fest sechs Tage, Luna XI bis XVI. 

2) Dissen Pind. I p. 263 hat den 10. Monatstag vorgeschlagen für 
historische Zeiten, als die Spiele fünftägig waren. 

3) Einer früh, aber durchaus korrekt gesetzten Numenie kann eine 
Konjunktion am 15. Monatstage folgen. 



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- 4 - 

Dieser uneigentliclien Auffassung von TCs^TtaiisQoig a^iX- 
kaig folgend, hat Holwerda Archäol. Zeit. XXXVIII 1880 
S. 169 flF. folgendes Programm der olympischen Festfeier auf- 
gestellt. Tag 1: ßovd^vöia^), auch Eidschwur vor Zeus Horkios 
und Prüfuiig der Knahen und der jungen Pferde. Tag 2: 
Wettkampf der Knaben. Tag 3: erste Hälfte des Wettkampfes 
der Männer (Dolichos^), Stadion, Diaulos, Pale, Pygme, Pan- 
kration); Komos der Sieger. Tag 4: zweite Hälfte (Hippo- 
dromie, Pentathlon, Hoplites); Komos. Tag 5: Opfer der Sieger 
und der Theoren. 

Zu einer ähnlichen Hypothese ist Fr. Mie p. 40 gelangt. 
Nach ihm war die Ordnung diese. Tag 1: die Feier wird 
eingeleitet. Tag 2: Schwur der Hellanodiken und der Athleten 
bei Zeus Horkios; Musterung der Athleten und der Pferde. 
Tag 3: Trompeter und Herold, Knabenkämpfe (Stadion, Pale, 
Pygme, Pankration), Männerkämpfe (Dolichos, Stadion, Diaulos, 
Hoplites, Pale, Pygme, Pankration). Tag 4: Hippodromie, 
Pentathlon. Tag 5: gemeinsamer Festzug und Opfer dem 
Zeus dargebracht. 

Die beiden Programme gelten der Zeit von Ol. 77 an; 
vorher, bis Ol. 76, war ein Spieltag weniger, Pausan. V 9, 3. 

Vermifst wird ein Vorabend. Dafs die Olympienfeier 
einen heiligen Vorabend hatte, ist aus Pausan. VI 23, 3 zu 
schliefsen; im Gymnasion der Stadt Elis gab es ein Keno- 
taphion des Achill, und wenn die Panegyris (das Fest der 
Olympien) begann, so feierten ihn die eleischen Frauen, indem 
sie bei Sonnenuntergang eine Totenklage erhoben. Da nun 
die Frequenz fremder Besucher am Pelopsaltar, Pind. Ol. I 93 
Tcokv^svcjtdta) TtaQcc ßco^ä, auf die Olympien hinzuweisen 



1) Auch Dissen läfst den Spielen ein Rindsopfer (ßovQ'vaia Pind. 
Ol. V 6) vorangehen; er setzt es auf den 10., s. vorhin S. 3, und der 
10. ist ihm sogar der einzige Opfertag. Es ist aber dubiös, ob wir 
überhaupt die Darbringung des Psaumis aus Ol. V 6 ins Programm 
aufzunehmen haben; Psaumis war sehr reich und sein Opfern kaum 
mafsgebend für die Wettkämpfer im allgemeinen. S. Fr. Mie p. 38, 3. 

2) Ol. 96 vor Chr. 396 ist cccXmyntiig ttccl %7iqv^ eingeführt. Holwerda 
hat die Leistung, aus Versehen wie es scheint, unterlassen zuzufügen; 
blofs dem V. Jahrhundert wird sein Programm nicht bestimmt sein. 



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~ 5 — 

scheint, so ist zu vermuten, dafs zu Olympia am Vorabend 
des penteterischen Festes dem Pelops Totenbräuche, a. 0. 
aCiiccxovQiaigj ausgerichtet wurden, gleichzeitig mit den in der 
Stadt Elis dem Achill geltenden Nänien. Man kann auch an 
Pind. Ol. III 20 erinnern; der Vollmondsabend, an welchem 
Herakles mit dem Altar fertig war, gehörte wohl mit zum 
Feste. — Unter den Bräuchen des Vorabends der Olympien 
mag auch der Schwur vor Zeus Horkios gewesen sein. 

Drei Spieltage (Holwerda) sind wahrscheinlicher als zwei, 
da eine Notiz zu Ol. 113 auf einen mit dem Dolichos früh 
morgens beginnenden Spieltag der Männer führt. Die Ver- 
einigung beider Lebensalter am selben Tage (Fr. Mie) läfst 
sich nicht mit Sicherheit aus Flut. Quaest. Symp. II 5, 1 
folgern^). Was also die Anzahl der Spieltage seit Ol. 77 be- 
triflFt, so trete ich dem ersten Programme bei, jedoch nur für 
die ältere Zeit und ohne Abweichungen (Erweiterungen) aus- 
zuschliefsen. 

Den Anfangstag und den Schlufstag haben beide Gelehrte 
wohl mit Recht für Opfer und Bräuche in Anspruch genom- 
men; am höchsten gefeiert ward der Schlufstag. Die Reform 
von Ol. 77 ergab also folgende Anordnung. 

Luna XI Vorabend und Lichttag mit Opfern und Bräuchen 
begangen. 

Luna XII 

XIII Spiele 0. 

XIV 

XV Opfer und Prozession (Hochfest). 



1) Dafs das Vorangehen der Knabenkämpfe in dem zweiten Pro- 
gramm nicht vollständig erreicht wird (Trompeter und Herold — also 
Männer — vorangehend), dürfte indes gegen dasselbe kaum geltend zu 
machen sein. Die Leistung der Trompeter und Herolde kann als etwas 
Exceptionelles, als eine Art Anfangesignal, angesehen werden ; man liefs 
sie wohl schon vor Tagesanbruch blasen und rufen, volles Tageslicht 
war nicht nötig. Auch würde der Einwand die Zeit vor Ol. 96, s. vorige 
Note, nicht treffen. 

2) Da die Spiele sich manchmal bis nach Sonnenuntergang fort- 
setzten und dann Mondschein zu wünschen war, so läfst sich gegen 
Luna XIV der Einwand erheben, dafs den Agonisten dieses Tages nur 
der Vorabend von Luna XV, an welchem der Mond in der Eegel nicht 



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— 6 — 

Vor Ol. 77 mag Luna XI unbenutzt geblieben sein und 
die Feier, bei zwei Spieltagen (Luna XIII und XIV) sich von 
Luna Xn bis XV erstreckt haben. 

Von Reformen die nach Ol. 77 beliebt worden, verlautet 
nichts, die Fünftägigkeit mag längere Zeit als Regel gegolten 
haben. Doch ist im Auge zu behalten, dafs Umstände nötigen 
konnten vom Programm abzugehen. Wenn viele Athleten 
sich meldeten — gewifs kein seltener Fall — , mufste das Pro- 
gramm erweitert werden. Je gröfser die Zahl der in einer 
Kampfart Auftretenden, desto mehr Zeit war erforderlich um 
sie zu absolvieren. In dem häufigen Falle wo es sich um 
Zweikampf handelte, mufsten erst die Paare und die bei un- 
gerader Zahl sich ergebende Ephedrie mittelst Losung bestimmt 
werden, und die aus dem Kampfe als Sieger Hervorgehenden 
mufsten abermals unter sich losen, wer sich mit wem zu 
messen habe, wem die Ephedrie, falls sich eine solche ergab, 
zufalle, und so ging es fort. Bei einer Anzahl von 18 Wett- 
kämpfern z. B. ergab die erste Losung 9 Paare, die zweite 
aus den 9 Siegern 4 Paare und einen Ephedros, die dritte 
2 Paare und einen Ephedros, die vierte und letzte ein Paar 
und einen Ephedros, der endlich mit dem Paarsieger um den 
Kranz zu kämpfen hatte. S. Holwerda Arch. Zeit. XXXIV 
1881 Spalte 206 flf. Wie verfuhr man nun, wenn die Tage 
nicht ausreichten? Da der Anfangstermin des Olympienfestes 
und damit der ohne Zweifel nahe vorhergehende Anmeldetermin 
schwerlich verfrüht wurde, weil sonst mancher sich präzis 
zum hergebrachten Anmeldetermin einstellende Athlet die 
Kampfart welche ihn anging, schon abgethan gefunden hätte ^), 
so müssen die Olympien über Luna XV hinaus erstreckt worden 
sein. Eine Erstreckung über Luna XV hinaus ergab sich von 

gleich nach dem Untergang der Sonne erschien, für die Zuendefuhrung 
ihrer Kämpfe zu Gebot stand. Aber ehe es ganz dunkel ward, erschien 
doch auch der noch fast volle Mond der XV. Luna; die Dämmerung 
dauert nach Julius Schmidt am 1. Aug. gregor. 90,7, am 1. Sept. 
81,5 Minuten, der Mond geht auf bei ziemlich hellem Abendschein. 

1) Athleten die den Anmeldetermin versäumt hatten, wurden, wie 
wir aus Pausan. V 21, 13 ersehen, vom Agon ausgeschlossen ; Apollonios 
Bhantes war nicht zum Anmeldetermin gekommen ; als die Spiele vor sich 
gingen, war er zur Stelle, durfte aber nicht teilnehmen, man wies ihn ab- 



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— 7 — 

selbst, wenn Fürsten oder reiche Private durch eigene Fest- 
züge glänzen wollten; am Schlafs des Festes fanden ja ord- 
nungsmäfsig die Prozessionen statt ^). 

Dafs eine bestimmte Dauer der Spiele seit Ol. 77 be- 
standen habe, sagt Pausanias V 9, 3 nicht; es geht nur hervor, 
dafs die damals festgestellte Reihenfolge (xotfiiog) der Kampf- 
arten sich bis in seine Zeit behauptete. Eine Reihe läfst sich 
auseinanderziehen und auf mehr Tage verteilen, die Reihe 
bleibt dieselbe. 

Seitdem die ganze alte Welt an den olympischen Spielen 
teilzunehmen anfing und Ausländer, Alexandriner nament- 
lich, eifriger und häufiger nach olympischen Siegen trach- 
teten als die eigentlichen Hellenen^), in der Zeit der Epigonen 
also, die in Betreff des äufseren Glanzes und ümfanges der 
Feste die Blüteperiode von Hellas ohne Zweifel weit überwog, 
werden die Spiele Olympias gewifs in der Regel viel mehr 
Tage als drei in Anspruch genommen, mithin weit über 
Luna XV hinaus gedauert haben. 

Handelte es sich aber um die Frage, welches einzelnen 
Festtages Sonnenstand als mafsgebend für die Korrektheit der 
solarischen' Lage des ganzen Olympienfestes zu betrachten sei, 
so dürfte man doch, nach wie vor, an Luna XV festgehalten 
haben. Man wufste ja nicht voraus, auf wie viele und auf 
welche Besucher zu rechnen sei, und bedurfte einer Norm die 
von der Frequenz völlig unabhängig war. 

3. Zeugnisse. Es giebt teils Notizen die sich mit der 
Olympienjahrszeit im allgemeinen beschäftigen oder auf die- 
selbe hinleiten, teils geben Schriftsteller, besonders die Historiker, 
hie und da Näheres über die Jahreszeit bestimmter Olympien- 
feste. Wenden wir uns zunächst den allgemeinen Notizen zu. 

1) Ob man an dem hochfestlichen Kalendertage die sakralen Pflich- 
ten welche er auferlegte, teils beobachtete, nur was durchaus nötig aus- 
führend, teils verschob (Prozessionen) oder ob man alles, das Nötige wie 
das aus freien Stücken Hinzogethane verschob, läfst sich nicht untersuchen. 

2) Krause Olympia S. 45 ff.; auch S. 52. Die eifrige Beteiligung der 
Alexandriner macht es auch erklärlich, dafs der Schol. zu Find. Ol. III 35 
die Olympienzeit nicht blofs nach eleischem, sondern auch nach alexan- 
drinischem Kalender angiebt. 



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- 8 - 

A. Censorin de die nat. 21, 6 ex diebus duntaxat 

aestivis quibus agon Olympicus celebratur. 

B. Schol. vet. Pind. Ol. III 33: tcsqI tov ^ir^ovov xad'' 
ov aystai xa ^OXv^nia xa-ö*' ixdötriv 'Okv^TCiadoj Kmao fi 6 tcc 
tcsqI xksicDv Ovyxatd^ag q>ri0lv ovrco' JCQcirov ^ihv ovv TCavtbg 
tcsqCoSov övvdd'rixsv iv tfj fjiieQa aQxsLv vov^tivlccv firjvbg dg 

5 ©coövd^Lccg iv "HUöl ovoiid^etai tcsqI ov tQOTtal 7]Xtov yCvovxai 
XSLfiSQLvai, xal TtQäta 'OXv^JCta aystat, ri' (irjVL. evbg dh ovxog 
diaq)6Q6vx(ov xy Squ, xa [isv ccQxo^sva xijg o^oigag, xa 8% 
Vit' avxbv xbv agxxovQov. Vratislavieasis A. 

C. Schol vet. Pind. Ol. IIT 35: yCvBxai Sl 6 ayojv tcoxs 
[ihv Sicc xsööaQccxovxa ivvaa ^ijvciv^ itoxs dh dia Tcsvxiqxovxa^ 
od'sv Kai üaQd'svip ^ ^^TCokXcovicD , TcaQ^ AlywtxCotg @g)%' ^ 
Ma6(OQl iTtLxsXecxai, Vratislaviensis A. 

D. Schol. Plat. Phaedr. p. 236 b xä 'OXviiTtLa, dyojv 

XBvxasxriQLKogj Movvv%Lcivog fitjvbg i^ysxo xp ^u, i]ysxo 

dh xal %ax iviavxov^ aicsg ikdxxo ixdkovv. 

B Zeile 2. 3. Sybel, Hermes V 203: "OXviiTCidda noleiicov 
6 xa tcsqI xc5v ^ÜQaxksLov 6vvxd^ag, (Preller, Fragm. Pole- 
mon. XXVI: Schol. vet. Pind. Ol. VII 153 noXificDv iv reo 
jcsqI xcov ®rißri<SLv ^HQaxksicov xxL). — ünger: 'OXv^iTCcdSa 
^AQiöxodrjiiog 6 xa tcsqI ^Hksicjv (oder xvxkov) övyxaxaxd^ag. 
(Euseb. ed. Scaliger p. 39 tcsqI d'iöscDg xov dyävog xäv ÖAvfi- 
TtLCDV^ lin. 18 [0XOQOV0L Se ot jcbqI ^AQiCxoSriiLov xbv ^HXatov 
XX X, Auch lin. 21 xa dl avxcc reo ^AgiCxodruic) xal Ilokvßiog 
i6xoQel). — Eliaka mit dem Titel %aQ\ 'HkaCov *über die 
Eleer' sind nicht plausibel; ebenso wenig tcbqI xvxlcov. 

Z. 4. K. Fr. Hermann Monatskunde S. 94 nagCodov 
övved^rjxsv xv' (350) fjiiaQäv, rjg ccqxslv. 350 Tage können 
ein Jahr vorstellen, nicht aber eine Periode. — Chronol. 
S. 347: TtsQ. övv. ft^' (49) r} v' (50) iiTjvciv dQxoiisvrjv «jro 
litjvog. — Vielleicht vorzuziehen: jcsq, övvad^rjxav v, tj, v' ft' 
ri(ieQävj die 160jährige Periode von 58,440 Tagen. Oder wäre 
der Singular avved'rjxsv beizubehalten und ein singularisches 
Subjekt, Herakles, einzusetzen: övvid'fiKev 'HQaxkijg ccqxsvv'? 
Nach Pausan. V 7, 9 bestimmt der idäische Herakles, dafs der 
Agon alle fünf Jahr begangen werden solle. Alles höchst 



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— 9 -- 

unsicher. — Der Infinitiv aQ%Biv kann richtig sein, weil in 
övvtLd'ri^i ein hestimmender Wille liegt: *die da anzufangen 
habe*. — Das handschriftliche vovfirivLav hat Hermann bei- 
behalten. Böckh setzte vovfirjvtagj indem er wahrscheinlich 
verstand: '^gründete einen Zeitkreis der anfangen sollte mit 
dem Tage des Neumonds*. Aber ccqxsiv iv, statt ix oder «äo, 
fällt auf. — L. Bornemann konstituiert die Stelle folgender- 
mafsen: itSQCodov övvi^rptav hri ri' ^ijvag Q-ö*', ccQxriv Si vov- 
lirjVLccv xtL (briefliche Mitteilung). 

Z. 4. 5. Böckh: os^toöd'vog, Rhodischer Diosthyos = Mä- 
makterion (Poseideon). Hermann findet die Emendation un- 
sicher. Sollte Iota einzusetzen sein^ so dafs sich ein Kom- 
positum von @vtog ergäbe? vgl. ^löoDXYiQia und unten Ab- 
schnitt 7. 

Z. 6. 7. Böckh: evog Sl ovxog 8iaq)iQ8xov^ es sei hier die 
Rede von zwei Festen. Nicht annehmbar. Der Sinn mufs 
sein, dafs es sich hier um nicht mehr als Ein Fest handle 
und dafs dies Eine Fest dennoch sehr in der Jahrszeit schwanke. 
Vielleicht: SiafpsQovtfog^ nämlich ayetai, tp Sqcc *wird jahrs- 
zeitlich verschieden begangen*. 

Z. 7. ^AQ%6iiEva ist schwerlich Prädikat in dem Sinne xa 
liev iöxcv aQXOfisva xrjg onoiQag == ccQxexai xrjg 6%. * einige 
Olympienfeste fangen die Opora an; entsprechen dem Anfange 
der Opora*. ^AQ%6^eva scheint verschrieben statt aQxofidvrig^ 
Vgl. «fta '^Qi d^xo^iBvoa und die ähnlichen Ausdrücke des Thu- 
kydides. S. unten S. 15. 

C. Die vor Böckhs Zeit benutzten Handschriften kehren 
die Folge der beiden hellenischen Monate um, auch die Fas- 
sung ist eine andere; sie haben: od'sv xal tcoxs fihv xä ^Anok' 
XcovioD infjv^y Ttox^ dl xS IlaQ^svCfp, Die ägyptischen Monate 
fehlen. Böckh, der die ägyptischen Monate aus dem Vratisla- 
viensis A aufnahm, liefs, was die hellenischen angeht, die Folge 
des früheren Textes bestehen, kehrte daher die Folge der 
ägyptischen Monate um. Er setzte also: %oxe nlv xp ^AnoX- 
Xcovica iirivl^ Ttoxi dl xä üaQd^BvCG), tvccq' AiyvnxCovg Ms6(oqI 
i] ©cid; ünger erklärt sich für die Folge des Vratislaviensis A: 
Scad" ^ MsöOQL, behält dagegen für die hellenischen Monate 
die Folge der anderen Handschriften bei. S. unten Abschn. 9. 



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— 10 ~ 
D. ünger: Msxayeitv iwvog^ statt Mowv%iävog. 

4. Oktaeteris. Die grofsen Spiele der Hellenen haben 
sich nach je acht oder vier oder zwei Jahren wiederholt, und diese 
Fristen wurden ohne Zweifel an die Hand gegeben durch einen 
Cyklus der aus acht gebundenen Mondjahren bestand und durch 
Halbierung und Viertelung die vier- und zweijährigen Fristen 
ergab ^). Achtjährige Befristung ist überliefert blofs für die 
Pythien älterer Zeit; dafs auch die Olympien einst achtjährig 
gefeiert worden sind, hat man vermutet^), und die Vermutung 
läfst sich hören. 

Den Jahrhunderten nun die der Erfindung und Aufstel- 
lung des 19jährigen Cyklus (Ol. 86, 4 Archon Apseudes) durch 
Meton voranliegen, können wir eine für Regelung der Feste 
geltende Oktaeteris unbedenklich beilegen. Vor Meton hatten 
die Hellenen um Opfer und Bräuche bei ihrer Jahreszeit zu 
halten, soweit es auf Regeln ankam, nur die achtjährige. Ist 
also auf die Olympien älterer Zeit überhaupt eine Regel an- 
gewendet worden — und das dürfen wir annehmen — , so bleibt 
uns keine Wahl, man bestimmte die Olympienfeier nach dem 
Cyklus den man hatte, dem achtjährigen. 

Seitdem aber der neunzehnjährige Cyklus in Gebrauch ge- 
kommen war, könnte die Oktaeteris abgeschafft und statt ihrer 
die vollkommenere Zeitrechnung angewendet sein. Dafs der 
neunzehnjährige Cyklus in die Religion des Apoll eindrang, 
lehrt Diodor II 47 (Epiphanie des Gottes bei den Hyperboreern 
dt' it&v ivveaxaLdsxa)] weshalb — kann man sagen — sollte 
Olympia sein Zeusfest nicht ebenfalls nach dem neunzehnjährigen 
Cyklus bestimmt haben? bedienten sich doch ^die meisten 
Hellenen' desselben, Diodor XII 36. Es läfst sich also einiges 
zu Gunsten der Abschaffung des alten Zeitkreises sagen. Doch 
die Gegengründe sind überwiegend. Uns erscheint es als ein 
wesentlicher Vorteil, dafs die Dekennaeteris den solarischen 
Spielraum verkleinert — , aber dachte mau auch so zu Olympia? 
es ward daselbst auf allen Gebieten am Gegebenen festgehalten^). 



1) Böckh Monde. S. 10. 

2) L. Weniger Gottesdienst in Olympia (Vortrag) Berlin 1884 S. 29. 

3) Curtius Altäre von Olympia (Abh. d. Akad.) Berlin 1881 S. 33. 



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— 11 — 

man bewahrte Altes und Herkömmliches, nicht weil es gut 
oder anmutig, sondern weil es alt und herkömmlich war. 
Diesem konservativen Geiste gegenüber mufs ein Beweis bei- 
gebracht werden, der den Gebrauch der Oktaeteris zu Olympia 
für nachmetonische Zeiten bestimmt ausschliefst. An einem 
Beweise derart aber fehlt es gänzlich. Den Zeugnissen ist 
nicht blofs nichts zu entnehmen was unvereinbar wäre mit 
der Oktaeteris, sondern Zeugn. B Z. 7, s. oben S. 8, ist wahr- 
scheinlich so zu ändern, dafs sich ein indirekter Beweis ergiebt 
für ihr Bestehen in der späteren Zeit auf welche die Zeug- 
nisse ohne Zweifel zu beziehen sind. Der Beweis liegt in dem 
Umfange des den Olympien gewiesenen Spielraums. — Wir 
werden uns also zunächst mit Zeugn. B zu beschäftigen haben. 
Unter Opora, B Z. 7, ward in der Regel eine Jahreszeit 
verstanden die mit dem Frühaufgange des Hundssterns gegen 
Ende Juli begann und mit dem Tage vor Arkturs Frühauf- 
gang, B Z. 8, in der zweiten Septemberhälfte endete^). Der 
für Olympia und sämtliche Jahrhunderte der Olympiadenära 
anzuwendende 1 Aufgangsmorgen des Hundssterns ist der des 
27. Juli^). Für die Arkturphase sind die Berechner nicht ganz 



1) Nissen sieht in der Opora des Scholiasten den Löwenmonat, 
gemäfs dem was Olympiodor zu Aristo t. Meteor. I 12, 1 bemerkt, es 
werde 'der Sommer eingeteilt in d-igog wo sich die Sonne im Krebs 
und in der Jungfrau befindet und in onioQa wo sie im Löwen ist', 
Ideler I S. 245. Nach einer Bestätigung dieser seltsamen, das J&SQog in 
der Mitte durchlöchernden Doktrin sieht man sich vergeblich um. Sie 
stimmt nicht mit dem fisxöfccoQov^ dessen Anfang sich an Arkturs Früh- 
aufgang knüpfte, und kann nicht allgemeine Geltung gewonnen haben. 
Auch Ideler hielt die Beschränkung der Opora auf die Hundstage für 
eine spät aufgekommene Neuerung; 'endlich', heifst es bei ihm, 'machte 
man die ontoQa ganz zu dem was wir Hundstage nennen'. Offenbar 
empfiehlt es sich am meisten, die Opora des Zeugn. B in dem sichern 
und allgemein anerkannten Sinne einer Zeit zwischen Hundsstern und 
Arktur aufzufassen. Das erfordert dann die oben S. 9 vorgeschlagene 
Textänderung; ohne solche würden die beiden Bestimmungen {oTcoiQag 
und V7t* ccvtov tov dQntovQov) einander nicht ausschliefsen, und das 
müssen sie. 

2) Försters Berechnung für Athen (Böckh Sonnenkr. S. 416) ergiebt 
Juli 27 und 28, Juli 27 für das erste und zweite Jahr des julianischen 
Quadrienniums , Juli 28 für die beiden anderen Jahre. Die Olympien 



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— 12 - 



zum selben Resultate gelangt; sie hat im V. Jahrhundert 
vor Chr. nach Hartwig am 17., nach W. Förster am 18. Sept. 
stattgefunden zu Athen ^), nach R. Schorr am 20. zu Olympia^). 



fallen in zweite Jahre, mithin ist Juli 28 nicht anwendbar. Was die 
Polhöhe betrifft, so liegt Olympia nur 21' südlicher als Athen, wodurch 
eine Verfrühung des Aufgangsmorgens schwerlich herbeigeführt wird ; der 
attische Tag, Juli 27, ist also auch für Olympia anzuwenden. — Auf 
säkulare Verschiebungen des Hundssternaufgangs im julianischen Ka- 
lender brauchen wir keine Rücksicht zu nehmen, weil sie mit grofser 
Langsamkeit erfolgen. In dem Zeitraum von 2782 vor Chr. bis 139 
nach Chr. ist der Hundsstern in Memphis am selben Tage, dem 20. Juli, 
aufgegangen, 1699 nach Chr. allerdings einen Jag später, am 21. S. 
Ideler Astr. Beob. d. Alten S. 88, Petav Var. Diss. V 6 p. IC 8. — Nach 
W. Försters Tafeln (Böckh a. 0.) differiert in etwa hundert Jahren 
(433 — 329 vor Chr.) die berechnete Zeit um 3 Minuten. — Dafs man 
sich in Elis nach südpeloponnesischen (lakedämonischen) Phasen- 
zeiten (26. Juli, vgl. die Berechnungen für Knidos bei Böckh a. 0.) 
richtete, dürfte nicht anzunehmen sein. Die Lakedämonier waren aller- 
dings von grofsem Einflufs auf die Olympien, aber auf solche Einzel- 
bestimmungen erstreckte sich derselbe gewifs nicht. Zu vgl. G. Busolt 
Lakedäm. S. 247; auch 67 ff. 

1) Hartwig, Schweriner Programm 1861, erhielt für den Frühauf- 
gang des Arktur in Athen Sept. 1^—19 431 vor Chr., also Sept. 17 und 
die benachbarten Tage. Die Opora schliefst danach um den 16. Sept. 
Nach W. Försters Berechnung (Böckh Sonnenkr. S. 415) hat die Phase 
zu Athen im Jahre 432 vor Chr. am Morgen des 18. Sept. stattgehabt. 
Mithin Schlufs der Opora am 17. 

2) Die Berechnung welche den 20. Sept. ergiebt, lasse ich hier folgen. 
Sie ist durch eine meinerseits ausgesprochene Bitte veranlafst worden. Bei 
einer Ära, die wie die olympische zwölf Jahrhunderte umfafst, ist es nötig, 
den säkularen Fortschritt zu berücksichtigen welchem, die beiden Früh- 
aufgänge, zwischen denen sich die Olympienfeste bewegt haben, mehr 
oder minder unterworfen sind. Für den Hundsstern nun gaben Petav u. a. 
hinreichende Anleitung, s. vorhin S. 11, 2, nicht aber für Arktur. Ich 
richtete also ein Gesuch an die Kieler Sternwarte, und Herr Dr. Richard 
Schorr hat die Güte gehabt meinen Wünschen nachzukommen. 

Frühaufgänge des Arktur 

für Olympia 37 ° 37', 2 berechnet von R. Schorr. 
Jahr der Jahr vor oder Gerade Auf- 

Julian. Per. nach Chr. Steigung Abweichung 

4249 465 vor Chr. 185« 36'. 5 + 33<> 20'. 7 

4569 146 189 22.5 31 23.6 

4889 176 nach Chr. 193 5.8 29 27.7 



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— 13 — 

Danach stellt sich, vorausgesetzt dafs von der etwas nörd- 
licheren Lage Athens abzusehen ist^), die Opora des V. Jahr- 



Jahr der Jahr V.Oder u^f^f^^tS Zeit d. Früh- T?g,^ri±'°i 
juUan.Per. n. Chr. beidem Bcheinb. aufgangs Arktur morgens 
j 11 o.. 11. v^xxx. Frühaufgang »un5»in5o zu sehen war. 

4249 465 vor Chr. 170^ 9'.6 Sept. 19 9^ Sept. 20 

60 4 10.3 19 16 20 

1 3 11.2 19 21 20 

2 2 ^ 12.1 20 3 20 

4569 146 176 8.0 Sept. 21 23^» Sept. 22 

70 4 9 22 5 23 

1 3 9.9 22 12 23 

2 2 10.8 22 18 23 

4889 176 nach Chr. 179 67.8 Sept. 24 10*^ Sept. 26 

90 7 68.6 24 16 26 

1 8 59.5 24 22 26 

2 9 180 0.5 25 4 26 
Der Wert dieser Berechnung liegt in meinen Angen nicht sowohl 

in den Daten, jedes für sich genommen, als in dem Verhältnisse der 
Daten zu einander, aus welchem der säkulare Fortschritt hervorgeht. — 
Um 146 vor Chr. beträgt er, nach Ablauf von 2.160 =» 320 Jahren, 
2 d 14*», um 276 nach Chr., nach Ablauf anderer 320 Jahre, 2^ 11^, so 
dafs wir für 160 Jahre einen Fortschritt von etwa 1^ 6^ oder fünf 
Vierteltagen erhalten. — Nach aufwärts fortgesetzt, ergiebt die Reihe 
für das Quadriennium von 785 bis 782 vor Chr. (Zeit des Hesiod) als 
Sichtbarkeitstage Sept. 17 18 18 18. Auch Ideler Handb. I S. 247 erhielt 
für Hesiods Zeit, 'etwa 800 vor Chr.' S. 242, und den Parallel von 38 ^ 
September 18. — Da die Arkturphase sich um fönf Vierteltage in 
160 Jahren verschiebt, so geht das Julian. Datum der Sichtbarkeit 
meistens nur um einen Tag weiter, seltener um zwei Tage. In den 
Jahren vor Chr. 465 306 146, nach Chr. 16 war Arktur sichtbar in der 
Frühe des 20. 21. 22. 23. Septembers; 176 nach Chr. springt das Datum 
um zwei Stellen weiter, auf den 26. Sept. Die Mondphasen nun ver- 
schieben sich in der 160jährigen Periode fast ebenso, daher der Abstand 
vom Arktur ziemlich derselbe bleibt. (Das Verhältnis der Mondphasen 
zum Hundsstemaufgange dagegen ist ein durchaus unbeharrliches; in 
dem Spatium y', s. unten S. 23, schliefst Luna XV den Hundsstem- 
aufgang ein, in S' entspricht sie dem Tage nachher, in c' einem noch 
späteren Tage, und so geht es weiter.) 

1) Die Verschiedenheit der Ergebnisse dürfte nicht auf die Lage 
der beiden örter zurückzuführen sein. Hartwigs und Försters Bestim- 
mungen beziehen sich auf denselben Ort und differieren doch. Wollte 
man sie, da Arktur, weiter nach Süden, später aufgeht, vgl. Böckh 



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- 14 — 

hunderts für Olympia und Athen auf die Zeit von Juli 27 bis 
Sept. 16 oder 17 oder 19, also auf 52 oder 53 oder 55 Tage. 
Im Laufe der Zeit wird die Opora länger, weil ihr Anfang 
(Juli 27) sich fast gar nicht ändert, ihr Ende aber vorrückt; 
die Verlängerung beträgt fünf Vierteltage in 160 Jahren. 

Mit den Worten: 'OXv^ma ayexai — — ra ^sv 

xa ds VTC^ avtov rbv ccqxtovqov wird angegeben, dafs die Zeit 
des Festes sich mitunter dem Frühaufgang des Arktur nähere. 
Was wir vor uns haben ist eine jahreszeitliche Grenze, und da 
mit dem Frühaufgange des Arktur der letzte Abschnitt des 
Sommers, OTcd^a genannt^), mithin auch die Jahreszeit der 
Olympien (aestivis diebus, Zeugn. A) endet, die Spätgrenze ^). 
Dafs es sich dem Scholiasten um solarische Grenzen handelte, 
scheint auch aus dem vorangeschickten ivbg 6h ovrog dia^pa- 
QOVTODv TTJ &Qa her vorzugchcu , denn diese Worte, obwohl 
verm. etwas verschrieben, s. oben S. 9, können nur sagen 
wollen, es sei ein und dasselbe Fest, aber der Sonnen- 



Sonnenkr. S. 84, für Olympia um einen Tag rücken, also statt Sept. 17 
und 18 Sept. 18 und 19 setzen, so würden sie trotzdem nicht mit dem 
für Olympia gefundenen 20. Sept. stimmen; und von einer Änderung 
um mehr als einen Tag kann nicht die Rede sein bei einem Polhöhen- 
unterschied von 21'. 

1) Unter den Erklärungen die Eustath von onmqa giebt, s. Ste- 
phanus Paris, s. v., lautet eine: t6 tslevtcctov fiSQog xov ^igovg. — 
Polybios erzählt IV 66, 7, dafs König Philipp seine macedonischen 
Truppen zur Fruchtlese, inl tr^v rijs onoagag avynofiidiqv y entlassen und 
selbst den Rest des Sommers, xo Xomov fiiqog tov d^iqovgy in Larisa 
zugebracht habe. Hier ist der Rest des Sommers eben die Zeit, während 
welcher es Efstrauben und Feigen zu pflücken giebt und die mit den 
Früchten die sie zeitigt den Namen teilt. 

2) Nissen schliefst aus Zeugnis ß, dafs von je zwei einen Cyklus 
bildenden Olympiaden die erste, mit ungerader Zahl benannte Feier in 
den achten Monat des brumal anhebenden Jahres der Eleer, in die so- 
genannten Hundstage {ondga = Löwenmonat,- Hundstage, s. oben S. 11,1), 
die andere, mit gerader Zahl benannte gegen den Frühaufgang des 
Arktur, 20. Sept., fiel. Wie also die sämtlichen Sonnenstände der ge- 
raden Olympiaden unter diKoqag, so wären die sämtlichen Sonnenstände 
der ungeraden Olympiaden unter vn avxov tov dqTizovQOv begriffen. 
Einen so umfassenden Sinn kann die letztere Bezeichnung nicht 
haben. 



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- 15 — 

stand keineswegs derselbe, der jahreszeitliche Unterschied sei 
bedeutend; Unterschiede in der Jahreszeit aber werden klar 
durch Angabe der Grenzen. 

Ist mit vä' avrov ror aQxxovQOV die Spätgrenze ange- 
gegeben , so mufs mit dem vorangehenden r^^ oiCiOQu^ die 
Frühgrenze angegeben sein, so dafs das dia^pigeiv tri Sqcc 
durch beide Extreme belegt wird. Die Opora aber ist keine 
Grenze; um sie zu einer solchen zu machen, bedarf es eines 
beschränkenden Zusatzes, man setze also ccQxo^svrjg statt des 
unverständlichen ccQxoiieva^). Der Scholiast sagt dann, den 
olympischen Agon begehe man frühestens in den Anfangs- 
tagen der Opora, wenn der Hundsstern morgens wieder zum 
Vorschein kommt, spätestens gegen Ende der Opora in den 
Tagen die dem Frühaufgang des Arktur vorangehen. Von den 
Zwischenlagen der Olympien sagt der Scholiast nichts, die 
verstanden sich von selbst. 

Durchmafsen also die Olympien die Jahreszeit der Opora 



1) S. oben S. 9. Auch wenn man sich entschlösse ontoqa mit 
Nissen für den Löwenmonat zu nehmen und za fi^v ccQxofisva in dem 
Sinne von tä fi\v dsl ccQx6(isva auf den 160jährigen Cyklus und eine 
danach geordnete Kette von vierzig Olympienfesten bezöge, würde die 
überlieferte Lesart sich nicht schützen lassen. Der Scholiast würde 
sagen, dafs die unter den vierzig jedesmal frühesten, den Anfang der 
Kette bildenden Olympien in die Opora fallen, und damit hätte er etwas 
recht unpassendes gesagt; er hätte den Anfang der Kette umherirren 
lassen in einem Spatium von 31 Tagen (so viele Tage giebt Geminos 
dem Löwen). Die entsprechende Bestimmung der spätesten Olympien 
durch vn' avtov tov aqv.tovqov wäre dann in ähnlichem Sinne für den 
Monat der Jungfrau (30 Tage nach Gem.) zu nehmen. Aber vn avzov 
TOV aQTiTovQOv mufs ein viel kleineres Spatium bedeuten. Solche dehn- 
bare unsichere Ausdrücke hat man zu bemessen nach dem Objekt um 
das es sich handelt; es handelt sich aber hier nicht um ein Jahr oder 
ein Semester, sonder m um denjenigen Teil der Sommerzeit durch welchen 
sich die Olympien bewegten. — Ebensowenig kann ocQx6[isva mit Nissen 
auf die jedesmal ersten Olympien einer Achtjahrszeit bezogen werden, 
denn dann müfste tä Ss vn avxov tov aqyt.tovqov auf die jedesmal 
zweiten gehen, was unmöglich, weil die jedesmal zweiten nicht sämt- 
lich dem Arktur nahe bleiben können; vermöge der beharrlichen Ver- 
spätung des achtjährigen Schaltkreises erhalten sie eine Menge verschie- 
dener Lagen im Sonnenjahr. 



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— 16 - 

von einem der ersten Oporatage bis zu einem der letzten, so 
können wir uns des Gedankens einer Lenkung des Festes 
durch die Dekennaeteris entschlagen, denn diese liefert viel 
kleinere Spielräume, z. B. für Luna XV des Metageitnion in 
den Jahren 330—311 Aug. 11 bis Sept. 8, 29 Tage. Offen- 
bar haben- wir es in Olympia mit der Oktaeteris zu thun, 
deren allmähliche Verschiebung, auch wenn derselben recht- 
zeitig Einhalt gethan wird (durch Ausschaltung eines Monats 
in 160 Jahren), einen um mehr als einen halben Monat gröfseren 
Spielraum bedingt, und ist Olympia der alten vormetonischen 
Zeitrechnung treu geblieben. 

Auch das Zeugnis C, in welchem der zwischen je zwei 
Festen liegenden Intervalle von 49 und 50 Monaten gedacht 
wird, ist dieser Ansicht günstig. Den Wechsel von 49 und 
50 Monaten kennt die Dekennaeteris allerdings ebenfalls, doch 
ist er für sie nebensächlich und wird nicht so beharrlich ein- 
gehalten. 

Was die acht Neujahre der Oktaeteris betrifft, so ist ohne 
Zweifel der sakrale Gesichtspunkt mafsgebend gewesen, der 
Kalender sollte der Festfeier, insonderheit der Feier des 
Olympienfestes dienen. Von den zwölf oder dreizehn Voll- 
mondszeiten des Jahres wird man die erste dem Zeus geweiht, 
also die Olympien, kleine^) wie grofse, im ersten Monate des 
ortsüblichen Kalenders begangen haben, daher denn die Mo- 
nate Parthenios und ApoUonios, in welche nach Zeugn. C der 
Agon abwechselnd fiel, dem ortsüblichen Kalender nicht an- 
gehört haben können^). Die von Xenophon Hell. VII 4, 28 
überlieferten Kriegsereignisse haben sich zugetragen, als die 
104. Olympienfeier in Aussicht war und demnächst begangen 
ward, im Sommer (Zeugn. A) 364 v. Chr. Von dem olym- 



1) Schol. Plat. Phaedr. p. 236 B rjySTO de %ccl nar' iviavxov, anSQ 
iXdxzm (OXvfiTtia) i-itdXovv (Zeugn. D). Vgl. Krause Olympia S. 217. 

2) Ansicht Corsinis. Siehe Dissert. agon. p. 9. — Xenophon Hellen. 
VII 4, 28 scheint von einem kalendarischen Schwanken der Panegyris 
nichts zu wissen; er spricht von dem Monate in den die Olympien 
'fallen' yiyvBxai^ immer fallen nach pisäischem Kalender, nicht: damals 
fielen nach demjenigen welchem die Monate Parthenios und ApoUonios 
entnommen sind. Vgl. unten Abschn. 7. 



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— 17 - 

pischen Jahre ist die Rede als von einem bevorstehenden {xal 
ijtLovtog 'OXviimaxov itovg)] der Monat der Panegyris stand 
ebenfalls bevor und trat dann während der Ereignisse ein 
(iTcel dh ts fti^v f^KSV xrL). Ohne Zweifel ist der bevor- 
stehende Monat ein Teil des bevorstehenden Jahres gewesen, 
das neue Jahr brachte in seinen Anfangen^), in seinem ersten 
Monate, die Panegyris. — Die Annahme, dafs die Olympien 
bald zu Anfang, bald am Schlüsse des ortsüblichen Jahres be- 
gangen worden seien ^), verdient keinen Beifall. Ein Fest hat 
seinen bestimmten Monat, an diesem haftet es, daher in den 
Menologien der Hellenen mancher Monat nach dem in seinem 
Verlauf gefeierten Feste benannt worden ist. Die Verwerf- 
lichkeit der Annahme erhellt auch aus dem antagonistischen 
Verhältnis der Festintervalle zu den Cyklenhälften, welches 
sie voraussetzt. Die Olympien kommen nur dadurch bald in 
den Schlufs- bald in den Anfangsmonat, dafs zwischen den 
Festen 50 Monate vorausgesetzt werden, wenn die Penteteris 
49 hat und umgekehrt. Der Cyklus ist aber nicht da um der 

1) Dialekt Inschr. I (Fr. Bechtel) N. 3046 J=sto[s] a^x^i ccXvvnidg. 

2) Böckh war dieser Meinung; Mondcyklen S. 15 f. äufsert er sich 
80: Die Spiele waren gebunden an den ersten postsolstitialen Vollmond, 
der in verschiedene Monate des olympischen Jahres, bald in den Apol- 
lonios, bald in den Parthenios fiel. Von den beiden Monaten^ die ab- 
wechselnd die Rolle des Olympienmonates übernahmen, war der eine 
(ApoUonios) letzter, der andere (Parthenios) erster Monat des Jahres. 
Die 87. Olympiade z. Beisp. wird Ende Juni (Vollmond 30. Juni) im 
Skirophorion Arch. Apseudes begangen sein , welcher Monat zu Olympia 
ApoUonios hiefd und letzter Monat eines olympischen Schaltjahres war; 
mit der nächsten Numenie, Juli 16, hob der Monat Parthenios und das 
neue Jahr olympischen Kalenders an. Die kalendarische Lage der 
88. Olympiade war eine andere; sie knüpfte sich an den ersten Voll- 
mond des olympischen Jahres, den des Parthenios, welcher dem meto- 
nischen Hekatombäon entsprach, Juli 16. Juli 15 ist wie Juni 30 ein erster 
postsolstitialer Vollmond. (Böckh hat seine Ansicht nicht vollständig 
ausgeführt. S. 16 sagt er von dem Wechsel vermöge dessen die Olym- 
pien bald Schlufsfest bald Anfangsfest wurden, es sei derselbe nicht 
konstant. Um die Olympien bei dem ersten postsolstitialen Vollmond 
zu halten, wird er angenommen haben, dafs die 102. Olympiade, die dem 
bisher eingehaltenen Wechsel zufolge im Anfang des Jahres zu begehen 
war, Schlufsfest wurde und dafs fortan der Wechsel aufhörte. S. weiter 
unten die Einzelfälle, Olympiade 104.) 

Mommsen, Olympienzeit. 2 



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— 18 — 

Festfeier das Widerspiel zu halten und sie zu stören, sondern 
die 49monatige Zwischenzeit der Feste mufs sich, soweit das 
bei den ungleichen Ausgangspunkten (Luna I und XV, s. unten 
S. 20) möglich, decken mit der 49monatigen Penteteris, und 
ebenso die öOmonatige Zwischenzeit mit der 50 monatigen 
Penteteris. Findet diese Deckung statt, so kommt das Olympien- 
fest immer in denselben Monat des ortsüblichen Jahres. 

Die Schaltjahre des olympischen oder, wie wir auch sagen 
können, pisäischen Kalenders werden ihre festen Stellen in der 
Oktaeteris gehabt haben. An beliebige Änderung ist nicht 
zu denken, um so weniger als die Schaltfolge schwerlich wie 
die Bestimmung der Neujahre von den Wünschen und Bedürf- 
nissen der Ortsbewohner allein abhängig war. 

5. Oktaeteridensystem. Obwohl wir einer gewissen 
Vorzeit einigermafsen ungleich und etwas beliebig bestimmte 
Olympiaden, hervorgehend aus einer empirisch, nach dem Augen- 
schein, geleiteten Oktaeteris, beizulegen haben, führen doch 
allgemeine Gründe dahin, dafs im Verlaufe zu einer ordent- 
lichen Regelung gelangt ward. Die olympische Zeitrechnung 
hat später volle Anerkennung gefunden und ist übergegangen 
in den Gebrauch der Gebildeten, was auf Zuverlässigkeit der 
Olympienzeiten schliefsen läfst; hätten Unordnung und Will- 
kür geherrscht, so würde man die Olympiaden nicht respek- 
tiert haben. 

Die einzige Regel nun die überliefert wird, ist die 160jäh- 
rige, Gemin. ed. Hilderic. p. 135. Eine Oktaeteris ist, da sie 
mit dem Monde stimmen soll, um einen oder zwei Tage länger 
als acht julianische Jahre, eine Doppeloktaeteris oder Hek- 
kädekaeteris um drei Tage länger. Von sechzehn zu sechzehn 
Jahren, die 2924 -f 2923 = 5847 Tage einschliefsen, verspäten 
sich die Numenien im julianischen Kalender um drei Tage. 
In 160 Jahren sammeln sich die Verspätungen zu 30 Tagen, 
einer Monatslänge, an, daher in der letzten Hekkädekaeteris 
ein 30tägiger Schaltmonat wegfallen mufs. Die 160 Mond- 
jahre welche dieses Verfahren ergäbe, würden ebenso viele 
365V4tägige Jahre darstellen, so dafs sie 58440 Tage hätten 
uiid die Spitze der 160jährigen Periode immer wieder zum 



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- 19 — 

selben julianischen Datum zurückkehrte. Allein der Mond 
käme dabei zu kurz, er verlangt einen Tag mehr; statt einer 
jeden der zehn Hekkädekaeteriden drei Tage zuzugeben, müssen 
einmal vier zugegeben werden^). Die Periode also, wenn sie 
lunarisch brauchbar sein soll, kommt auf 58441 Tage, die 
sich auf die zehn Hekkädekaeteriden so verteilen mochten, 
dafs den ersten acht je 5847, der neunten 5848, der zehnten 
und letzten 5817 Tage zufielen^), und eine Rückkehr zum 
selben Tage des julianisch eu Kalenders findet nicht statt*). 

Dafs sich also die Kalenderbehörde zu Olympia des von 
Geminos überlieferten Oktaeteridensystems bedient hat um der 
grofsen Panegyris ihren Stand in der Jahreszeit anzuweisen, 
ist im allgemeinen wahrscheinlich. Treten wir denn auf diese 
Wahrscheinlichkeit ein. 

Das System mufs so eingerichtet gewesen und so ange- 
wendet worden sein, dafs sich für Luna XI des Olympien- 
monates und die übrigen Festtage die Sonnenstände in Über- 
einstimmung mit dem emendierten Scholion (Zeugn. B, 'Olvfutia 

aysxai ra [ihv o:Qxoii^v[rjg] tijg dTcdQag^ xa 8\ vtc avrov 

xov agxxovQOv) ergaben. Die nach den geminischen Regeln 
hergestellte 160jährige Periode brachte also die Olympien zu- 
nächst in den Anfang der Opora, diese früheste von den vierzig 
Lagen befand sich an der Spitze der Periode; dann folgten 
spätere und immer spätere Lagen, und die Verspätung hörte' 
erst auf, wenn die Olympien sich dem Arktur und dem Ende 
der Opora näherten; nach der vierzigsten und spätesten Lage 
wurde eine Lunation gestrichen und gelangte die Periode zum 
Schlufs. 

Der Scholiast (Zeugn. B) scheint von der Lage des ganzen 

1) Gem. p. 135 dia dl tovto dsrjasL novs iv rotg i?' hsoLV ocvtl zcav 
s(ißoX{n(Dv TifisQciv 8* indysöd'ai. Vorher hat Geminos von den drei 
Zasatztagen der HekkädekaSteris gesprochen, so dafs tcoi/ ifißoXtn<ov 
rifiSQ(ov verständlich ist. Man erwartet indes tgmv statt zmv. 

2) Statt den 58441 Tagen die Form 5847 . 8 + 5848 + 5817 zu 
geben, liefse sich einfacher 5847.9 + 5818 wählen. Der Abzug von 
30 Tagen, zusammengezogen mit dem Zusatz eines Tages, giebt einen 
Abzug von 29 Tagen. Aber Geminos' Darstellung führt doch auf die 
weniger einfache Form. 

3) Vgl. unten S. 23 f. die Anfänge der Spatien. 

2* 



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— 20 - 

Festes zu reden. Diesen heortologischen Standpunkt müssen 
wir vorläufig verlassen; im Kalenderwesen bedurfte man eines 
bestimmten Tages ; der als mafsgebend für die korrekte Lage 
des Festes zu betrachten war. Es kann nur zwischen Luna XIV 
und XV geschwankt werden, weil diese beiden Tage des 
Olympienmonates ohne Zweifel seit sehr alter Zeit festlich 
waren und, so lange die Olympien bestanden, festlich blieben. 
Wir entscheiden uns für die, zeitweise wenigstens, am cere- 
moniösesten begangene Luna XV; vgl. oben S. 5 und 7. Statt 
also, wie der Scholiast, vom Früh- und Spätstande des ganzen 
Festes, reden wir vom Früh- und Spätstande eines bestimmten 
Tages, der Luna XV. 

In der Vorzeit wird man sich begnügt haben die Olym- 
pien überhaupt nur innerhalb der Opora zu halten. Als das 
ältere, in Betreff der Kürzungsfrist und des Spielraums ver- 
mutlich etwas schwankende Herkommen präzisiert war durch 
Ingebrauchnahme des Oktaeteridensystems, welches 160 Jahre 
als Frist der Kürzung festsetzte, ergab sich für die Luna XV 
ein fester Spielraum in der Opora. Er betrug 45 Tage. Der 
Opora aber kommen im V. Jahrhundert vor Chr. 52 (53, 55) 
Tage zu, s. oben S. 14, in späteren Jahrhunderten ist sie wegen 
der säkularen Verschiebung des Arktur noch länger. Die 
Luna XV konnte also nicht die ganze Opora durchmessen. 
Wie wird nun zu Olympia der 45tägige Spielraum den die 
Periode lieferte, fixiert worden sein? Hat man gewünscht 
seinen Anfang dem durch den Hundsstern verkündigten An- 
fange der Opora entsprechen zu lassen? oder sollte er dem 
Schlufs der Opora und dem Vortage der Phase des Arktur 
entsprechen? oder wählte man eine gewisse mittlere Lage in 
der Opora, so dafs von den Anfangstagen sowohl als von den 
Schlufstagen einige von dem Spielraum ausgeschlossen blieben? 
Die erste Frage mufs bejaht, die beiden letzten verneint werden. 
Ohne Zweifel hat man sich dafür entschieden, dem Spielraum 
des Festes einen klaren und deutlichen Anfang zu geben mit 
dem Frühaufgange des Hundssterns am ersten Tage der Opora. 
Der Hundsstern ist seiner Helligkeit wegen ein gutes Signal, 
und seit sich den Hellenen die Erfahrungen Ägyptens er- 
schlossen hatten, wufsten sie, wie sehr sich dieser Stern für 



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— 21 - 

Zwecke der Zeitrechnung und des Kalenderwesens eignet. Die 
schematischen Cyklen, die Oktaeteris von 2922 Tagen, die 
160jälirige Periode von 58440 Tagen, waren Multipla des 
365 V^ Tage haltenden Hundssternjahres; und von den sche- 
matischen Cyklen ward ausgegangen. Wenn man der Oktaeteris 
in der Praxis einen oder zwei Tage zuzusetzen genötigt war, 
so erscheinen die Zusatztage immer nur als Abweichungen 
vom Grundschema, die hernach, durch Wegwerfung einer Lu- 
nation, beseitigt werden muTsten, so dafs die Durchschnitts- 
länge des Mondjahres schliefslich, von einem kleinen Unter- 
schiede^) abgesehen, wieder auf 3657^ Tage, die Länge des 
Hundssternjahres, kam. Die Präzisierung des älteren, überhaupt 
nur oporische Olympien verlangenden Herkommens ist also 
gewlTs nicht so ausgefallen, dafs der Frtihaufgangstag des 
Hundssterns von den der Luna XV einzuräumenden Tagen 
ausgeschlossen ward; man liefs die Gleichung: Luna XY des 
Olympienmonats = Juli 26/7 zu, und zwar, da Luna XV, 
wie im älteren Herkommen, oporisch bleiben mufste, als frü- 
heste. Um Arktur und den Spätstand bekümmerte man sich 
weiter nicht ^), bei 45 Tagen Spielraum konnte ja die späteste 
Luna XV niemals metoporisch werden. 



1) Praktisch ansgeführt, hatte die 160jS,hrige Periode einen Tag 
mehr als 160. 3657^ » 48440. S. oben S. 19. Macht for jedes Jahr 9 Mi- 
nuten. Verm. haben die Anfsteller der Periode diesen Unterschied nicht 
gekannt und hat sich derselbe erst, bei der Ausführung, im Laufe der 
Zeit ergeben. Die Einbildung, dafs das zwanzig OktaSteriden ver- 
einigende System genau Schritt halte mit dem Hundssternjahr, wird 
auch später nicht erloschen sein. 

2) Ein Signal der Olympienzeit war Arkturs Frühaufgang nicht; 
was er meldete war, dafs es nicht mehr Zeit sei Olympien zu feiern. 
Es wurde wohl nicht vom Arktar rückwärts geschaut und bestimmt, wie 
nahe die Luna XV dem Ende der Opora kommen dürfe. Aber bei Be- 
stimmung der Pro^rosien haben doch die Athener, wie der Nebenname 
dieses Festes, ngoagyiTovQitt (He ort. S. 77) lehrt, sich um die Phase eines 
vor dem Feste oder während desselben noch nicht sichtbaren Sternes, 
und gerade des Arktur, bekümmert? Der Grund liegt vermutlich darin, 
dafs gewisse Lieferungen {ngoTjQoaia) vor der Arkturphase beschafft sein 
mufsten. Ein Lieferungstag sind aber die Olympien nicht gewesen. 
Vgl. Bursian-Müller Jahresbericht LX 1889 III S. 345. — Dals das Arktur- 
jahr, von dessen säkularischer Verschiebung oben S. 12, 2 berichtet ist, 



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— 22 — 

Bei Einführung der l60jährigen Periode ist also Juli 26/7 
als Frühgrenze von Luna XV des Olympienmonates aufgestellt 
worden. Das Ergebnis zu welchem die beiden jüngeren For- 
scher, ein jeder auf seinem eigenen Wege, und auf Wegen 
die, einer wie der andere, von dem meinigen ganz und gar 
abweichen, gelangt sind, ist wesentlich dasselbe^). 

Dafs, als früheste Gleichung, Luna XV des Olympien- 
monats = Juli 26/7 aufgestellt ward, bestätigt sich durch 
einen bemerkenswerten Umstand, den die uns bekannte Olym- 
piadenära von 776 vor Chr. liefert. Hat die 160jährige Pe- 
riode zu Olympia gegolten, so dürfen wir glauben, dafs sie 
von denen die die Ära feststellten, berücksichtigt ward. Teilen 
wir also die Ära in 160jährige Spatien auf, so ergiebt sich, 
sobald wir in die Blütezeit des Hellenentums kommen, die 
Spitze der Periode so, dafs Luna XV den morgens den 27. Juli 
erfolgenden Hundssternaufgang einschliefst. Die Spatien laufen 
von den vorchristlichen Jahren 776 616 ... Es wird nötig 
sein die in diesen Jahren sich darbietenden Frühstände zu 
überblicken. 



mit der 160j8.hrigen Periode von 68 441 Tagen besser Schritt hält als 
das Hundssternjahr, hat seine Richtigkeit. Doch ist die schematische 
Tagsamme 58 440 keineswegs deshalb am eine Einheit erhöht worden^ 
weil man die Periode mit dem Arktaraafgang and dem Arkturjahr in 
Einklang setzen wollte; der Grund die Tagsumme za erhöhen lag im 
Mondlaaf, bei 58 440 Tagen wären lunarische Fehler entstanden. Über- 
haupt dürften die Hellenen dem Arkturjahr nicht nachgedacht haben, 
die säkularischen Verschiebungen des Arktur sind ihnen wohl gänzlich 
unbekannt geblieben. 

1) Sie gehen von Luna XIV (Vollmond), nicht von Luna XV, aus. 
Unger Philol. XXX S. 228 datiert seine Frühgrenze nicht, als Spätgrenze 
gilt ihm Aug. 24; da er nun das Gebiet des zweiten postsoletitialen 
Vollmonds als Spielraum der olympischen Luna XIV ansiebt, so stellt 
sich seine Frühgrenze auf Ende Juli (Juli 26 oder 27). — Nach Nissen 
Rhein. Mus. XL S. 351 sind die Olympien zwischen Mesori 1 und Thoth 30 
alex. Kai., julianisch, d. i. zwischen Juli 25 und Sept. 27 gefeiert worden, 
frühestens also um den Vollmond des 25. Juli. 



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— 23 -- 

Übersicht der Frühstände 
von Luna XI bis XV des Olympienmonats^ welche an der 
Spitze 160jähriger Spatien von Ol. 1 ab angetroffen werden^). 





Spatium a*) 


Spatium ß 




TOr Chr. 776 bis 616 


vor Chr. 616 bis 456 




Ol. 1 bis 40. 


Ol. 41 bis 80. 


Luna XI 


Juli 20/1 776 


Juli 21/2 616 


„ XII 


„ 21/2 „ 


„ 22/3 „ 


„ XIII 


„ 22/3 „ 


., 23/4 „ 


„ XIV 


„ 23/4 „ 


„ 24/5 „ 


„ XV 


„ 24/5 „ 


„ 25/6 „ 




Spatium y 


Spatium S 




vor Chr. 456 bis 296 


vor Chr. 296 bis 136 




Ol. 81 bis 120. 


Ol. 121 bis 160. 


Luna XI 


Juli 22/3 456 


Juli 23/4 296 


„ XII 


„ 23/4 „ 


„ 24/5 „ 


„ XIII 


„ 24/5 „ 


„ 25/6 „ 


„ XIV 


„ 25/6 „ 


„ 26/7 „ 


„ XV 


„ 26/7 „ 


„ 27/8 „ 



1) Man verstehe a und ß nicht so, als ob es in den Jahren 776 
und 616 vor Chr. ein fünftägiges Olympienfest gegeben habe. In den 
ersten Jahrhunderten war das Fest kleineren ümfangs. Erst Ol. 77 
scheint ein fünfter Festtag hinzugefügt zu sein; s. oben S. 6. Die Fünf- 
tägigkeit ist für Pindars Zeit vielleicht als Regel zu betrachten. Nach- 
mals haben die meisten Olympienfeste wahrscheinlich viel mehr Tage 
als fünf in Anspruch genonmien; s. oben S. 7. Die Übersicht vergleicht 
die solarisch verschiedene Lage von Luna XI bis XV des Olympien- 
monats von 160 zu 160 Jahren, einerlei ob es lauter Festtage waren 
oder nicht imd ob das Fest mit Luna XV endete oder sich über Luna XV 
hinaus erstreckte. 

2) Mit Unrecht haben ünger und Nissen für 776 den 21. August 
als Olympienvollmond vorgeschlagen und ich Ungers Vorschlag gebilligt, 
Chron. S. 348. Der Anfang der Olympiadenära verlangt die Anfangslage 
des Festes,' das Fest mufs seinen Lauf antreten an der Schwelle des 
Spielraums den es zu durchlaufen hat. Ein historisches Faktum sind 
die Olympien von 776 nicht, man hat sie angesetzt nach gewissen Ge- 
sichtspunkten, und unter den Gesichtspunkten war ohne Zweifel auch 
der, dafs die Setzung mit dem Spielraum harmonieren, das auf 776 ge- 
setzte Fest seinen Spielraum noch ganz vor sich haben sollte. — Auch 



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- 24 - 





Spatium e 


Spatium ? 




136 vor bis 26 nach Chr. 


26 bis 186 nach Chr. 




Ol. 161 bis 200. 


Ol. 201 bis 240. 


Luna XI 


Juli 24/5 136 


Juli 25/6 25 


„ XII 


„ 25/6 „ 


„ 26/7 „ 


„ xm 


„ 26/7 „ 


„ 27/8 „ 


„ XIV 


„ 27/8 „ 


„ 28/9 „ 


„ XV 


„ 28/9 ., 


„ 29/30,, 


' 


Spatium \ 


Spatium ij') 




186 bis 346 nach Chr. 


346 bis 606 nach Chr. 




Ol. 241 bis 280. 


Ol. 281 bis 320. 


Luna XI 


Juli 26/7 185 


Juli 27/8 345 


„ xn 


„ 27/8 „ 


„ 28/9 „ 


„ xm 


„ 28/9 „ 


„ 29/30,, 


„ XIV 


„ 29/30 „ 


„ 30/1 „ 


„ XV 


„ 30A „ 


„ 31/Aug. 1 345. 



Die Gleichung welche den am 27. Juli stattfindenden 
Hundssternaufgang einschliefst, findet sich, wie das bei der 
Tagsumme der Periode nicht anders sein kann, nur in einem 
einzigen Spatium, und zwar in y. Hat man also zu Olympia 
die Periode so geplant und ausgeführt, dafs Luna XV dem 
26./7. Juli entsprechen sollte und entsprach, und haben wir 
die Luna XV Ol. 81 dem 26./7. Juli 456 vor Chr. zu gleichen, 
so mufs das Oktaeteridensystem vor 456 erfunden und in 
Gebrauch genommen sein. Es heifst dem V. Jahrhundert 
nicht gar viel zutrauen, wenn wir ihm diese Entdeckung zu- 
trauen; der Schritt vom achtjährigen zum hundertsechzigjäh- 
rigen Kreise war im wesentlichen gethan, sobald man die 
Hekkädekaeteris hatte, und diese war, wie Böckh Monde. S. 24 
bemerkt, nicht schwer zu finden. 

Die Spatienanfäuge a und jS sind danach proleptisch ; man 
übertrug die Luni solar Verhältnisse einer jüngeren Zeit auf 



bei Unger und Nissen führt der Vollmond des 21. Ang. keineswegs den 
Reigen der Olympienvollmonde, die hervorragende Rolle an der Spitze 
der Ära zu stehen konnte ihm nach ihren Systemen nicht zufallen. 

1) Das Spatium ij ward nicht mehr ganz durchlaufen, weil die 
Olympien unter Theodosios Ol. 293 eingingen. 



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~ 25 - 

YergangeDheiten welchen dieselben nur annähernd zukamen; 
es herrschte auch wohl später noch die Einbildung, dafs die 
systematisierte Oktaeteris vollständig mit dem 365V4tägigen 
Jahre stimme und immer wieder zum Hundsstern zurück- 
kehre. S. oben S. 21, 1. 

Da die Gleichungen für Luna XV in y und 8 um einen 
Tag verfrüht werden könnten, so dafs* sich Juli 25/6 456 und 
Juli 26/7 296 ergäbe, so liefse sich die Ingebrauchnahme der 
160jährigen Periode auch der Scheide des IV. und III. Jahr- 
hunderts vor Chr. zuweisen. Aber will man Sichtbarkeit des 
Neumonds, so mufs es doch bei Luna XV = Juli 26/7 456 
und = Juli 27/8 296 bleiben^). 

Steht es nun fest, dafs sich die Olympiaden 81 121 . . . 
dem Ende Juli 456 296 . . . eintretenden Vollmond anlehnten, 
so folgt, da bis zur nächsten Feier entweder 49 oder 50 Mo- 
nate vergehen, für Ol. 82 122 . . . entweder der Julivollmond 
oder der Augustvollmond 452 292 . . . Ersterer liegt dem 
Hundsstemaufgaug einen halben Monat voran, kann also, da 
er den Olympien eine prooporische Stellung geben würde, 
nicht gewählt werden. Die Olympiaden 82 122 .. . sind mit- 
hin im August 452 292..., einen halben Monat nach dem 
Hundsstemaufgang gefeiert worden. Damit ist überhaupt die 
Reihe der Vollmondszeiten festgestellt bis zur vierzigsten und 
letzten, denn vermöge des Wechsels der 49- und 50monatigen 
Intervalle läfst sich immer die folgende Lage aus der vorher- 



1) Wahrer Neumond zu Olympia vor Chr. 456 Juli 10 18** 60™, wo- 
bei der Zeitunterschied von Paris zu 1^ 14°* angenommen ist. Sonnen- 
untergang 19** 26°* (Eazamia- Kalender). Von einem sichtbaren Neu- 
mond am 10. Juli kann nicht die Rede sein, uud auch am 11. ist der 
Mond beim Untergang der Sonne noch keine 26 Stunden alt, seine Sicht- 
barkeit also wenig wahrscheinlich. Ist also die Sichtbarkeit mafsgebend, 
so müssen wir den kalendarischen Neumond am Abend des 12. beginnen 
lassen, und Luna XY am Abend des 26. Der Morgen an welchem der 
Hundsstern aufgeht, wird mithin umschlossen von Luna XV = Juli 26/7. 
— Im Jahre 296 tritt der wahre Neumond zu Olympia am 11. Juli 
16** 36*** ein; Sonnenuntergang ungeföhr 19** 24***. Abends den 12. ist 
das Erscheinen des Neumondes möglich, sicher aber erst am 13. Ist 
also die Numenie auf Juli 13/4 zu setzen, so ergiebt sich für Luna XV 
der 27./8. Juli. 



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- 26 - 

gehenden bestimmen; von der ungeraden Olympiade wird zur 
geraden mit 50, von der geraden zur ungeraden mit 49 Mo- 
naten übergegangen, wodurch die ungerade Olympiade immer 
ein um 14 bis 16 Stellen späteres Datum Julian. Kai. erhält 
als die benachbarten geraden Olympiaden^). 

Wir haben im Vorstehenden den Standpunkt des Scho- 
liasten (Zeugn. B), der von Men Olympien', nicht von einem 
bestimmten Tage der Olympien spricht, verlassen und mit 
einem andern, dem kalendarischen, vertauscht. Fassen wir 
jetzt seine auf das ganze Fest gehenden Bestimmungen, unter 
Voraussetzung der in den Jahren 776 616 . . . anhebenden Pe- 
riode ins Auge, fragend, ob es von dem periodengemäfs an- 
gesetzten Feste heifsen konnte, dafs es teils (frühestens) aq- 
%oyi,iv\ri(i\ trjg onciQagj teils (spätestens) vtc avtbv xov ccQXtov- 
Qov gefeiert werde. 

Die Antwort auf den ersten Teil der Frage kann nach 
Anleitung der Spatienanfänge nicht zweifelhaft sein. Von den 
proleptischen Partien der Ära ist selbstverständlich abzusehen. 
Die Lage von Ol. 81 (Spatium y) kommt weniger in Betracht 
für den Scholiasten, der ohne Zweifel einem viel jüngeren 
Zeitalter angehört. Die übrigen Frühstände können oder 
müssen als einstimmig mit dem Zeugnis B betrachtet werden; 
die Tage der 121. Feier (Spatium d) haben, unter Voraus- 
setzung einer mehrtägigen Erstreckung des Festes über Luna 
XV hinaus, s. oben S. 7, die der 161. und 201. {e und ^) auch 
ohne diese Voraussetzung, ihrer Mehrzahl nach dem Anfange 
der Opora angehört, und die beiden letzten Spatienanfänge 
zeigen lauter Anfangstage ^). 



1) Nissens Positionen: Ol. 1 Aug. 21, Ol. 2 Sept. 6 u. s. w. sind 
also, soweit es anf das Datenverhältnis der geraden und ungeraden 
Olympiaden ankommt, richtig; von den Jahren freilich mufs man ab- 
sehen. Ungar giebt den ungeraden Olympiaden frühere Daten; Zeitr. 
S. 604 stellt er für Ol. 1 den 21. Aug., für Ol. 2 den 8. Aug. auf, welche 
Daten nicht blofs den Jahren, sondern auch ihrem Verhältnisse nach 
zu beanstanden sind. Vgl. oben S. 23, 2. 

2) Die Übereinstimmung der späteren Spatienanfönge mit dem Scho- 
lion wird freilich nur, wer das überlieferte ccQxofisva ändert und mit 
mir aQxoiiivTis schreibt, zugeben. Aber die Emendation ist sicher — 



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~ 27 — 

Für die Beantwortung des zweiten Teils der Frage han- 
delt es sich um die Zeit zwischen dem spätesten Olympien- 
schlufs und der Arkturphase. In derjenigen Periode deren 
früheste Luna XV = Juli 26/7 456 vor Chr. ist (Spatium y), 
entspricht die vorgeschrittenste Luna XV dem 8^. September, 
s. unten Abschn. 10. Zwischen ihr und Arktur liegen acht, nach 
anderen Berechnungen neun oder elf Tage^); hernach kommt 
ein Tag hinzu*). In der jüngeren Zeit nun, welcher die Zeug- 
nisse B und C entstammen, hat sich wahrscheinlich die Olym- 
pienfeier über Luna XV hinaus erstreckt. Was in den Tagen 
des alten Dichters Pindar herkömmlich gewesen zu sein scheint 
— Fünftägigkeit des Festes, Schlufs mit Luna XV — , dürfen wir 
den Epigonen schwerlich als Herkommen beilegen. Der Schlufs 
der spätesten Olympien welche die Periode ergab, ging also 
dem Arktur um weniger Tage voran als die Luna XV, so 
dafs von den 8 (9 11) oder noch mehr Tagen ein Abzug 



nicht hlofs in meinen Augen, auch andere Gelehrte, denen ich sie mit- 
geteilt habe, treten ihr bei. 

1) Interpolieren wir in Schorrs Tafel, s. oben S. 12, 2, das Qaa- 
drienninm 305 — 302, bo kommen die Sichtbarkeitstage des Arktur anf 
Sept. 21 21 22 22. Diese Daten können unbedenklich auf das vorige 
Qnadriennium angewandt werden, so dafs sich Sept. 21 für das Jahr 
808 ergiebt. Das Interyall also zwischen Sept. 8/9 (Luna XV) und 
Sept. 20/1 beträgt 11 Tage. — Die Bemessungen des Intervalls auf acht 
und nenn Tage sind abgeleitet aus den attischen Sichtbarkeitszeiten 
Sept. 17 431 und Sept. 18 432, welche Hartwig und Förster berechnet 
haben, s. oben S. 12, 1. Streng genommen gelten sie also nur für 
Athen, man vergleiche indes was oben S. 13, 1 bemerkt ist. Da sich 
die berechneten Frühaufgänge des Arktur in 16 Jahren um drei Stunden 
später stellen, so macht das für den Zeitraum von 432—308 ungefähr 
einen Tag aus. Für 308 also habe ich statt der Morgenzeiten des 17. 
und 18. Sept., die Hartwig und Förster erhielten, die des 18. und 19. 
angewendet. Die IntervaUe zwischen Luna XY und dem Frühaufgangs- 
tage werden dadurch 8- und 9tägig, da sie nach Sept. 8 9 (Luna XV) 
anfangen und vor Sept. 17y8 und 18/9 aufhören. 

2) Aus Schorrs Tafel folgt, dafs der Frühaufgang des Arktur im 
Jahre 144 vor Chr. am 23. Sept. stattfand; 160 Jahre früher hatte er 
am 21. [stattgefunden. Im zweiten Jahrhundert vor Chr. giebt es also 
einen Zwischentag mehr. Durchweg behaupten sich indes die Inter- 
valle von 160 zu 160 Jahren, weil die Luna und Arktur sich gleich- 
mäfsig verschieben. S. oben S. 12, 2 a. E. 



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- 28 — 

zu machen ist und der nicht grofse Rest das Intervall zwi- 
schen Olympienschlufs und Arktur darstellt. Die späteste 
Feier kam also der Sternphase ziemlich nahe^ aber so nahe 
nie, dafs zwischen jener und dieser blofs eine Nacht verging. 
Der Ausdruck des Scholiasten: vsr' avtov tov ccqxtovqov kann 
auf den Vortag des Arktur, aber auch auf die Vortage be- 
zogen werden^). Nach dem Gesagten ist letzteres die Mei- 
nung gewesen^. 



1) Wörtlich besagt der Ausdruck, dafs die Olympienzeit herantritt 
an den Arktur selbst {avrov)^ dafs sie ihm auf den Leib rückt, ihn be- 
röhrt. Danach mäfsten denn die Olympien eigentlich bis zur Morgen- 
dämmerung in der Arktur erscheint, dauern oder wenigstens bis zum 
abendlichen Anfang des Frühaufgangstages. Aber wie wir die Worte 
des Virgil, der den Landmann ^sub ipsum Arcturum' pflügen heifat, nicht 
pressen dürfen, als schreibe Virgil vor gerade erst wenn Arkturs Früh- 
aufgang am nächsten Morgen zu erwarten sei, mit der Bodenbestellung 
innezuhalten, so werden wir auch vn* ccvrov tov ccQTirovQOv überhaupt 
nur auf die Zeit wenn es nicht lange mehr hin ist bis zum Sichtbar- 
werden des Arktur, zu beziehen haben. 

2) Ich glaube, dafs wir obiger Erklärung folgen dürfen, obschon 
sich auch ein anderer Weg einschlagen liefse. Man könnte sagen, der 
Autor welchem der Scholiaat folgt, habe nicht blofs die penteterischen 
Olympien im Auge gehabt, sondern auch die in den Zwischenjahren 
begangenen kleineren (Zeugn. D); er habe mithin sämtliche Jahre der 
OktaSteris berücksichtigt; das kleinere Fest müsse in der E^alenderzeit des 
grofsen, etwa am Tage der Dichomenie des Olympienmonats, begangen 
sein; dieser dem kleineren und dem grofsen Feste gemeinsame Tag erhalte 
in der 160jährigen Periode, wie jeder andere Kalendertag, ein Be- 
wegungsgebiet von 8 Wochen, durchlaufe also die Opora vollständig, 
sobald Arktur am Morgen des 21. September aufgehe; die Notiz leite 
sich möglicherweise her aus einem Jahrhundert wo dies der Fall sei 
und die Opora auf 56 Tage komme, wo nicht, so entspreche der Umfang 
der Opora doch annähernd dem 8wöchigen Spielraum des gemeinsamen 
Kalendertages. Aber der Scholiast spricht von den Olympien die in 
jeder Olympiade (einmal) vorkommen, nsgi tov %q6vov xa-O-' ov ayitai 
xä 'OXvfiTnoc Tiad'* SHaatriv 'Olviinidda, den penteterischen. Allerdings 
könnte der Autor welchem er seine Notizen entnahm, alle Feste, grofse 
wie kleine, gemeint und der Scholiast nicht treu referiert haben; die 
beiden Spielräume sind ja fast dieselben und konnten leicht konfundiert 
werden. Ich gestehe, dafs mir diese Annahme eine Zeit lang plausibel 
erschien. Später habe ich sie aufgegeben, weil es nicht nötig ist der- 
gleichen anzunehmen. 



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— 29 - 

Was also die 160jährige Periode ergiebt, dafs die frühe- 
sten Olympien jüngerer Zeit mit ihren meisten oder mit allen 
Tagen dem Anfange der Opora angehören, die spätesten aber 
mit ihrem vermutlich über Luna XV hinaus erstreckten Schlufs 
dem Arktur nahe kommen, ist vereinbar mit den Worten : ta 
(ilv ap;coft6V[iy^] tijg oTtd^agj xa d\ v% a^rov xov ccQxtovQov. 

6. Technische Epoche. Für die oben S. 23 f. abge- 
grenzten Spatien können wir den Neumond des Olympien- 
monats, für y z. Beisp. Juli 12 456, als Anfang voraussetzen und 
ihnen die Namen von 160jährigen Perioden beilegen. Daneben 
scheint aber die 160jährige Periode in anderer Gestalt, ge- 
knüpft an einen vier Jahre höher liegenden Neumond, existiert 
zu haben. Was zunächst auf diese Annahme führt ist von 
technischer Art, daher wir die vier Jahre höher liegende 
Epoche die technische nennen wollen. Ihr gegenüber mögen 
Ol. 1 41 . . . historische^) Epochen heifsen. 

Die 160jährigen Perioden welche sich an die historische 
Epoche lehnen, genügen nicht völlig den Anforderungen die 
man an ein Oktaeteridensystem stellen mufs. Von der histo- 
rischen Epoche ab läfst sich die Oktaeteris nur so gestalten, 
dafs sie mit der öOmonatigen Hälfte beginnt, mit der 49 mo- 
natigen schliefst. Der Neumond des 12. Juli 456 z. Beisp., 
welcher die Spitze der Periode Ol. 81—120 bildet, ist zugleich 
Spitzneumond der ersten unter den zwanzig Oktaeteriden die 
die Periode ausmachen; das nächste olympische Quadriennium 
beginnt notwendig mit dem Neumond des 28. Juli 452, nicht 
mit dem Junineumond vorher, der den Olympien eine unrichtige 
Stellung in der Jahreszeit geben würde, s. oben S. 25. Die 
erste Hälfte der Oktaeteris erhält also von den drei Schalt- 
monaten die zu Gebote stehen, zwei, für die andere Hälfte 
erübrigt nur einer — eine Bemessung der Hälften, die in- 
korrekt ist. S. Böckh Monde. S. 16. Diese Inkorrektheit 
wird gehoben durch einen technischen Periodenanfang vier 
Jahre früher. Mit dem Anfang der Periode verfrühen sich 



1) Durch OL 1 wird die mythische Zeit von der historischen ge- 
schieden, Varro bei Censorin 21. 



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- 30 - 

auch die Abteilungen und Unterabteilungen und erhalten die 
Vorderhälften der Oktaeteriden ihre 49, die zweiten Hälften 
ihre 50 Monate^). 

Statuieren wir also eine technische Periode die vier Jahre 
vor der historischen anhob, so war die technisch erste Voll- 
mondszeit in der historischen Periode die letzte, und was den 
Anfang der Ära betrifft, so lieferte die technische Periode 
zwar einen Vollmond zu Anfang August, der also in der 
Opora lag und olympienfahig war, der aber — nach der Ab- 
sicht derer wenigstens die die techniche Periode aufstellten — 
festlos blieb 5 erst der zweite olympienfähige Vollmond den 
die technische Periode lieferte, wurde für einen Agon in An- 
spruch genommen, der von 776. — Vgl. unten S. 39, 2. 

Diese Hypothese erleichtert die Erklärung einer Inschrift. 
Es hat sich zu Olympia ein doppelt datirter Bronze-Diskus 
gefunden, Arch. Zeit. XXXVHI S. 63 N. 356; der Sieger weihte 
ihn dem olympischen Zeus um die 255. Olympiade. Dies auf 
der einen Seite. Auf der anderen datiert sich der Alytarch 
aus der 456. Olympiade. Nach der gewöhnlichen Zeitrechnung 
zählte man die 255., nach einer anderen, in mythische Zeiten 



1) Man könnte versuchen die Inkorrektheit so zu entschuldigen, 
dafs man das Vorhandensein einer eigenen olympischen Okta^teris be- 
stritte. Möglich dafs die olympische Zeitrechnung im Materiellen (den 
Schaltjahren) von Delphi aus bestimmt ward und dafs die für die Pane- 
gyris benutzte OktaSteris nicht viel mehr war als ein Ausschnitt aus 
dem delphischen OktaSteridensystem. Ein Ausschnitt aus etwas fertig 
Vorliegendem ist nicht so streng gebunden an die Regeln welche für 
frei geschaffene Cyklen mafsgebend sind. So hat Eallipp seine Periode 
mit einem ISmonatlichen Jahre begonnen, was doch verpönt ist. Wes- 
halb? weil er aus Metons Reihe die seinige herausschnitt. — Ob indes 
dieser Weg den Einwand zu beseitigen der richtige ist, bleibt darum 
zweifelhaft, weil man in Kallipps Zeit viel weiter war und sich, eher 
hinwegsetzen konnte über Regeln die auf Gewohnheit und Herkommen 
beruhen und nicht sachlich zwingend sind; für die Richtigkeit des 
kallippischen Cyklus war es ja völlig einerlei, ob er mit Schaltjahr oder 
mit Gemeinjahr anfing. Nun ist es für die Richtigkeit eines Oktaete- 
ridensystems freilich ebenfalls einerlei, ob die erste oder die zweite 
Hälfte kleiner ist. Fraglich bleibt nur, ob man sich schon damals als 
die olympische* Zeitrechnung zustande kam, von dem Gewöhnlichen und 
Herkömmlichen loszusagen wagte. 



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- 31 - 

hinaufsteigenden, die 456., s. Dittenberger a. 0. S. 64. Woher 
nun dies Plus von 201? fing der Rechnuogskreis festlos an 
im Jahre 780, so konnte das leicht dahin führen, dafs man 
ein Fest mehr zu zählen bekam; es konnte passend scheinen 
den vier der ersten historischen Feier vorangehenden Jahren 
mehr Ansehen zu geben durch eine supponierte Feier die an 
die Spitze trat. Erhob man also das früher nur für die Rech- 
nung dienende Quadriennium 780 — 776 zur Würde einer 
Olympiade, d. h. eines durch eine Olympienfeier markierten 
und nach ihrer Ziffer benannten Quadrienniums, so gestaltete 
sich die Zählung so, dafs Ol. 1 im Jahre 780 begann, Ol. 2 776, 
Ol. 3 772 u. s. w., dafs also die Olympiadenzififer um eine 
Einheit stieg. Die 201 zugesetzten Olympiaden, 5 . 160 + 4 
Jahre, beruhen also darauf, dafs dem bisher obskuren ersten 
Quadriennium des grofsen 160jährigen Rechnungskreises, 780 
— 776, sein Olympienfest als Anfangsmerkmal gegeben ist 
und überdem fünf quadriennienweise durch Feste markierte 
Rechnungskreise hinzugefügt sind. 

Wiewohl man also die technische Periode im allgemeinen 
ignorierte — bestimmungsmäfsig ignorierte, sie war ja weiter 
nichts als ein Apparat um auf korrekter Grundlage Daten 
für die Panegyris herzustellen — und die Ära 776 v. Chr. 
mit dem Neumond des Festmonats begann, scheint man doch 
von der ursprünglichen Bestimmung der technischen Periode 
auch abgegangen zu sein und ihre Epoche nach aufwärts zur 
Geltung gebracht zu haben durch eine mythische Ära die 
1580 vor Chr. ihren Anfang nahm. 

Den doppelten Olympiadenanfang betreffend erinnere man 
sich, dafs es auch für die pythische Zeitrechnung zwei ebenso 
differierende Epochenjahre gab, OL 48, 3 und 49, 3. 

Die technische Epoche hat man wahrscheinlich an die 
morgendliche Erscheinung des Hundssterns knüpfen wollen. 
Im Jahre 460, welches derjenigen Zeit angehört der der erste 
Gebrauch des 160jährigen Systems füglich zugewiesen werden 
kann, schliefst die Numenie des 26./7. Juli^) die genannte Stern- 

1) Wahrer Neumond zu Olympia v. Chr. 460 Juli 24 20^ 22™. 
Abends den 25. ist der Mond noch keine 23 Stunden alt, sein Erscheinen 
mithin unwahrscheinlich. Also Numenie Juli 26/7. 



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— 32 — 

phase ein, uod auch in den früheren und späteren Perioden bleibt 
die technisehe Anfangsnumenie der Phase nahe. Dies kam 
denen zu statten die prüfen wollten, ob die 30 Tage recht- 
zeitig ausgemerzt worden in der letzten Oktaeteris der tech- 
nischen Periode. Fiel die technische Epoche auf einen Hunds- 
sternneumond, so folgte so ziemlich, nach vier 365V4tägigen 
Jahren, ein Hundssternvollmond ^), und zu einem Hundsstern- 
vollmond hatte man das Oljmpienfest durch die Ausmerzung 
zurückführen wollen. 

Hundssternneumonde scheinen überhaupt von den Hellenen 
öfter benutzt zu sein für chronologische Zwecke. Von den 
beiden Pythiadenanfängen Ol. 48, 3 und 49, 3 bietet der 
wahrscheinlich ältere (49, 3) die Möglichkeit eine Numenie 
am 26./7. Juli zu setzen^). Auch Meton scheint seinen Cyklus 
dem 26./7. Juli angeknüpft zu haben. 



1) Vergleichen wir in Littrows Wiener Kalendern die Daten der wahren 
Neumonde von 1874 mit den Vollmondsdaten vier Jahre danach, so findet 
sich, dafs zwei Neumondstage von 74, März 18 und Dez. 9, im Jahre 78 
als Vollmondstage wiederkehren; die übrigen Vollmonde von 78 fallen auf 
Daten die den Neumondsdaten von 74 unmittelbar folgen, z. Beisp. wahrer 
Vollmond Januar 19 78, aber vier Jahre früher Neumond am 18. — 
Wie sich das Verhältnis kalendarisch gestaltet, hängt ab von den Regeln 
die befolgt werden. Nach jüdischer Bestimmung kamen 1874 fünf 
Monatsanfänge auf gregorianische Tage die vier Jahre später einer 
jüdischen Luna XIV entsprachen; sechs Monatsanfänge von 74 ent- 
sprachen vier Jahre später einer Luna XV; einen Monatsanfang von 
74 endlich treffen wir vier Jahre später als Luna XIII an, den des 
9. Dez. 

3) Man mufs zu dem Ende die Numenie spät ansetzen. Ol. 49, 3 
= 582/1 vor Chr. Zur pariser Zeit etwa 1^ 20°* zu addieren für Delphi. 
Wahrer Neumond zu Delphi vor Chr. 682 Juli 24 12^ 18™. Juli 24 ist 
der 25. Tag vom Solstiz, welches Juni 30 4^ 39™ zu Delphi eintrat. 
Sonnenuntergang in Athen ungefähr 19** 21' (Kazamia-Kal ender), etwas 
später zu Delphi. Am Abend des 25. Juli war also zu Delphi, als die 
Sonne unterging, der Mond reichlich 31 Stunden alt und konnte erscheinen. 
Das durchschnittliche Sichtbarkeitsalter ist indes höher, nach Julius 
Schmidts Beobachtungen (Athen) beträgt es sieben Vierteltage, und 
unter den 71 beobachteten Fällen sind 16 in denen die Sichel erst bei 
einem Alter von 52 bis 71 Stunden sichtbar wurde. Es ist also möglich, 
dafs die Sichel sich erst zeigte am Abend des 26. Juli, als sie etwa 
65 Stunden zählte. Zu vgl. Chron. 75 und 79. 



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- 33 - 

7. Elis und Pisa. Die Eleer haben ihren Kalender auf 
das unterworfene Pisa und den Agon angewendet, ohne jedoch 
das ältere Herkommen der Pisäer ganz zu beseitigen. 

Auszugehen ist von dem Scholion zu Pindar Ol. III 33 
(Zeugn. B). Ein sachkundiger Autor, s. oben S. 8, welchen 
der Scholiast benutzte, hatte von der Zeit des Olympienfestes 
gehandelt und gesagt: behufs der Olympienfeier sei zu aller- 
erst eine Periode gebildet worden; man habe sie beginnen 
lassen mit dem Thosythias eleischen Kalenders, dem Monate 
der Wintersonnenwende; im achten Monate seien die ersten 
Olympien begangen worden. 

Den Eleern fiel also der erste Monat in den Winter^), 
die Jahreszeit der Feste die sie dem Bakchos, ihrem Lieblings- 
gotte, Pausan* VI 26, 1, feierten; der neue Wein brachte ihnen 
das neue Jahr. Das ^OXvfiTtiaxov hog dagegen von welchem 
Xenophon Hellen. VII 4, 28 spricht, begann im Sommer, s. 
oben S. 16 f., als der Krieg in vollem Gange war. Schwerlich 
dürfen wir hier sagen, Xenophon meine ein attisches Jahr 
und es habe sein 'OXv^utiaKov hog keinen Boden in pisäischem 
Herkommen, indem man sich zu Olympia des brumalen Neu- 
jahrs von Elis bedient habe; 'OXv(i7ttaK6v hog mufs ein Jahr 
pisäischen Kalenders sein, benannt nach dem Feste welches 
den Jahranfang markierte*). 



1) Direkt überliefert ist das im Zeugnis B nicht; aber wenn sich 
die Periode an den brumalen Thosythias knüpfen sollte und von da ab 
sieben Monate weiter gezählt wird um die Zeit der ersten Olympien zu 
fixieren, so kann der Grund nur darin gesucht werden, dafs das Kalender- 
jahr der Eleer in den kürzesten Tagen anhob. So hat denn auch 
E. Bischoff dem eleischen Jahre einen winterlichen Anfang gegeben, de 
Fastis p. 349. Was indes die Ausführung im Speziellen (erste Numenie 
eleischen Eal. »» 1. Gamelion) angeht, so vgl. man unten S. 38, 1. 

2) Da ein sommerlicher Jahranfang zu Athen wie zu Olympia her- 
kömmlich war, so könnte man sagen, es sei sachlich einerlei, ob 'Olvii- 
nunov hog für ein ortsübliches oder für ein attisches Jahr genommen 
werde. Aber eine völlige Gleichheit der beiderseitigen Sommerjahre 
fand im IV. Jahrhundert vor Chr. nicht statt, der olympische Anfangs- 
monat erreichte weit spätere Sonnenstände als der Hekatombäon. Nach 
dem unten S. 48 folgenden Entwurf ist die 104. Olympiade — von dieser 
spricht Xenophon a. 0. — im attischen Metageitnion, August 364, be- 
gangen worden. 

Mommsen, Olympienzeit. - 3 



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— 34 — 

Die Erwähnung des Wintersolstizes das der Anfangs- 
monat des elei'schcn Zeitkreises einschlofs, läfst erkennen, dafs 
der eleische Zeitkreis dem kallippischen verwandt war; auch 
KaUipp knöpfte seine Periode an einen Jahrpunkt, freilich 
nicht an den welchen die Eleer gewählt hatten. Zu Olympia 
folgte man anderem Herkommen, von einem Jahrpunkt der 
den Agon oder das olympische Jahr bestimmt hätte, verlautet 
in dem Scholion nichts; es ist von Arktur die Rede und von 
der Opora, die mit dem Hundsstern beginnt und vor dem 
Arktur endet, s. oben S. 11. 

In Betreff der Cyklen werden Elis und Pisa vor alters 
übereingestimmt haben, und die ^Periode' d^ren Einrichtung 
sie sich, wie aus dem Scholion zu schliefsen ist, beilegten, 
wird wohl für die achtjährige oder eine der achtjährigen 
verwandte zu nehmen sein. Später aber, nachdem Meton 
die neunzehnjährige Regel aufgestellt, haben sich ^die 
meisten Griechen', also vermutlich auch die Eleer, des 
auf ihr beruhenden voUkommneren Cyklus bedient; auch 
die Benutzung des Jahrpunkts weist auf die spätere Zeit- 
rechnung hin. Zu Pisa dagegen, wo auf alte Observanzen 
Gewicht gelegt wurde, blieb die vor Meton übliche Oktaeteris 
noch immer in Geltung. S. oben S. 16. 

Von den Monatsnamen der Eleer sind zwei sicher be- 
kannt. Ein Prühlingsmonat hiefs bei ihnen Elaphios, Pausan. 
VI 20, 1. Eleisch ist auch der Thyios, Dial.-Inschr. N. 1172, 
weil die Thyien es waren; mit Pisa haben sie nichts gemein. 
Der Monatsname Alphiöos, ^Aktpiotog^ N. 1168, ist ähnlich for- 
miert und kann, danach zu urteilen, für eleisch gelten. Was 
den handschr. Thosythias anbetrifft, so geht der Name aller- 
dings nicht auf löq aus, scheint aber verschrieben; vielleicht 
hiefs der Monat Diosthyos oder Diosthyios, s. oben S. 9. Der 
Namenbildung nach gehören endlich auch Parthenios und 
Apollonios, Schol. Pind. Ol. III 35 (Zeugn. C), den Eleern. Dem 
pisäischen Kalender können die Monatsnamen Parthenios und 
Apollonios nicht vindiziert werden, zwischen verschiedenen 
Monaten des ortsüblichen Kalenders hat das Olympienfest 
nicht schwanken können, s. oben S. 17. Seit die Eleer über 
die Pisatis geboten, war die Frage nicht zu umgehen, welche 



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— 35 — 

Stelle dem Olympienfest in dem Kalender des herrschenden 
Volkes zukomme. Diese Frage beantwortet der Scholiast, 
wenn er sagt, Mer Agon wird bald nach neunundvierzig, bald 
nach fünfzig Monaten begangen und daher {od-ev xaC) kommt 
es, dafs er sich in zwei lunarischen Monaten, bald im Parthenios, 
bald im ApoUonios, vollzieht'. In der 49 + 50 monatigen 
Oktaeteris erkennt er den Grund, dafs das so geregelte Fest 
in einem nach gewöhnlicher (dekennaeterischer) Regel ein- 
gerichteten Kalender einen Spielraum von zwei Monaten hat. 
Das ist nämlich der Fall ; für die nach dem Oktaeteridensystem 
(der 160 jährigen Periode) regulierten Olympien braucht sich 
im 19jährigen Kalender ein zwei Monate übersteigender Spiel- 
raum nicht zu ergeben, und ist es als ein korrektes Verhältnis 
der beiden Zeitkreise anzusehen, dafs der einzelne Monat des 
unvollkommneren Kreises zwei dekennaeterische Gleichungen 
erhält. Die Doppelgleichung also erklärt sich so, dafs für 
den oktaeterisch regulierten Olympienmonat Pisas die beiden 
entsprechenden Monate des neunzehnjährigen Cyklus der Eleer 
genannt werden. 

Bei der Gründung des Staates von Pisa haben sich 
achäische Geschlechter beteiligt und der Achäer Einflufs auf 
Olympia und seine Institutionen ist bedeutend gewesen^). 
Danach können wir Zahlenmonate dergleichen die Achäer 
hatten, in dem unter der eleischen Herrschaft mehr und mehr 
zurückgedrängten Kalender Pisas vermuten. In dem pisäischen 
Olympia waren Jahresfeste noch seltener als in dem von Elis 
beherrschten, man hielt sich mehr an Epimenien; auch nach- 
mals blieb der uralte Opferkreis von dreifsig Tagen (Heort. 
§ 2) zu Olympia mehr als anderswo in Geltung, ein Monat 
ging ziemlich wie der andere hin. Zu eigennamigen Monaten 
aber führen besonders die Jahresfeste. Was sollte in Olympia 
ein ApoUonios, da dem Namensgotte ein Jahresfest, so viel 



1) Der hochangesehene Pelopsdienst zu Olympia geht ohne Zweifel 
auf Achäer zurück, E. Curtius Altäre S. 31, und wenn ^Ephoros erzählt 
dafs die Eleer die olympische Agonothesie übernahmen, welche früher 
die Achäer gehabt hätten', so dürfte darauf Gewicht zu legen sein. 
G. Bnsolt Lakedäm. S. 161 sieht hier überall nur tendenziöse Erfindung, 
mit Unrecht wie mir scheint. 

3* 



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\ 



— 36 — 

man weiTs; nicht begangen ward; Apoll empfing allmonatlich 
die ihm an seinen Altären gebührenden Darbringungen^ so 
dafs jeder Monat das gleiche Recht hatte ApoUonios 'zu 
heifsen^). — Pisäischen Ursprungs scheint der nsvg 'OXw- 
srcxdg Dial.-Inschr. (Fr. Blass) N. 1151; vgl. \^0]lw7tLXov iirjvog 
N. 1155. Latischew hat gemeint, es sei ein Monatsname. Mit 
mehr Grund bemerkt E. Bischoff de Fastis p. 345, man habe 
den Monat des Festes so bezeichnet, ein eigentlicher Monats- 
name aber sei ii€vg 'OA. nicht. Gemeint also sind die zwischen 
zwei Neumonden liegenden 30 (29) Tage in denen die 
grolse Feier wie die kleine stattfand. Vom Standpunkte des 
ele'ischen Kalenders wird die Bezeichnung nicht gemacht sein, 
als sollte sie die von diesem Kalender dargebotenen Monate 
Parthenios und ApoUonios umfassen und zur Wahl stellen; 
sie wird vielmehr zu Pisa aufgekommen sein als populäres 
Äquivalent eines der daselbst einst herkömmlichen Monats- 
namen, vermutlich des [ir^v jtQcitos. Vielleicht kann man 
sagen, in fisvg 'OA. und 'OA. iir^vog sei ein Anlauf zu Eigen- 
benennungen zu erkennen. — Tagnamen sind weder aus Pisa 
noch aus Elis bekannt. In den Dial.-Inschr. I S. 327 N. 1159 
vermutet Blass, tQiag bezeichne die tQitri, Vor alters mag 
es allerdings wohl mehr Tagnamen auf dg (vgl. Hesiods eivdg 
und xQiCBivdg) gegeben haben, die bei den übrigen Hellenen 
später abkamen, in Pisas altertümlichem Kalender aber geltend 
blieben. Doch ist die Vermutung unsicher. 

Was die dargelegten Kalenderunterschiede angeht, so ist 



1) Dafs 68 in Olympia eine jährliche Panegyris der Artemis Elaphia 
gab, Strab. VIII 12 p. 343, die wir im Monat Elaphios anzunehmen 
haben, G. A. § 51, 8, ist für die pisäische Vorzeit gleichgültig. Die 
Artemis Elaphia ist eleisch, Pausan. VI 22, 11; vor der Ele'isierung Pisas 
kann es eine dieser Göttin geltende Feier in Olympia nicht gegeben 
haben. — Auch die jährliche Panegyris der Artemis Alpheionia, einer 
letrinischen Göttin, wird dem Festjahr von Olympia erst später zugefügt 
sein. Man kann für sie den Monat Alphiöos vorschlagen. Einst liefs 
man sich wohl genügen an den Epimenien des Alpheios und der Ar- 
temis. — Pausanias a. 0. will die beiden Artemiden zusammenwerfen, 
aber wenn ihre Dienste in verschiedene Monate gehörten, so waren sie, 
vielleicht nicht dogmatisch, aber doch ceremoniös, verschieden; Strabon 
a. 0. unterscheidet die A. Alpheionia von der A. Elaphia. 



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— 37 — 

im allgemeinen hinzuweisen auf die Eifersucht und Feind- 
schaft welche die Bewohnerschaften von Niederelis und der 
Pisatis lange Zeit hindurch gegen einander hegten und in 
mancher Fehde bethätigten, bis das Übergewicht der Eleer 
entschieden war. An ein kalendarisches Znsammengehen in 
den früheren Jahrhunderten ist nicht entfernt zu denken, und 
auch nachmals ward die olympische Festrechnung dem Ka- 
lender von Elis nicht völlig unterthan. Möglich dafs die Eleer 
nach ihren Monaten und ihrem Cyklus die Olympien und die 
neunundvierzig- und fünfzigmonatigen Intervalle bestimmten 
und abzählten — die Intervalle und der grofse oporische Spiel- 
raum, Reste des alten Kalenders der Pisäer^), bestanden doch 
fort. Mit den Olympien jüngerer Zeit war es also einiger- 
mafsen wie mit unserem Osterfest, das, nach gregorianischem 
und julianischem Kalender angesetzt, dennoch seinem eigenen 
von jenen Kalendern unabhängigen Gesetze folgt. 

Hiernach liefse sich die Teriode' des Scholiasten (Zeugn. B) 
für die eleische Dekennaeteris nehmen. Aber die Herstellung 
der Periode erfolgt offenbar zum Behuf der Olympien, und 
diese fordern eine Oktaeteris^). .Das Zeugnis B scheint mit- 

1) Der pisäische Kalender repräsentiert eine ältere, der eleische 
eine jüngere Zeit. Die Benatzung eines Jahrpunkts yerrät eine schon 
vorgerückte Kultur ; ehedem hielt man sich um das Neujahr zu bestimmen 
lieber an Sterne, die konnte man doch mit Augen sehen. Wie in diesem 
Bezüge Elis dem Neuen folgte, Pisa der Vätersitte treu blieb, so ver- 
mutlich' auch in der Menologie; eigennamige Monate sind, wie die Ge- 
schichte des jüdischen und des römischen Kalenders beweist, jünger als 
Zahlenmonate. — Ob wir die Winterlichkeit des eleischen Neujahrs in 
gleichem Sinne urgieren dürfen, mag dahingesteDt bleiben; der Bakchos- 
dienst wenigstens ist ein jüngeres Element der griechischen Religion 
und mit diesem wird wohl die Wahl des Winters zusammenhängen; 
vgl. oben S. 33. 

2) Wenn wir den Scholiasten so verstünden, als rede er von der 
brumal anfangenden Dekennaeteris der Eleer, nach welcher die Zeit der 
Olympien bestimmt, die erste Feier dem achten Monate vom Brumal- 
monat zugewiesen sei, so hätte er den besonderen Modus der Bestimmung, 
also gerade die Hauptsache, übergangen. Der besondete Modus war der, 
dafs die Olympieufeste nach je 49 und 50 Monaten einander folgten und 
die olympischen Quadriennien paarweise eine Oktaeteris ausmachten, das 
erste die 49 monatige, das zweite die 50 monatige Hälfte. Es mufs also 
in den Worten ngcatov (ilv ovv navtbg nsQlodov %tX, mit tcsqMov die 



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— 38 — 

hin so verstanden und ergänzt werden zu müssen: zuvörderst 
ward unter Benutzung des eleischen Jahres eine Periode ge- 
bildet die acht Jahre hielt und nach 8 . 20 Jahren korrigiert 
ward; sie hatte anzufangen mit dem Brumalmonat^) der den 
Eleem das Jahr begann; der Monat des ersten^), im VIII. Jahrh. 

Oktaeteris gemeint sein. Und zwar wird, auch wenn blofs die Tagsumme 
der einfachen Oktaöteris genannt war, die bei der zwanzigsten Wieder- 
holung korrigierte Oktaöfceris, das OktaSteridensystem von 160 Jahren, 
gemeint sein; der Scholiast sagte nichts von Korrektion, weil er dieselbe, 
da ohne sie die Oktaöteris nicht brauchbar ist, als etwas Selbstverständ- 
liches ansah. Möglich indes dals die Tagsumme v, rj, v yJ (58, 440) ge- 
nannt und damit jede Unsicherheit, welche Periode zu verstehen sei, 
ausgeschlossen war. 

1) Ich habe früher den Anfangsmonat der Eleer dem Gramelion 
gleichgesetzt und die Olympien von 776 dem Metageitnion, mit Unger, 
zugewiesen, mufs mich aber jetzt von dieser Hypothese lossagen, weil 
die ersten Olympien in den Anfang des Bewegungsgebietes gehören, 
8. oben S. 23, 2. Unger Zeitrechn. S. 604 giebt der eleischen Anfangs- 
numenie meist postbrumale Lagen: 776 Januar 13, 776 Januar 3 De- 
zember 23 u. s. w. Fielen aber die ersten Olympien (Zeugn. B) auf 
Ende Juli 776, so begann das eleische Olympienjahr nicht Mitte Januar 
776, sondern Mitte Dezember 777; von der Numenie Mitte Dezember 777 
ab ist die achte Numenie an den Neumond des Juli 776 geknüpft, mit 
dessen Sichtbarkeit ein proleptischer Hekatombäon Metons anhebt. 
Die eleischen Numenien sind so zu setzen, dafs der mit ihnen anhebende 

Monat durchweg den kürzesten Tag einschliefst. Mit itrivoq ub^X 

ov xQonal riXlov ylvovxai xsiii.BQLvaC wird eben das gemeint sein, nicht 
eine ganz oder meistens postbrumale Lage. Das eleische Neujahr hat 
also nicht dem 1. Gamelion, sondern dem 1. des Schaltmonates* und des 
Poseideon entsprochen. — IIbqC hat seinen eigentlichen Sinn (Approxi- 
mation) nur da, wo es sich um einen Zeitpunkt wie Mittemacht handelt 
oder um ein den Zeitpunkt repräsentierendes sehr kurzes Spatium. Von 
einem Monat gesagt ist itsql nur ein bescheideneres otara; in Ausdrücken 
wie %uxa zovg nqmxovg XQOvovg und tcbqI rovg HaLQovs tovtovs, sind 
natoi und nsgi gleichbedeutend, es wird ausgesprochen dafs etwas im 
Verlauf des Zeitraums, während desselben, sich zugetragen hat. 

2) Den Worten xal ngciru 'Olvfinuc äysxai rj' (i7jv£ dürfen wir nicht, 
wie Nissen thut, einen aus zwei Olympiaden komponierten Cyklus unter- 
legen, in welchem die jedesmal erste Feier in den achten Monat nach 
der Bruma, in die Hundstage, die andere in den September fiel. Des 
Scholiasten ng^xa 'OXv(inia für xa dsl ngoxsga iv xaig OTtxasxrjgiaiv 
ovxa 'OXvfinia zu nehmen sind wir nicht befugt, ngaxa ergiebt keines- 
wegs eine Beschränkung auf zwei benachbarte Quadriennien und einen 
achtjährigen Cyklus. Es sind entweder die ersten unter allen historischen 



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— 39 — 

vor Chr. begangenen Olympienfestes war^) vom Brumalmonat 
der achte ^). In der Tradition des herrschenden Volkes also 
ward die Benutzung des ihm eigenen Winterneujahrs bei Be- 
stimmung der Olympienzeit geschichtswidrig hinaufgerückt in 
eine ferne, fast mythische Vergangenheit und Pisas sommer- 
licher Jahr- und Cyklenanfang in den Hintergrund geschoben^). 

8. Lunarische Gleichungen. In der technischen Pe- 
riode von Ol. 80 bis 119 reicht der solarische Spielraum des 
Olympienneumonds von Juli 12/3 bis August 25/6. In Metons 
erstem Cyklus wie Scaliger ihn begrenzt, ergiebt sich für die 
Monate Hekatombäon und Metageitnion als Spielraum Juni 28/9 
bis August 25/6. Wir haben also zwei metonische Parallel- 
monate des nach der 160 jährigen Periode regulierten Olympien- 
monats, ein dritter ergiebt sich nicht*). S. oben S. 35. 



Olympienfesten, die von 776, oder die jedesmal ersten unter den zahl- 
reichen (vierzig) Olympienfesten die die 160 jährige Periode einschliefst, 
zu verstehen. 

1) 'jiystoci kann for historisches Präsens genommen werden und die 
im VIII. Jahrhundert begangenen Olympien gemeint sein. ''Jysrcci kann 
aber auch allgemeine Regel sein. Dann hat der Scholiast die 160jährige 
Periode im Auge und will uns sagen, dafs im Anfange nicht blofs der 
ersten, sondern jeder Periode der Olympienmonat der achte nach dem 
Brumalmonat sei« Später ergab sich in der Periode der neunte Monat. 
— Erstere Auffassung ist vielleicht vorzuziehen. 

2) In welchem Jahre haben wir nun die Bruma zu suchen der die 
Eleer das Oktaöridensystem anlehnten? etwa im Jahre 781, wo sich eine 
ziemlich brumale Numenie Ende Dezember bietet? Dann konnten die 
ersten Olympien entweder 780 gefeiert werden oder man liefs 780 festlos 
und statuierte die ersten Olympien vier Jahre später, 776. S. oben S. 30 f. 
Der Anfang der eleischen Dekennaeteris braucht nicht zusammengefallen 
zu sein mit dem der 160jährigen Periode eleischen Kalenders. Die De- 
kennaeteris mag Ende 776, etliche Monate vor Metons Epoche, an- 
gefangen haben. 

3) Auch aus den alten Siegerlisten wurde Pisa hinausgedrängt. 
S. Fr. Mie Quaestion. agonist. p. 14. — Den sommerlichen Anfang des 
zu Olympia geltenden Jahres betreffend vgl. man oben S. 16 und 33. 

4) Wird vom 160jährigen System abgegangen und der ohne Kor- 
rektion bleibende Lauf der Oktaeteris weiter erstreckt als das System 
gestattet, so ist gleich ein dritter Parallelmonat — der Broedromion — 
da. Ebenso, wenn von Scaligers Grenzen des metonischen Cyklus ab- 



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- 40 ~ 

Die pisäisch - attischen GleichuDgen: Oljmpienmonat = 
Hekatombäon und = Metageitnion lassen sich unabhängig 
bestätigen, letztere Gleichung freilich nur durch ein emen- 
diertes Zeugnis. 

Auf Hekatombäon und Oljmpienmonat als parallele Zeiten 
führt die zehnmonatige Vorbereitung der Athleten, Fausan. 
V 24, 9. Im Boedromion traten die Epheben in die Schulen 
Athens ein und im selben Monat wird der Turnkursus auch 
anderswo begonnen haben; man wollte die kühlere Jahreszeit 
zuerst und vollständig benutzen zu den Vorübungen. Gehen 
wir aus vom 11. Boedromion, so läuft im Gemeinjahr ^) die 
Frist am 10. Hek. ab und am Vorabend des 11. können die 
Athleten schwören sich zehn volle Monate geübt zu haben. 
Hekatombäon ist, bei frühem Stande der Oktaeteris^), die Zeit 
der Olympienfeier. 

Für die Gleichung: Olympienmonat = Metageitnion haben 
wir weiter nichts als das Zeugnis D. In den Worten: ra 
'OkviiTCLa^ ayrnv TtsvrastriQLXog^ Movvv%iävog urivog ijyeto 
tp ^U mufs statt Mowv%iävog mit Unger MatayBitviävog 
geschrieben werden; ein Lenzfest waren die Olympien nicht. 
Offenbar sind die beiden ziemlich ähnlichen Monatsnamen 
verwechselt. — Fügt man den nach dem Oktaeteridensystem 
bestimmten Olympienzeiten die attischen Parallelmonate hinzu, 
s. unten S. 48, so erscheint der Metageitnion bei weitem am 
häufigsten. Der Urheber des Zeugnisses D hat sich also an 
die Hauptgleichung: Olympienmonat = Metageitnion gehalten 
und die Nebengleichung: Olympienmonat = Hekat. ignoriert. 



gegangen und die von Dodwell-Ideler vorgeschlagene Begrenzung befolgt 
wird. In später Zeit findet jsich allerdings auch bei Scaligers Begrenzung 
der dritte Parallelmonat ein, s. unten S. 47, 2. 

1) Dem Schaltmonat gebe ich im pisäischen Kalender eine winter- 
liche Lage, in vormetonischer Zeit wird der pisäische Schaltmonat zu- 
sammengefallen sein mit dem attischen. S. Böckh Monde. S. 15. — Ob 
unter den Übungsmonaten der Schaltmonat war, hängt ganz ab von der 
Einrichtung der Oktaeteris; sie läfst sich so einrichten, dafs dem Jahre 
der Panegyris immer ein zwölfmonatiges Jahr vorausging. 

2) Bei spätem Stande der Oktaeteris mochten die Athleten sich eine 
Pause gönnen oder erst Ende BroSdromion eintreten. Auch war es 
ohne Zweifel niemandem verwehrt sich elf Monate zu üben. 



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— 41 - 

Da aus der eleischen DekeDnaeteris zwei lunarische 
Äquivalente überliefert sind, der ApoUonios und der Par- 
thenios, und die metonische Dekennaeteris ebenfalls zwei 
Äquivalente; den Hekatombäon und den Metageitnion, dar- 
bietet, so haben wir die beiden Monatspaare einander gleich- 
zusetzen-, vgl. hernach S. 42. 

In der Art also wie die attischen Monate neben dem 
Oktaeteridensjstem erscheinen, bald mit einander wechselnd 
von Olympiade zu Olympiade, bald einzeln sich kürzer oder 
länger behauptend, werden auch ApoUonios oder Parthenios 
(Zeuge C) dem Olympienmonat entweder so entsprochen haben 
dafs sie bunte Reihe machten, oder so dafs einer mehr oder 
minder andauernd herrschte^). Danach ist in dem Zeugnis C 
das 7} des Vratislaviensis A dem nors fiav — Ttor^ dd der 
Vulgata vorzuziehen. Eben vor den Worten jtorh ^hv reo 
'j^jtoXXcjvLC) Ttor^ öh ta Jlagd'svvG) (Vulgata) heifst es yCvsxav 
8\ 6 ayG)v jtoth [ihv diä tBööaQccxövta ivvea iirjV(ov itoxh 8\ 
dicc Tcevtijxovra, wo eine sehr lang (160 Jahre) andauernde 
Älternation zu verstehen ist. Das abermalige Ttorh [idv ~ 
Ä0T6 de bei den Monaten wird also den Leser auf eine ebenso 
streng und beharrlich eingehaltene Alternation hinleiten. Aber 
die Monate alternieren bei weitem nicht so gleichmäfsig und 
lange wie die 49- und 50 monatigen Intervalle. Es ist also 
im Yratish A passend eine abermalige Anwendung des Ttorh 
(lev — n:orh äd vermieden. 

9. Als solarische Äquivalente der dem Olympien- 
monat entsprechenden Mondmonate Parthenios und ApoUonios, 
mithin auch des Olympienmonates, erscheinen in dem Zeugn. C 
Thoth und Mesori. Dafs den hellenischen Monaten altägyp- 
tische aus dem Wandeljahr geglichen werden, ist nicht glaub- 
lich, es können nur Monate alexandrinischen Kalenders ge- 
meint sein ^). Vgl. oben S. 7, 2. 

1) Za vergleichen Abschnitt 10 (Entwürfe). Die Gleichungen zeigen 
Verschiedenheiten in den verschiedenen Perioden; das anföngliche 
Herrschgebiet des Hekatombäon verkleinert sich, weiterhin verschwindet 
es. Auch dafs sich nur zwei Gleichungen ergeben, wird in späten Pe- 
rioden hinföllig, s. vorhin S. 39, 4. 

2) Unger bezieht sie auf das Wandeljahr; der alexandr. Kalender 



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- 42 — 

Die Lesart des Vratislaviensis: (6 aymv) TLaQ^'svCfp ^ 
^A%oXX(ovC(pf ^aQ AlyvTttCoLg ®(q^ ^ Ms6(oqI iTtvrsletrai, und 
Böckhs durch die frühere Vulgata unterstützte Schreibung: 
6 aycov Jtorh ^ihv tä ^AitokXcDvCG) norh dh rä HaQd'evicDy nag' 
AlyvTttCovg Mb6(oqI ij @m%' imrsXettcctj s. oben S. 9, führen 
zu denselben Gleichungen; denn da der erste ägyptische Monat 
auf den ersten hellenischen, der zweite ägyptische auf den 
zweiten hellenischen zu beziehen ist, so haben, mag man dem 
Vratislaviensis oder der Böckhschen Modification folgen, die 
Gleichungen : Parthenios = Thoth und ApoUonios == Mesori 
zu Grunde gelegen und der Autor welchen der Scholiast epi- 
tomierte, hat diese Gleichungen überliefert. Parthenios war 
also der spätere Monat, ApoUonios der unmittelbar vorher- 
gehende. Von den beiden attischen Äquivalenten ist danach 
Metageitnion dem Parthenios, Hekatombäon dem ApoUonios 
zu gleichen^). 

In dem anderen Schblion (Zeugn. B) ist blofs auf den 
frühesten und spätesten Stand (ciQxon6v[rig] tijg oTCoigag .... 
vn' avtbv roi^ aQxrovQOv) Rücksicht genommen. Dasselbe 
wird von den beiden dem Zeugnis C zu Grunde liegenden 



(1 Thoth = August 30 oder 29) ergebe allzu späte Daten; zu der Zeit 
aus welcher die sachkundigen Notizen über die grofsen Spiele, hier die 
über das Olympienfest dargebotenen, herzurühren scheinen (1. Jahrh. 
nach Chr.), habe das Wandeljahr die geeigneten Stellungen gehabt um 
die Monate Thoth und Mesori der Olympienzeit entsprechen zu lassen. 
Dieser Vermutung ist nicht stattzugeben. Um lunarische Zeiten ihrem 
Sonnenstände nach zu bestimmen sind Daten eines festen Jahres nötig, 
das Wandeljahr eignet sich nicht dazu die Schwankungen der Olympien 
zu bestimmen. Es wird auch nicht so gebraucht. Wir haben also die 
Monate Thoth und Mesori mit Nissen auf den alexandrinischen Kalender 
zu beziehen. Der alexandr. Kalender ergiebt allerdings Daten die über 
Ungers Spätgrenze, August 24, hinausgehen, aber die Spätgrenze ist un- 
richtig, sie liefert viel zu wenig Olympienstände und beruht auf dem 
Irrtum als seien die Olympien auf den zweiten postsolstitialen Voll- 
mond zu beschränken. 

1) So auch Bischoff de Fastis p. 349. — ünger Zeitrechn. S. 603 
setzt ApoUonios = Metageitnion, für die Folge @oad' ^ MsamqC tritt er 
in dem früheren Aufsatze ein, s. oben S. 9. Aber wenn er in Betreff der 
ägyptischen Monate sich dem VratisL anschliefsen will — weshalb schliefst 
er sich ihm nicht auch in Betreff der hellenischen Monate an? 



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— 43 — 

Gleichungen zu gelten haben. Für Parthenios (Metag.) gab es 
auch mittlere solarische Gleichungen die auf Mesori und die 
Epagomenen lauteten; diese blieben bei Seite, nur die späteste 
Gleichung: Parthenios (Metag.) «= Thoth ward berücksichtigt^). 
Ein durch Nennung der Hauptpartien bezeichnetes Kontinuum 
von 65 Tagen durch welches sich die Olympien bewegten, 
haben wir also hier nicht ^); was uns in den Worten (6 dycov) 
•UaQd'svip fj ^AnolktovLG), naqt AlyvjctCovq ©co-ö* ri MböcoqI 
imtsXetraL vorliegt; ist eine Zusammenziehung zweier und zwar 
zweier extremer Gleichungen die, entsprechend geordnet'), den 
Spielraum darstellten*). 



1) Wenn die Zeugnisse B und C auf dieselbe Quelle zurückgehen, 
so ist dieselbe nicht Polemon (unter Ptolemäoa Epiphanes, 214 bis 180, 
Preller, Polem. p. 8) gewesen, weil der alexandrinische Kalender in 
Polemons Zeit noch nicht existierte; der benutzte Autor gehörte der 
Kaiserzeit an. — Ob der Quellenschriftsteller, unter Bezugnahme auf 
eine bestimmte Periode, den Monaten (Zeugnis C) auch noch Tage zu- 
gefugt hatte, und welche Tage, ist leichter zu fragen als zu beantworten. 
Am einfachsten wäre es anzunehmen, dafs er Luna XY ins Auge fafste 
und von den Tagen vor oder nach XV absah. Doch würde damit die 
erwünschte Verkleinerung des Intervalls zwischen den spätesten Olympien 
und dem Arktur wegfallen. Es betrüge dasselbe 8 (9 11) oder noch 
mehr Tage, s. oben S. 27. Ganz von der Hand zu weisen ist das gerade 
nicht, da 8 (9 11) Tage doch nur einen mäfsigen Bruchteil der Opora 
ausmachen. — Oder es ward für die frühesten Olympien Luna XI, für 
die spätesten ein Tag nach Luna XV, z. Beisp. Luna XX ins Auge gefafst. 
Unter Bezugnahme auf die 25 nach Cbr. beginnende Periode, s. oben 
S. 24 (Spatium ^), lauteten dann die Gleichungen so: Apollonios 11 := 
Mesori 1/2, Parthenios 20 «=» Thoth 19/20. 

2) Einen aus dem Monat Thoth, den Epagomenen und dem Monat 
Mesori zu komponierenden Spielraum von 30 + ö + 30 = 65 Tagen 
dürfen wir nicht aus entnehmen. Die Übergehung der Epagomenen 
lehrt, dafs es nicht darauf abgesehen ist die Bestandteile des Spiel- 
raums aufzuzählen. S. hernach Note 4. 

3) Ein Spielraum muls so bezeichnet werden, dafs der Anfang zuerst, 
hernach der Ausgang zur Nennung kommt. Ist die Ordnung der Hand- 
schrift festzuhalten, so hat der Skribent nicht den Gesichtspunkt eines 
Spielraums genommen, er hat nur die Elemente dargeboten aus denen 
sein Leser den Spielraum bilden konnte. Doch dürfte Böckhs Umstellung 
Aufmerksamkeit verdienen. 

4) Da nicht zu ersehen ist, von welchem Datum des Mesori bis zu 
welchem des Thoth zu zählen ist, so bleiben wir, soweit es auf C 



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- 44 — 

Für die Abfolge im Vratislaviensis: Parthenios ApoUo- 
nios = Thoth Mesori ist wohl das häufigere oder seltenere 
Yorkommen der hellenischen Monate mafsgebend gewesen. 
Der häufiger vorkommende Parthenios (Metag.) ward eher 
genannt als der seltenere Apollonios (Hek.), und da an den 

ankommt, über das Nähere des Früh- und Spätstandes, mithin aach des 
Spielraums, im Unklaren; nur so viel erhellt, dafs er nach dem Epiphi 
begann und vor dem Phaophi endete. — Nissen erkennt eine vom 1. Me- 
sori bis zum 30. Thotb, nach Julian. Kalender vom 25. Juli bis zum 
27. September reichenden Spielraum; von einer eingeschränkten Be- 
nutzung seines Löwenmonats (Ende Juli bis Ende August) verlautet bei 
ihm nichts und aus seinem Ansätze der Olympienfeier von 356 v. Chr. 
auf den Vollmond des 26. September (Thoth 29) geht hervor, dafs er 
das von den Olympien zu durchlaufende Gebiet wirklich bis Ultimo 
Thoth (September 27) durchlaufen glaubt. Nissen statuiert also einen 
65tägigen Spielraum, der vom 25. Juli bis zum 27. September reicht. 
Da sich aus dem Zeugnis B, wie es oben emendiert und erklärt worden 
eine oporische Begrenzung der Olympienzeit ergiebt, so mufs das Vor- 
handensein einer zweiten Begrenzung abgelehnt werden. Wenn Nissens 
65tägiger Spielraum den aus B zu entnehmenden kleineren, wie eine 
Enclave, umfafst und umrahmt, so wird dadurch das Nebeneinander 
zweier Spielräume keineswegs plausibel, man müfste denn sagen wollen, 
es sei damit so bewandt gewesen, wie wenn jemand neben einem engeren 
Kleidungsstück auch ein weiteres und bequemeres brauche. Aber auch 
wenn wir von B absehen, bleibt Nissens Spielraum rätselhaft. Er wendet 
ihn an auf 356 v. Chr., als der alexandrinische Kalender noch gar nicht 
existierte. Der 65tägig6 Spielraum müfste also einst, unabhängig von 
den Monaten Alexandrias, festgestellt und später auf dieselben akkom- 
modiert sein, indem etwa Hundssternaufgang und Äquinoktium ur- 
sprünglich als Grenzen bestanden und nachgehends Mesori 1 an die 
Stelle des Hundssternaufgangs, Thoth 30 an die des Äquinoktiums trat. 
Wer eine solche Akkommodation, eine Unterordnung unter einen doch 
nur einem Teile des olympischen Publikums geläufigen Kalender, glaub- 
lich fände, würde doch erst zu beweisen haben, dafs ehedem eine äqui- 
noktiale Spätgrenze bestand. Aber von einer äquinoktialen Spät- 
grenze der Olympien fehlt jede Spur. Und wie konnten erfahrene 
Lunaristen auf 65 Tage verfallen — um lunarische Zeitrechnung 
handelt es sich doch hier. •— Von einem 65tägigen Spielraum der durch 
Göad" ^ MsaoDQ^ angedeutet wäre, haben wir also abzusehen und Einig- 
keit zwischen B und C vorauszusetzen in der Art, dafs die extremen 
Sonnenstände deren Vergleichung zum solarischen Bewegungsgebiete 
des Festes führt, in B wie in C zu Grunde liegen und der Unterschied 
lediglich in der Darstellung besteht, die in B eine gemeinverständliche, 
in C eine menologische ist. 



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— 45 — 

beiden extremen Gleichungen festzuhalten war, ergab sich für 
die ägyptischen Äquivalente die Abfolge Thoth Mesori^). 

Der von Böckh modifizierte Text verlangt einen andern 
Gesichtspunkt; der frühere Monat geht in jedem der zu Grunde 
liegenden Paare voran, der spätere folgt nach. Vielleicht ist 
Böckhs Modifikation zu billigen; s. oben S. 43, 3. 

Eine solarische Bestimmung läfst sich aus Zeugn. B her- 
leiten, wo der achte Monat des mit dem Brumalmonat an- 
hebenden Jahres der Eleer als der 3er ersten Olympien über- 
liefert wird. Der Urheber dieser Überlieferung hat die ersten 
Olympien nicht in der Gegend des Sommersolstitiums, sondern 
in einer schon vorgerückten Sommerzeit angenommen, unter 
gewissen Voraussetzungen können wir die Luna XV des Mo- 
nates seiner ersten Olympien auf Juli 26/7 =» Tag 1 des 
Löwenmonats = Tag 3 des Monats Mesori setzten^). 

Den zwölf Arbeiten des Herakles liegt ein Sonnenjahr 
zu Grunde. Es begannen aber die Arbeiten mit dem neme- 
i'schen Löwen'), das herakleische Jahr also vermutlich mit 



1) Das Häüfigkeitsverliältnis war also nur für die hellenisclien Monate 
bestimmend, nicht für die ägyptischen. Wären auch diese nach ihrer 
Häufigkeit geordnet, so dafs sich die Abfolge: Mesori Thoth ergeben 
hätte, so würde der Leser zu einem Irrtum verleitet sein; es wäre zwar 
zulässig geblieben die zuerst genannten Monate, Parthenios (Metag.) 
und Mesori, nicht aber die zweiten, Apollonios (Hek.) und Thoth, auf 
einander zu beziehen; der Apollonios (Hek.) entspr^jht nur dem Mesori. 
und dafs der Leser die ersten Monate aufeinander und ebenso die zweiten 
auf einander beziehen werde, liefs sich annehmen. 

2) Sind unter den ersten Olympien die von 776 zu verstehen und 
haben wir die Numenien proleptisch nach der 160jährigen Periode zu 
behandeln, indem wir die Lunisolarverhältnisse von 457 und 456 auf 
777 und 776 anwenden, so ist im Scholion (Zeugn. B) ausgegangen von 
einem Brumalmonat der Dezember 17/8 467 = 777 begann; der achte 
Monat von diesem hat dem Scholiasten am 12. /3. Juli 456 = 776 be- 
gonnen, so dafs Luna XV auf Juli 26/7 kam. — Lassen wir den 
Scholiasten von der vier Jahre höher liegenden technischen Epoche 
ausgehen, so ergiebt sich für Luna XV der 9. August 460 = 780. 

8) Die Abfolge der Arbeiten bei Pausan. V 10, 9 stimmt anscheinend 
ganz und gar nicht mit der sonst bekannten Oberlieferung, vgl. Delphika 
S. 111; er nennt als vorletzte Arbeit die Hydra, als letzte den Löwen. 
Seine Abfolge mufs darauf beruhen, dafs er von der unrechten Seite 
anfing. Der Löwe ist die erste, die Hydra die zweite Arbeit. 



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~ 46 — 

dem Löwen des Tierkreises, vgl. Stat. Sil\. I 3, 6. Sollen nun 
die ersten, von Herakles begangenen Olympien eine hervor- 
ragende Stellung im herakleischen Jahre gehabt haben, so 
müssen sie im Anfangsmonate, dem des Löwen, angenommen 
worden sein. — Auf eine schon vorgerückte Sommerzeit mag 
auch zu beziehen sein, dafs Herakles, als er zu Olympia 
opferte, die Fliegen lästig fand und daher — bei Stiftung 
der Panegyris vermutlich — den Zsvg dnonvvog beim Opfer 
bedachte; Pausan. V 14, 1^). 

Denselben Bezug gestattet das Orakel bei Phlegon 
(Krause Olymp. S. 416). Der delphische Gott befiehlt dem 
Iphitos Ol. 6 fortan die olympischen Sieger zu bekränzen 
von dem wilden Ölbaum welchen der Spinne zartes Geweb 
umhülle, und das Weben der Spinne wird in den Scholien 
zu Hesiod iQy, 779 dem Juli und August zugewiesen*). 

10. In den Entwürfen, die nunmehr folgen, beziehen 
sich die julianischen und alexandrinischen Daten auf den Vor- 
abend; ihre Epoche ist die Mitternacht. Wenn also für die 
hochfestliche Luna XV der 80. Olympiade August 9 angegeben 
ist, so will das sageu, dafs dieselbe anhob mit dem Sonnen- 
untergang des 9. August und mit der endenden Tageshelle 
des 10. endete. Ebenso ist Mesori 16 zu nehmen. Voll- 
ständig würden die Gleichungen August 9/10 und Mesori 16/7 
lauten müssen. * 

Die Entwürfe beginnen mit der technischen Epoche. 
Damit man aber auch von der historischen, die vier Jahre 



1) In den Schlufsworten des § 1 Xiyovtai 8\ xata tuvta xal 'HXstot 
d"üsiv tm dnoiiv^cp JU i^sXocvvovxL tijg 'HXstag tag [i^vCctg hat Kuhn mit 
Grund 'OXviintoig geschrieben. Es ward also auch nachmals dem Ab- 
wehrer der plagenden Muskitos, vgl. Arch. Zeit. XXXIV S. 211, geopfert 
von den Eleern. 

2) Zu Hesiods Worten: zjj (am 12. Monatstage) yocQ toi vbl vrnLaz' 
ds^amozrizog dcqdxvrjg heilst es p. 228 Vollb. iv y VTjd'si xa vj^ficcra 
avzov iv tm dsQi nsz6(»,svog d^dxvrjg, ozavj mg ^finsi^og dvi^Q, 6 fivQiiri^ 
^aocvqov iavzov aooQSvr] in nXriQsazsQag rifiSQOcg vtcsq zr^v vv%za^ 'lovXCov 
Mal Avyovazov, 



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— 47 — 

tiefer liegt, volle 40 Olympiaden zählea könne, ist der An- 
fang des neuen technischen Kreises zugefügt^). 

Hek. (Hekatombäon) und Met. (Metageitnion) in der letzten 
Kolumne sind Monate der von Meton aufgestellieo und von 
Kallipp und Hipparch verbesserten Dekennaeteris. Uns dienen 
diese attischen Monate als Repräsentanten der beiden eleischen 
(Zeugn. C), der Hekatombäon repräsentiert uns den Apollonios, 
der Metageitnion den Parthenios. Es ist Scaligers Begrenzung 
des metonischen Cyklus angewendet, s. Chron. S. 233 f. Auch 
v^er dieselbe bestreitet, wird sie hier zulassen müssen, da es 
sich um eine Dekennaeteris handelt die zwei Parallelmonate 
für den Olympienmonat liefert. Dod well -Idelers Dekennae- 
teris liefert drei^). 



1) Es ist am bequemsten nach der historisclien Epoche zu zählen, 
weil die Einer der Olympiadenziffer übereinstimmen mit den Einern 
der Ordnungszahl die sich dem von der historischen Epoche Zählenden 
ergiebt; so erhalten die Olympiaden 88 128 168... in der historischen 
Periode die Ordnungszahl 8. Dafs sich vom Standpunkte der Technik 
gegen die historische Periode einiges einwenden läfst, s. oben S. 29, 
"wird ihren Gebrauch nicht gehindert haben. 

2) Da der Pindarscholiast (Zeugn. C) nur zwei Paralletmonate nennt, 
den Apollonios und den Parthenios, so sind wir nicht berechtigt drei 
anzunehmen. In der ersten Periode, Ol. 1 bis 40, giebt freilich auch 
Dodwell-Idelers Dekennaeteris nur Hek. und Met., in allen übrigen Pe- 
rioden aber erscheint auch BoSdromion und von Periode zu Periode 
häufiger. Dafs der Scholiast seine Lehre der ersten, im YIII. Jahrh. 
V. Chr. beginnenden Periode entnommen und die folgenden, viel besser 
bekannten Jahrhunderte ignoriert habe, ist durchaus unwahrscheinlich. 
Ist seine Überlieferung vollständig, so müssen sich seine zwei Parallel- 
monate bewähren für die geschichtlichen Zeiten. Die Dodwell-Idelersche 
Dekennaeteris also, die fär die geschichtlichen Zeiten drei Parallel- 
monate liefert, kann mit der ele'ischen in Absicht der Grenzen nicht 
harmoniert haben, ist mithin für unsere Zwecke nicht brauchbar. Dafs 
freilich auch bei Scaligers Grenzen zu einem dritten Parallelmonat ge- 
langt wird vermöge der solarischen Verschiebung des 160 jährigen 
Kreises, ist nicht zu leugnen, doch tritt erst im Jahr 13 nach Chr. der 
BoSdromion als Äquivalent des Olympienmonates auf. 



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— 48 - 



A. 
Entwurf des OktaSterideiisystems. 



f 


H 

Q 

5* 


Olympienmonat 


Mon. 


Luna I 


Luna XV. 


att. 


1 


jul. 


jul. u. alex. 


Kai. 






JuU 


Aug. 


Meeori 




80 


460 


26 


9 

JuU 


16 


Sek. 


81 


466 


12 


26 

Aug. 


2 


n 


82 


462 


28 


11 

JuU 


18 


>? 


83 


448 


13 


27 


3 


n 






Aug. 


Aug. 


Mesori 




88 


428 


1 
Jul. 


15 


22 


Met. 


89 


424 


18 

Aug. 


1 


8 


Hek. 


90 


420 


3 
Juli 


17 


24 


Met. 


91 


416 


19 


2 


9 


Hek. 






Auf. 


Aug. 


Mesori 




96 


396 


7 
JuU 


21 


28 


Met. 


97 


392 


24 

Aug. 
9 


7 


14 


Hek. 


98 


388 


23 


30 


Met. 






JuU 








99 


384 


26 


8 


16 

Epago- 


Hek. 






Aug. 


Aug. 


mene 




104 


364 


13 

JuU 


27 


4 
Mesori 


Met. 


105 


360 


30 
Aug. 


13 


20 
Thoth 


»» 


106 


356 


15 

JuU 


29 


1 

Mesori 


»» 


107 


362 


31 


14 


21 


>T 






Aug. 


Sept. 


Thoth 




112 


332 


19 


2 

Aug. 


6 

Mesori 


Met. 


113 


328 


6 


19 

Sept. 


26 

Thoth 


n 


114 


324 


21 


4 

Aug. 


7 
Mesori 


»> 


115 


320 


7 


21 


28 


n 






JuU 


Aug. 


Mesori 




120 


300 


27 


10 


17 


Hek. 



1 


1 


Olympiemnonat 


Mon. 


Luna I 


Luna XV. 


att. 


1 


Q 


jiü. 


jul. V 


L. alex. 


Kai. 






JuU 


Aug. 


Mesori 




84 


444 


29 


12 

JuU 


19 


Met. 


86 


440 


16 


29 
Aug. 


6 


Hek. 


86 


436 


31 


14 

JuU 


21 


Met. 


87 


432 


16 


30 


6 


Hek. 






Aug. 


Aug. 


Mesori 




92 


412 


4 
JuU 


18 


25 


Met. 


93 


408 


21 


4 


11 


Hek. 


94 


404 


Aug. 

6 

JuU 


20 


27 


Met. 


96 


400 


22 


6 


12 

Epago- 


Hek. 






Aug. 


Aug. 


mene 




100 


380 


10 

Juli 


24 


1 

Mesori 


Met. 


101 


376 


27 

Aug. 


10 


17 

Epag. 


Hek. 


102 


372 


12 

JuU 


26 


3 

Mesori 


Met. 


103 


368 


28 


11 


18 


M 






Aug. 


Aug. 


Thoth 




108 


348 


16 


30 


2 

Mesori 


Met. 


109 


344 


2 


16 

Sept. 


23 

Thoth 


»t 


110 


340 


18 


1 

Aug. 


4 
Mesori 


M 


111 


336 


3 


17 


24 


»» 






Aug. 


Sept. 


Thoth 




116 


316 


23 


6 
Aug. 


9 

Mesori 


Met. 


117 


312 


9 


23 

Sept. 


30 
Thoth 


>» 


118 


308 


26 


8 
Aug. 


11 

Epag. 


u 


119 


304 


10 


24 


1 


n 



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- 49 — 



B. 



Ansätze nach gemischtem System. 



f 


^ 

& 

^ 


Olympienmonat 


Mon. 


Lunal 


Luna XV. 


att. 


1 


(3* 
►1 


jtü. 


juL V 


L. alez. 


Kai. 






Juli 


Aug. 


Mesori 




120 


300 


26 


9 
Juli 


16 


Hek. 


121 


296 


12 


26 

Aug. 


2 


»» 


122 


292 


28 


11 
Juli 


18 


Met. 


123 


288 


14 


28 


4 


Hek. 






Aug. 


Aug. 


Mesori 




128 


268 


1 

Juli 


15 


22 


Met 


129 


264 


19 

Aug. 


2 


9 


Hek. 


130 


260 


3 

Juli 


17 


24 


Met. 


131 


256 


20 


3 


10 


Uek. 






Aug. 


Aug. 


Mesori 




136 


336 


7 
Juli 


21 


28 


Met. 


137 


232 


25 

Aug. 


8 


15 


Hek. 


138 


228 


9 

Aug. 


23 


30 


Met. 


139 


224 


26 


9 


16 

Epago- 


Hek. 






Aug. 


Aug. 


mene 




144 


204 


14 

Juli 


28 


5 

Mesori 


Met. 


145 


200 


31 

Aug. 


14 


21 

Thoth 


M 


146 


196 


15 


29 


1 

Mesori 


»» 


147 


192 


1 


15 


22 


»> 






Aug. 


Sept. 


Thoth 




152 


172 


20 


3 

Aug. 


6 
Mesori 


Met. 


153 


168 


6 


20 

Sept. 


27 

Thoth 


1» 


154 


164 


21 


4 

Aug. 


7 
Mesori 


»» 


155 


160 


7 


21 


28 


») 






Juli 


Aug. 


Mesori 




160 


140 


28 


11 


18 


1} 



2 


? 


Olympienmonat 


Mon. 


1 


Cr* 








Luna I 


Luna XV. 


att. 


1 




jul. 


juL u. alex. 


Kai. 






Juli 


Aug. 


Mesori 




124 


284 


29 


12 

Juli 


19 


Met. 


125 


280 


15 


29 

Aug. 


5 


Hek. 


126 276 


31 


14 


21 


Met. 








JuU 


1 




127 


272 


17 


31 


7 


Hek. 






Aug. 


Aug. 


Mesori 




132 


252 


4 
Juli 


18 


25 


Met. 


133 


248 


21 
Aug. 


4 


11 


Hek. 


134 


244 


6 

JuU 


20 


27 


Met. 


135 


240 


23 


6 


13 

Epago- 


Hek. 






Aug. 


Aug. 


mene 




140 


220 


11 

Juli 


25 


2 

Mesori 


Met. 


141 


216 


28 
Aug. 


11 


18 
Bpag. 


n 


142 


212 


12 

JuH 


26 


3 

Mesori 


»» 


143 


208 


29 


12 


19 


»» 






Aug. 


Aug. 


Thoth 




148 


188 


17 


31 


3 

Mesori 


Met. 


149 


184 


3 


17 

Sept. 


24 
Thoth 


»1 


150 


180 


19 


2 
Aug. 


5 

Mesori 


»» 


151 


176 


4 


18 


25 


n 






Aug. 


Sept. 


Thoth 




156 


156 


23 


6 
Aug. 


9 

Mesori 


Met. 


157 


152 


9 


23 

Sept. 


30 

Thoth 


»1 


158 


148 


25 


8 
Aug. 


11 

Epag. 


»» 


159 


144 


11 


25 


2 


»» 



Mommsen, Olympienzeit. 



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— 50 — 

Die Daten von Ä beruhen auf einer 160jährigen Periode, 
geknüpft an den Früh auf gang des Hundssterns, den Luna I des 
Olympienmonats Ol. 80 und Luna XV Ol. 81, vermöge der 
auf Sichtbarkeit der Mondsichel zielenden Ansätze, s. oben 
S. 31, 1 und 25, 1, einschliefsen. 

Die Bemessung der Jahre könnten wir, wenn es sich 
blofs um die 49- und 50monatigen Intervalle handelte, auf 
sich beruhen lassen, allein die Korrektionen nötigen doch sich 
über die Jahrlängen, über zwei wenigstens, zu entscheiden; der 
Abstrich eines vollen Monats mufs an einem sonst 384tägigen, 
der Zusatz eines Tages an einem sonst 354tägigen Jahre aus- 
geführt werden. Ich lege den einzelnen Jahren der olym- 
pischen Oktaeteris die Tagsummen bei welche Böckh für die 
vormetonische Zeitrechnung Athens, meist mit Sicherheit, 
ermittelt hat, folge also der Tabelle Chron. S. 403, in der ich 
seine Ergebnisse vereinigt habe^). Die olympischen Quadrien- 
nien haben wir so zu bemessen, dafs von der geraden Olym- 
piade zur ungeraden mit 49, von der ungeraden zur geraden 
mit 50 Monaten übergegangen wird, s. oben S. 25 f.; diesem 
Erfordernisse wird genügt durch Anwendung der vormetonischen 
Zeitrechnung Athens auf Olympia. Das dritte Jahr der un- 
geraden Olympiade ist, nach Analogie von 87, 3 Arch. Apol- 
lodoros, als ordnungsmäfsiges Schaltjahr betrachtet und da- 
nach gegen Ende der letzten Hekkädekaeteris, im Jahre 119, 3, 
die Kürzung von 30 Tagen angenommen, wodurch der Olympien- 
neumond wieder auf Ausgang Juli kommt. Das dritte Jahr 
der geraden Olympiade ist, nach Analogie von 88, 3 Arch. 
Euthynos, als ordnungsmäfsiges Gemeinjahr von 354 Tagen 
betrachtet und danach dem elften Jahre der vorletzten Hekkä- 
dekaeteris, 114, 3 ein Tag zugesetzt, so dafs es 355tägig wird. 



1) Die Übereinstimmung Athens und Olympias in Betreff der Schalt- 
und Gemeinjahre werde ich im vorletzten Abschnitt dieser Untersuchung 
zu begründen suchen. Ob auch die 355tägigen Jahre übereinstimmten, 
ist allerdings unsicher, mithin auch, ob die 354tägigen alle überein- 
stimmten ; wenn ich mich auch in diesem Detail den Positionen der 
Tabelle Chron. S. 403 anschliefse, so kann ich weiter nichts sagen als 
dafs jede andere Bemessung ebenso unsicher sein wurde. Übrigens 
kommt auf diese eintägigen Unterschiede nicht viel an. 



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- 51 — 

Hiemach erhalten wir als Grenzen der den grofsen Olym- 
pien vorangehenden Numenie Juli 12 — August 25, des 
Hochfestes (Luna XV) Juli 26 — September 8; Spielraum 
45 Tage^). — Den Spielraum können wir in drei Spatien zer- 
legen, von denen das mittlere am frequentesten ist^); es wird 
zweimal durchlaufen, einmal von den ungeraden und aber- 
mals von den geraden Olympiaden; das erste dient blofs den 
ungeraden, das letzte den geraden. 

Die Monate Athens in der letzten Kolumne haben für 
die Anfange des Entwurfs nur theoretische Bedeutung, da 
Meton seinen 19jährigen Cyklus erst später aufstellte. — Es 
ist angenommen, dafs Luna I und XY des Olympienmonats 
auch in dem entsprechenden attischen Monate Luna I und XY 
waren, oder dafs die unterschiede nicht bedeutend genug 
waren um sie zu berücksichtigen^). 

Wenn wir nicht ausmerzen und die olympische Oktaeteris 
so weiterlaufen lassen, so tritt, nicht gleich, aber doch sehr 
bald, schon Ol. 122, Boedromion als dritter Parallelmonat hervor. 

1) Der Spielraum läfst sich auch auf 44 Tage bringen ; zu dem Ende 
muü man die Epagomene nach Ol. 117, 4, z. Beisp. in 118, 1 einsetzen. 
— Eine Kombination der beiden Berichtigungen, indem + 1 und -f- 30 
Tage zusammengezogen würden zu -f- 29 Tagen und ein 355tägigeB Jahr 
an die Stelle eines 384tägigen käme, scheint der Darstellung des 6e- 
minos nicht zu entsprechen; nach Geminos ist der Znsatz an besonderer 
Stelle und ebenso der Abstrich an besonderer Stelle ansznföhren. 

2) Der Löwenmonat schliefst das mittlere Spatium ein, ist daher ein 
pafsender Repräsentant der Olympienzeit überhaupt. Wenn Statins Silv. 
I 3, 8 von dem kühlen Hause des Yopiscns sagt, es kenne das Jahr 
Pisas und dessen Gluten nicht, Pisaeumque domus non aestuat annum, 
so hat er dabei den V. 5 f. bezeichneten Löwenmonat im Auge. 

3) die Numenien der olympischen Oktaeteris sind mit den attischen 
so verglichen, dafe für letztere nicht von Metons Cyklus selbst, son- 
dern von dem durch Kallipp verbesserten metonischen Cyklus aus- 
gegangen und auch auf die hipparchische Korrektion Rücksicht ge- 
nommen ward. Dem olympischen Neujahr Ol. 82, 1 = Juli 28/9 452 
entspricht bei Kallipp Hek. 1 = Juli 26/7 300; nach Hipparchs Kor- 
rektion wird aus Juli 26/7 Juli 27/8. Die olympische Numenie fällt 
also einen Tag später, Luna XV des Olympienmonats ist Luna XVI des 
Hekatombäon. Solche Unterschiede habe ich ignoriert. Die Mehrzahl 
der nach Kallipp in der angegebenen Weise bestimmten attischen Nu- 
menien ko'inzidiert indes doch mit den für Olympia aufgestellten. 

4* 



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— 52 - 

Setzen wir die attischen Parallelmonate nach Dodwell-Idelers 
meton. Cyklus, so würde der Boedr. schon in der Periode selbst 
als Parallelmonat vorkommen, und zwar zweimal, Ol. 116 u. 118. 

Die unter B vereinigten Ansätze geben nicht oktaeterische, 
sondern dekennaeterische Daten, ß exemplifiziert obigen Ge- 
danken, dafs die Eleer nach ihrer Dekennaeteris die neanund- 
vierzig und fünfzig Monate abmafsen und das Fest nach ihrem 
Kalender bestimmten, ohne indes die alte Jahreszeit zu ändern. 

Es fallen also die Fragen, wo der Tag zugesetzt und wo 
der volle Monat abgestrichen sei, weg. Statt dreifsig Tage 
abzustreichen ging man einfach um einen Monat zurück im 
dekennaeterischen Kalender, zog mithin den ApoUonios = 
Hekatombäon, welcher lange Zeit dem Parthenios = Metageit- 
nion hatte weichen müssen, wiederum hervor. 

Die Numenientage sind entnommen aus der ersten, zweiten 
und dritten kallippischen Periode^). 

Der Anfangstag Juli 26/7 beruht auf frühem Ansätze; auch 
die Numenie des 12./3. Juli 296 ist ziemlich früh gesetzt^). So 
wird Ol. 120 und 121 der Hundsstern noch bei Luna I und XV 
festgehalten; nach der alten Regel, auf der A beruht, würden 
sich für Ol. 120 und 121 Luna I und XV = Juli 27/8 ergeben. 

Grenzen und Spielraum wie in A ; auch die Dreiteilung ziemlich 
dieselbe. Die Benutzung des Spielraums dagegen ist eine verschie- 
dene, sofern dasselbe Datum in A selten, in B recht oft wiederkehrt*). 

1) Einer Änderung waren die kallippischen Daten nicht bedürftig, 
da obgenannte Perioden von Ol. 112, 3 bis 169, 3 laufen, also den 
olympischen Kreis der von Ol. 120 und 121 bis 159 und 160 läuft, um- 
fassen. — Auch dafs die kallippischen Perioden sich auf Athen beziehen, 
während es sich hier um Olympia handelt, konnte unberücksichtigt 
bleiben, da die Ortszeiten nur um etwa 9 Minuten differieren. 

2) Wahrer Neumond zu Olympia 300 vor Chr. Juli 26 2^ 1™, Monds- 
alter bei Untergang der Sonne (etwa 19 ** 16°^) 17 Stunden 6 Miu.; erst 
am 27. erreicht der Mond mit reichlich 41 Stunden ungefähr das mitt- 
lere Sichtbarkeitsalter (42 Stunden). — Wahrer Neumond zu Ol. 296 
Juli 11 16^ 35°^; Mondsalter abends den 12. Juli 27 Stunden 49 Mi- 
nuten (Sonnenuntergang ungefähr 19 ** 24™). Erst am 13. war das 
Erscheinen des Neumonds sicher. 

3) Die häufige Wiederkehr der Daten in B rührt daher, dafs von 
den verschiedenen kallippischen Perioden immer nur je 19 Jahre von 
derselben Ordnungszahl zur Anwendung kommen. 



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— 53 — 

Die anföngliche Herrschaft des ApoUonios = Hekatom- 
bäon ist in B noch kürzer als in A; sie beschränkt sich auf 
die beiden ersten Olympiaden, während in A der Olympien- 
monat der vier ersten Olympiaden mit dem Hekatombäon zu- 
sammenfällt. 

Unterbleibt das statt des Abstrichs eintretende Zurück- 
gehen um einen Monat, so wird schon Ol. 160 der Boedro- 
mion Parallelmonat. — Bei Anwendung der Dodwell-Ideler- 
schen Dekennaeteris würde sich der Broedromion in der Pe- 
riode selbst dreimal, für Ol. 154 156 und 158, als Äquivalent 
des Olympienmonats ergeben. 

Aus der Wahl der Olympiaden 120 bis 160 wolle man 
nicht schliefsen, dafs ich behaupte, die olympische Zeitrech- 
nung habe sich von Ol. 120 an nach Art des Entwurfs B ge- 
staltet. Der Zweck von B ist lediglich der die Möglichkeit 
eines oktaeterisch-dekennaeterischen Systems zu veranschau- 
lichen. Wirklich zur Geltung kann das gemischte System 
auch erst später gelangt sein, wenn es überhaupt je geltend 
^urde. 

Die Entwürfe können auch dazu dienen, die jetzt herr- 
schenden Meinungen zu demonstrieren und zu würdigen^). 



1) Dabei ist zu beachten, dafs Ungar und Nissen nicht von Luna XV, 
sondern von Luna XIV (Vollmond) ausgegangen sind. — ünger be- 
schränkt 'die olympienfähigen Vollmonde auf das zweite Postsolstitial- 
gebiet und betrachtet August 24 als Spätgrenze. Näheres giebt er nicht. 
Er mag Juni 27 als Solstitialtag betrachtet und die Vollmonde von 
Juni 26/7 bis Juli 24/5 dem ersten, die von Juli 26/6 bis August 23/4 
dem zweiten Postsolstitialgebiet zugewiesen haben. Wir können uns 
also für seine Lehre an die Olympiaden 120 121 122 . . . halten (Ol. 120 
vor Chr. 300; Solstiz 301—298 Juni 27). Danach waren olympienfähig 
die Vollmonde der Olympiaden 120 bis 139 oder 140. — Wo Ungers 
für die Feier qualifizierte Vollmonde aufhören, da ungefähr fangen 
Nissens Olympienvollmonde an. Nach Nissen ist die ungerade Olym- 
piade allemal in den Löwenmonat, den wir zu 31 Tagen, s. oben S. 15, 1, 
ansetzen und von Juli 26/7 bis Aug. 25/6 erstrecken können, die gerade in 
die Tage gegen Arkturs Frühaufgang gefallen; letztere Begrenzung dehnt 
Nissen aus bis gegen Ende September, so dafs sich für die gerade Olym- 
piade der Monat der Jungfrau und die ersten Tage der Wage ergeben. 
Seine Regel aber führt notwendig dahin, dafs die Vollmonde welche 
der ersten Hälfte des Löwen und die welche der letzten Hälfte des an- 



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- 64: — 

Wir kommen zu den Einzelfallen. Ich ordne sie nach 
der 160jährigen Periode historischen Ansatzes, also derjenigen 
die mit der Epoche der Olympiadenära 776 vor Chr. und den 
entsprechenden Epochen 616 456 296 136 anhebt. Durch 
Einzelfälle vertreten sind die Periodenjahre 8 10 21 24 26 
35, das 8. und 10. durch Ol. 88 und 90, das 21. durch Ol. 141 
das 24. durch Ol. 104 und 184, das 35. durch Ol. 75. - 
Zuerst also von Ol. 88. 

11. Die 88. Olympiade ist im Jahre 428 vor Chr. be- 
gangen worden. Einige (Böckh, Herbst) haben sie dem Juli, 
andere (Dodwell, ünger) dem August zugewiesen; neuerdings 
ist auch September vorgeschlagen worden (von Nissen). Nach 
dem ersten Ansatz fiel sie auf Juli 12 — 16 nach dem zweiten 
auf August 11 — 15, nach dem dritten auf September 9 — 13^), 



deren Gebiets angehörten, niemals für die Feier der Olympien benutzt 
worden sind. Nach Nissen sind die Vollmonde Ol. 141 und 142 
August 10/1 und 25/6 nicht qualifiziert, weil sie beide im Löwen liegen. 
Die ersten welche seiner Norm entsprechen, sind die von 143 und 144', 
August 11/2, Vollmond im Löwen, und August 27/8, Vollmond in der 
Jungfrau, um das Ende des Nissenschen Olympiengebietes zu erreichen 
müssen wir hinausgehen über Ol. 159; die Vollmonde von Ol. 163 und 
164, August 27/8 und September 11/2 fallen beide auf Tage der Jung- 
frau, sind also auszuschliefsen; die olympienfähigen Vollmonde endigen 
mit Ol. 161 und 162, August 25/6, Vollmond am letzten Tage des Löwen, 
und September 10/1, Vollmond am letzten Tage der Jungfrau. — Hatten 
die Olympien einen festen, an einen und denselben Monat des örtlichen, 
oktaSterisch regulierten Kalenders gebundenen Stand, so mufsten sie 
auch bei rechtzeitiger Korrektion der Oktaöteris, über das Gebiet des 
zweiten postsolstitialen Vollmonds, auf welches Unger sie beschränkt, 
bedeutend hinausgehen. Ebenso wenig sind, wie Nissen will, die un- 
geraden Olympiaden immer in den Löwen, die geraden in die Jungfrau 
gefallen, wodurch ein Gebiet von dem Umfang des Ungerschen entstünde, 
welches zu überschreiten die oktaöterische Bestimmung den Olympien- 
monat zwingt. — Durch Ansätze wie September 26 366 vor Chr., Voll- 
mond der 106. Olympiade, Rhein. Mus. XL S. 354, hebt Nissen sein 
System auf, da der vier Jahre frühere Vollmond September 11 360 
fallen würde. 

1) Idelers erste Numenien von Ol. 88, 1 fallen auf Juli 2 August 1 31, 
also Luna XV Juli 16 August 15 September 14. In dem entsprechenden 
Jahr der ersten Kailippischen Periode, 126, 1, ergeben sich mir die Nu- 



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— 55 — 

Die Thatsachen sind nur mit den beiden ersten An- 
sätzen vereinbar. Wir haben einerseits die Vorgänge im 
europäischen Griechenland, Thuk. III 8—16, andererseits das 
was gleichzeitig auf Lesbos vorging, Kap. 18, ins Auge zu 
fassen. 

Die von Athen abtrünnigen Lesbier haben sich an Sparta 
gewandt und sind nach Olympia beschieden worden. Nach 
der Feier des Olympienfestes, Kap. 8 (isrä xiiv iogn/jv, redeten 
Mytilenes Sendboten vor den noch versammelten Peloponne- 
siern, und mit solchem Erfolg, dals sie in den peloponnesischen 
Bund aufgenommen wurden. Auf der Stelle befahlen die 
Lakedämonier den anwesenden Bündnern sich schleunigst mit 
zwei Dritteln ihrer Leute auf dem Isthmos einzufinden zwecks 
eines Einfalles in Attika. Sie selber fanden sich zuerst ein 
und stellten mit allem Eifer Vorrichtungen her um die Schiffe 
von Korinth über den Isthmos zu transportieren und in die 
attischen Gewässer zu bringen; Athen sollte auch zur See 
angegriffen werden. Die Bündner aber zögerten, sie gingen 
ihren ländlichen Geschäften nach, Kap. 15 iv xaQjtov ^tjyxo- 
ItLÖrj ri0avj und hatten keine Lust ins Feld zu ziehen. Die 
Athener, denen des Feindes Zurüstungen und Pläne nicht ent- 
gangen waren, bemannten hundert Schiffe, erschienen mit 
dieser Flotte am Isthmos und führten liier und da Landgänge 
an der peloponnesischen Küste aus. Den Lakedämoniern fing 
die Sache an bedenklich zu werden; die peloponnesischen 
Bündner waren noch immer nicht da, es liefen Hiobsposten 
ein von den durch die athenische Flotte geschädigben Periöken 
— sie gaben also den Plan auf und zogen heim. Später rüsteten 
sie ein für Lesbos bestimmtes Geschwader, zu dem die Buudes- 
städte vierzig Schiffe stellen sollten. Nun zogen auch die 
Athener nach Hause. 



meniendaten Jali 1 31 Aagust 29; wird eine Einheit addiert, so erhalten 
wir Juli 2 August 1 30. Der Entwurf A liefert August 1. Bleiben wir 
also stehen bei den Numenien Juli 2 August 1 30; auf diesen Nume- 
nien beruhen die drei im Text gegebenen Ansätze. Unger, der mit 
Luna XIV operiert, ist ebenfalls von Juli 2 (Numenie Idelers) aus- 
gegangen, für den August hat er die Luna XIV einen Tag früher ge- 
setzt; auf solche Unterschiede kommt hier nichts an. 



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— 56 — 

Alles dies ist im Sommer, dessen Ablauf erst nach Er- 
wähnung der Vorgänge auf Lesbos Kap, 18 bemerkt wird, 
also vor Äquinoktium (28. September) geschehen. Selbst 
diese spätestmögliche Zeitgrenze angenommen, ergeben sich, 
wenn man die Olympien am 13./4. September enden liefs^), 
bis zum Ablauf des Sommers nicht mehr als 14 Tage; in 
einen so engen Rahmen lassen sich die Thatsachen nicht fassen. 

Die Vorgänge auf Lesbos sind noch weniger mit Nissens 
Position zu reimen. Kap. 18 berichtet Thukydides, dafs wäh- 
rend des Verweilens der Lakedämonier auf dem Isthmos das 
attisch gesinnte Methymna von den Mytilenäern angegriffen 
ward. Der Angriff gelang nicht. Von Methymna ablassend 
zogen die Mytilenäer nach Antissa, Pyrrha und Eresos; sie 
ordneten die Dinge daselbst und verstärkten die Mauern, dann 
eilten sie heim. Nach ihrem Abzüge rückten die Methymnäer 
aus und griffen Antissa an. Sie erlitten aber eine Schlappe, 
ihre Verluste waren bedeutend und der Rest begab sich rasch 
nach Hause. Die Athener hatten nicht so bald Kunde von 
den Mifserfolgen ihrer Freunde erhalten, als sie beschlossen 
die Truppenmacht die sie auf der Insel hatten, zu verstärken; 
sie sendeten, als schon der Herbst anfing, tcsqI to (p%'iv6%(0' 
Qov fjörj aQxofisvov , tausend Hopliten unter Faches nach 
Lesbos ab. Es folgte eine ernstlichere Belagerung von Myti- 
lene. Darüber trat der Winter ein. 

Das Phthinoporon oder Metoporon des V. Jahrhunderts vor 
Chr. begann nicht im Oktober^), sondern schon am 17. oder 
18. oder 20. Sept., s. oben S. 12, wenn Arktur wieder morgens 
sichtbar wird. Für den terminus a quo (xatä tov avxov 
XQOvov ov ot JaKsdaifioviOL tcbqI xbv l&&^6v iq^av) steht nur 



1) Für diese ältere Zeit ist anzunehmen, dafs die Olympien in der 
Regel fünf Tage dauerten von LunaXI ab, also mit Luna XV schlössen. 
Vgl. oben S. 2 f. und 6. 

2) Nissen S. 353 'Athen schickt im Oktober, tcsqI xo (pd^ivo- 

TKOQov 7]8ri aQxofisvov Thuk. 111 18, 3, Verstärkungen nach Lesbos'. Die 
das Phthinoporon verkündende Phase findet in Nordeuropa jetzt am 
8. Oktober unseres Kalenders statt, Bode Anleitung z. Kenntn. d. gest. 
Himmels X. Ausg. S. 360; auf Griechenland und das V. Jahrhundert vor 
Chr. ist die Bestimmung nicht anwendbar. 



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— 57 — 

so viel lest, dafs er den Olympien folgte, dals wir also nicht 
von Luna XV, sondern von einem etwas späteren Tage aus- 
gehen müssen. Wir hätten also, wenn wir das Olympienfest 
dem September zuwiesen, von den wenigen Tagen die nach 
Luna XV (September 13/4) und vor Arktur (September 16/7 
— 19/20) liegen, noch abzustreichen, so dafs für die Nachbar- 
fehden auf Lesbos, die Gelangung der Kunde nach Athen und 
die Entsendung des Faches so ziemlich gar keine Zeit bliebe. 
Septembrische Olympien führen also zu baren Unmöglichkeiten. 
Böckh hat seiner Hypothese gemäfs, s. oben S. 17, 2, die Voll- 
mondszeit des Juli angenommen. Die Fakta Kap. 8 — 16, vom 
Auftreten der Mytilenäer bis zun Heimzug der Athener, haben 
danach, wenn die Athener um Äquinoktium heimzogen, elfte- 
halb Wochen, die Fakta Kap. 18, 1 — 3, vom Eintreffen der 
Lakedämonier auf dem Isthmos bis zum Anfang des Meto- 
poron, fast neun Wochen in Anspruch genommen, was reich- 
lich viel ist. Allein bei dem schleppenden Gang den die 
Kriegsläufte des Altertums zu haben pflegen, ist eine Wider- 
legung auf Grund der Fakta doch mifslich, und man mufs 
wohl zugeben, dafs Olympien im Juli mit den Fakten zu ver- 
einbaren sind. 

Die Vollmondszeit des August ergiebt bis Äquinoktium 
sechs Wochen für die isthmischen Vorgänge, für die lesbischen 
bis Arktur reichlich vier Wochen. Diese Zeitspatien scheinen 
angemessen. 

Es mufs dann, unabhängig von dem Gesagten, die Jahres- 
zeitenfrage gestellt, also erörtert werden, ob wir ev xagjtov 
^vyxo^tä'^ Thuk. IH 15 auf eine frühsommerliche, spätsommer- 
liche oder herbstliche Ernte zu beziehen haben, mit anderen 
Worten, ob xaQ^tog Weizen und Gerste, oder Efstrauben und 
Feigen, oder endlich Trauben die man keltern will, bezeichne. 

Nach Böckhs Ansatz müfste xagTCov ^vyxo^Ldrj = 0Cxov 
övyxo^iSri (Xenoph.) sein; vgl. Herbst Philol. XL VI S. 528. 
Da den Bündnern Eile anbefohlen ist, so werden sie, wenige 
Tage nach dem Feste und der sich anschliefsenden Verhand- 
lung, auf dem Isthmos erwartet; dieser Zeit, den Tagen bald 
nach Mitte Juli, mufs nach Böckhs Position die Kornernte 
angehören, und da das Korn im Peloponnes später als in 



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-^ 58 — 

Attika geschnitten wird, so ist gegen Mitte Juli nichts einzu- 
wenden. Die Ausdrucks weise indes ist unerwartet; denn da 
dem Thukydides 6trog so geläufig ist (ptäQl öirov ixßoli^Vy 
0Ctov axiid^ovtos u. dgl.), so nimmt es einigermafsen Wunder, 
dafs er nicht auch hier 6lzov ^vyxofitdif gesagt hat. 

Das Wort xaQjtog läfst unbestimmt, welchem Ertrage die 
Ernte gilt. Thuk. IV 84, 2 (88) gewinnt 6 xagxog den be- 
schränkten Sinn von Keltertrauben durch die vorher erwähnte 
Weinlese, Kap. 84, 1 oAtyov tcqo xQvyrixov. Den Worten av 
xaQjcov i^vyxoiiLSrj geht nichts dergleichen vorher, so dafs wir 
nicht genötigt sind blofs Trauben oder gar blofs Keltertrauben 
zu verstehen^). Allerdings mufs die Stelle uns geneigt machen 
neben anderen Früchten auch die des Weinstocks einzu- 
schliefsen^). KaQitov Ivyxofitdi} wird also so viel sein wie 
OTCiXiQag ^vyxo^idi], Polyb. IV 66, 7 dcaq)7}X6 xavtag i%l rr^v 
rijg OTtcoQug övyxo^idi^v^ und wir werden an Efstrauben und 
Feigen zu denken haben ^). Thukydides hätte, wenn er die 
eigentliche Weinlese meinte, leicht tQvyritog sagen können. 
Warum mied er diesen Ausdruck? weil er den zQvyrirog gar 
nicht im Sinn hatte; er wollte nicht sagen ^es war Weinlese- 
zeit, die Leute hatten alle Hände voll zu thun die Trauben 
abzunehmen und zu keltern', sondern er schildert ihre Unlust 
^unbekümmert um das Gebot der Lakedämonier gingen die 
Bündner gemächlich ihren ländlichen Geschäften nach, nahmen 
ihre Gurken ein, pflückten Tafeltrauben und ernteten Feigen'. 
Es handelt sich also nicht um eine besonders wichtige Ernte 



1) Mit Unrecht also behauptet Nissen, es sei wegen Thuk. IV 84 
^sicher' III 15 TiccQTtog im Sinne von Keltertrauben, mithin yiaqnov 
^vyKo^idri für TQvyrjtog zu nehmen. Wie bei uns Korn vielfach für 
Roggen gebraucht wird, so könnte vielleicht den Winzern 6 yiuQnog = 
atafpvXai geläufig gewesen sein. Ein Winzer war aber der Sohn des 
Oloros nicht. 

2) Das Fehlen des Artikels kann dem allgemeinen Sinne: xa^dg 
'Früchte' nur Vorschub thun. 

3) Im Steph. V p. 2125 wird aus Galen citiert: av%a %a\ cxatpvlcil 
xriq onaqag aOTtSQ HB^pocXccLOV iati, aus Hesych. OTttoqa yivgCtog ri ciafpvXri, 
Wie das Vorhandensein reifer Trauben und Feigen ehedem die Opora 
empfahl, so wird in einem modernen Sprichwort, s. Jahresz. S. 78 N. 110, 
ein doppelter August gewünscht. 



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— 59 — 

die einen schwer wiegenden Grund des Nichterscheinens der 
Bündner abgegeben hatte ^). 

Was nun die drei Ansätze betrifft, so haben wir, wenn 
xaQTtog reife Trauben bezeichnet oder mitbezeichnet, nur die 
beiden auf August und September lautenden in Betracht zu 
ziehen; in den Tagen bald nach Mitte Juli (Juli 16 ungefähr 
== Juli 10 unseres gregorianischen Kalenders) ist an Trauben- 
reife noch nicht zu denken. Wer xa^jcog auf Keltertrauben 
bezieht mufs auch Mitte August ausschliefsen, da die Wein- 
lese selbst in günstigen Lagen mehrere Wochen später be- 
ginnt^). Eher kann von Weinlese in den Tagen nach Sep- 
tember 13/4 (September 13 = 7 unseres Kalenders) die Rede 
sein, doch ist auch dies eine recht frühe Bestimmung; die 
allgemeine Lese knüpft sich an Arktur (nach Mitte September), 
der TCQotQvyrir'i^Q geht zehn Tage vor Arktur auf ^. S. Geminos 

1) Als eine den mahnenden Lakedämoniem gegenüber vorgebii^hte 
Entschaldigung wird das slvoci iv ycccQTCov ivyKOfiiS^ nicht gegeben, 
sondern der Schriftsteller berichtet, dafs die Bündner rahig ihren länd- 
lichen Geschäften nachgingen. Wir brauchen uns also nicht darüber 
Gedanken zu machen, ob der Nachsommer auch arbeitvoll genug war 
um eine anständige Ausrede zu suppeditieren. Unger läfst die Bündner 
Obst, Oliven, Feigen und andere Baumfrüchte ernten. Was für Obst 
(Kernobst?? s. fleldreich Nutzpflanzen S. 62) und was für andere Baum- 
früchte (Walnüsse etwa, s. Jahreszeiten S. 72 N. 102) er meint, über- 
lasse ich Anderen festzustellen, Oliven aber reifen keineswegs so 
zeitig; erst im Spätjahr schwärzen sie sich, die Ernte findet statt im 
Dezember und Januar, Jahresz. S. 67 N. 93. Vergessen ist bei Unger, 
dafs im August Tafeltrauben abgeschnitten werden sie im Hause zu 
verspeisen oder an den Markt einer nahen Stadt zu bringen. Dafs die 
Feigenemte in den August gehört, ist richtig. Einem Sprichwort zufolge 
hätte man drei Tage eher reife Feigen als reife Trauben. Ein anderes 
Sprichwort kehrt das um und läfst die Traubenreife eher (und sogar um 
neun Tage eher) stattfinden. Die Sache ist die, dafs die beiden Reife- 
zeiten koinzidieren. S. Jahresz. S. 71 f. 

2) Anfang der Weinlese in Eleusis 1866 31. August, s. Mittelzeiten 

5. 11. Der 31. August unseres Kalenders entspricht ungefähr dem 

6. September des julianischen Kalenders im V. Jahrhundert vor Chr. — 
Dodwell also hat mit Unrecht August und Weinlese für Thuk. III 16 
angenommen. 

3) Diese Bestimmungen machen Anspruch auf Gemeingültigkeit. 
Jetzt indes gilt eine noch spätere Bestimmung, Stavrö (einige Tage 
nach Äquinoktium), s. Mittelzeiten S. 11. 



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— 60 — 

p. 247. 249. Es ist also nicht geraten für die Erklärung von 
TcaQTtov ^vyxoficärj eine so frühe Kelterzeit wie Anfang Sep- 
tember unseres Kalenders heranzuziehen. 

Durch Anwendung der Notizen die die Pindarscholiasten 
für die Zeit der Olympien geben, wird Mitte Juli ausgeschlossen. 
In der Mitte des Juli fängt die Opora noch nicht an (Zeugn. B) 
und Juli 16 ist = Epiphi 22 alexandrinischen Kalenders, wäh- 
rend doch nur Mesori und Thoth überliefert werden (in dem 
Zeugn. C). Die Vollmondszeiten des August und September 
sind vereinbar mit den Notizen der Scholiasten. 

Von den drei Ansätzen ist hiemach der auf August der 
einzige welcher in jeder Hinsicht genügt. Er gewährt den 
historischen Thatsachen den hinreichenden Raum; der gewählte 
allgemeine Ausdruck xaQTtog erklärt sich, weil überhaupt die 
Früchte des Nachsommers gemeint sind; endlich entspricht 
der August den Bestimmungen der Scholiasten. 

12. Die 90. Olympiade, begangen im Jahre 420 v. Chr., 
wird von Unger dem Metageitnion (August) zugewiesen. 
Nissen setzt sie um einen Monat später an. Soweit es sich 
um die richtige Zeit handelt, ergiebt sich mit Wahrscheinlich- 
keit aus Thuk. V 47, 10 die üngersche Position, und, ob- 
wohl es durch Kap. 49 f. fraglich wird, ob die 90. Feier im 
Metageitnion stattfand, sind wir doch nicht berechtigt den 
Boedromion (September) als ihre richtige Zeit aufzustellen. — 
Zuerst von Kap. 47. 

Im Sommer 420 vor Chr., vor der Olympienfeier, schlössen 
die Athener einen Vertrag mit Argos, Mantinea und Elis; es 
sollte der Vertrag nach gewissen Fristen neu beschworen 
werden, § 10 avavaovöd^ai de tovs oQxovg ^Ad^rivaiovg (ilv 
lovrag ig Hkiv xal ig MavxCvsiav xal ig "ÄQyog tQtdxovta 
rj^BQatg tcqo '0Xv(i7tLG)v , ^AgysCovg d\ xal ^HlsCovg xal Mav- 
zvviag lovrag ^A%"qva't,6 dexa fj^eQatg TtQo nava%"rivaC(ov xAv 
lisydXov. Da von den ^grofsen' Panathenäen die Rede ist 
und ;r^6 ^OXv^tclov unstreitig ebenfalls auf die Penteteris be- 
zogen werden mufs, die sicher bekannte Lage der beiden 
Penteteriden in der Jahrreihe aber die Absicht einer zwei- 
jährlichen Bestätigung des Vertrages erkennen läfst, so werden 



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.— 61 — 

auch die weiteren Bestimmungen des § 10 so getroffen sein, 
dafs sich die Biennien in erwünschter Weise gestalteten^). 
Der gewiesene Weg dazu war eine Pesthaltung eines und des- 
selben attischen Kalenderdatums^ und zwar wird es den Athe- 
nern — denn von ihnen, nicht von den Argivem, Mantineern 
und Eleern werden die Bestimmungen herrühren — am liebsten 
gewesen sein, wenn sich ein Datum des Hekatombäon fest- 
halten liefs, so dafs die Biennien, von weggelassenen Anföngen 
des ersten und hinzugenommenen des dritten Jahres abgesehen, 
zwei vollständige Jahre attischen Kalenders darstellten^). Die 
Bestimmungen des § 10 werden also hinauskommen auf einen 
Versuch ein und dasselbe attische Datum festzuhalten^). 



1) Ob sich indes die Bestimmnngen des § 10 voUsillndig aus diesem 
Endzweck erklären lassen, steht dahin. Möglich dafs Rücksiebt genom- 
men ward auf die für internationale Abmachungen sich empfehlende 
Vollmondszeit, Heort. S. 206, oder auf Gottesfriedenszeiten die den Ab- 
gesandten sicherer zu reisen gestatteten — der 10. Tag vor den grofsen 
Panathenäen mochte in den Anfang des pythischen, der 30. vor den 
Olympien in den des olympischen Gottesfriedens fallen — , oder auf be- 
stehende Bräuche, mit denen man die Vertragsbestätigung zu verbinden 
gedachte — in diesem Sinne vermutet Nissen Hek. 16 (Eirene) als Be- 
stätigung stag. Ob eine dieser Rücksichten genommen ward, läfst sich 
nicht sicher beurteilen, weil wir weder das Datum des Hekatombäon 
kennen von welchem zehn Stellen, noch das des Olympienmonats von 
welchem dreifsig hinaufzurechnen sind. Doch waren das auf alle Fälle 
Nebenrücksichten, Hauptsache blieb es gute Biennien zu erlangen. 

2) Von den drei mit Athen paktierenden Staaten können wir ab- 
sehen, auf ihre Kalender ist nicht Rücksicht genommen worden. Die 
Eleer begannen ihr Jahr mit der Bruma, während die im § 10 fest- 
gesetzten Bestätigungszeiten sich an Sommerfeste knüpften; ebenso wenig 
harmonierten die Bestätigungszeiten mit den wahrscheinlich im Herbst 
beginnenden Jahren der Argiver und Arkadier^ vgl. E. Bischoff de Fast, 
p. 379. 381. Es genügte , dafs den Eleern, Argivern und Arkadiern die 
Zeit der Olympien und die der grofsen Fanathenäen und des ohne 
Zweifel im Fanathenäenmonat anhebenden pythischen Gottesfriedens 
bekannt war; in Betreff ihres rechtzeitigen Kommens nach Athen werden 
sie sich nämlich nicht an den olympischen Kalender gehalten haben ; im 
dritten Olympiadenjahre bot der olympische Kalender nur die kleinen 
Olympien dar und die kleinen Olympien waren ein weniger bekanntes 
Fest, eine genaue Bekanntschaft mit dem Kalender Olympias dürfen 
wir, in Argos und Mantinea wenigstens, nicht voraussetzen. 

3) Ich bin also mit ünger S. 233 dahin einverstanden, dafs die 



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— 62 — 

Sehen wir nun zu, wie sich der auf den Pindarscholien 
beruhende, also unabhängig von Thuk. V 47, 10 hergestellte 
Entwurf, s. oben S. 48, den Bestimmungen des § 10 gegen- 
über bewährt. Er giebt erstlich für das Jahr dem die 90. Feier 
angehört, die Gleichung: Olympienmonat = Metageitnion (Aug), 
so dafs das Kalenderdatum des 10. Tages vor den Panathenäen 
dem Datum des 30. Tages vor den Olympien nach attischem 
Kalender entsprochen haben kann. Wir dürfen danach ver- 
muten, man sei ausgegangen von der Lage des Olympienfestes 
im laufenden Sommer. Jede andere Vermutung würde ferner 
liegen. — Was dann die in den 100 Jahren von Ol. 90 ab 
sich ergebenden Intervalle der Vertragsbestätigung angeht, 
so sind sie fast alle 24- oder 25monatig, bilden also regel- 
mäfsige lunarische Biennien, nur Ol, 91, 1 auf 3 ausgenommen, 
wo sich ein 26monatiges, also inkorrektes Biennium ergiebt^). 
— Dem Entwurf zufolge sind dann in den 100 Jahren die 
Olympienfeste, ihrer grofsen Mehrzahl nach, im Metageit- 
nion begangen worden, so dafs die Bestätigung zu Olympia 
nach dem Kalender Athens in den Hekatombäon fiel und eine 
Festhaltung desselben Datums für beide Bestätigungszeiten 
erreicht ward, mithin bei weitem die meisten Intervalle kalen- 
darische, von Hekatombäon zu Hekatombäon laufende Bien- 
nien attischen Kalenders darstellten^). — Mit diesem Ergebnis 



dreifsig Tage vor den Olympien anf denselben Bestätigungstermin führen 
wie die zehn Tage vor den Panathenäen. Aber wenn er eine ausnahmslos 
am selbigen Tage att. Eal. stattfindende Bestätigung statuiert — anders 
kann ich ihn nicht verstehen — , so hat er nicht bewiesen, dafs in den 
100 Jahren die der Vertrag bestehen sollte, der von ihm selbst zuge- 
lassene Fall einer Olympienfeier im Hekatombäon ausblieb. Femer ist 
seine Behauptung, der Vertrag sei geschlossen am 11. Hekatombäon, 
man habe den Jahrestag zur Bestätigung ausersehen, ganz unsicher und 
auch unnötig. Sie wählten die Bestätigungszeit wie es pafste, un- 
abhängig vom Vertragsabschlufs. 

1) Die Bestätigung zu Olympia fUllt in den Vormonat der Olympien 
91, 1, nach attischem Kalender in den Skirophorion 90, 4 Arch. Euphe- 
mos; 91, 2 ist Schaltjahr; so verlaufen denn 26 Monate bis zur BestÄ- 
tigung zu Athen im Panathenäenmonat 91, 3 Arch. Teisandros. 

2) Dies Resultat rührt daher, dafs die 100 Vettragsjahre erst 90, 1 
anfangen; in den zehn Quadriennien von 80 bis 89 würden sich 26mo- 
natige Biennien etwas häufiger ergeben. 



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— 63 — 

des Entwurfs können wir zufrieden sein angesichts des un- 
vermeidlichen Abweichens der dekennaeterischen Zeitrechnung 
Athens von der oktaeterischen Olympias. 

Fiel die 90. Feier in den Boedromion (Nissens Ansicht), 
so begreift es sich nicht^ wie man auf den Gedanken kam 
die Bestätigungszeit so wie Thuk. V 47, 10 überliefert, zu 
präzisieren. Das laufende Jahr gab sie nicht an die Hand, 
ebenso wenig der Wunsch gute Biennien zu erlangen. An- 
fangs allerdings gestalten sich diese gleichmäfsig, aber bald 
hört das auf; die 25monatigen Biennien werden seltener, die 
24monatig€n häufiger, und es finden sich nicht wenige in- 
korrekte (26 monatige) ein; auch ergeben sich nach Nissens 
Hypothese kalendarische Biennien ziemlich selten, anfangs 
wechseln sie mit unkalendarischen, später, sobald auch die 
ungerade Olympiade in den Boedromion geraten ist, hören 
die kalendarischen Biennien ganz auf, und doch mufsten die 
von Anfängen des Kalenderjahres eingeschlossenen Biennien 
den Athenern am willkommensten sein^). 

Liegt also den Bestimmungen des § 10 die Gleichung: 
Olympienmonat = Metageitnion zu Grunde, so giebt uns die- 
selbe die richtige Zeit der 90. Feier an; eine andere Zeit als 
diejenige welche der Regel entsprach und welche, wenn nichts 
dazwischen kam, befolgt wurde, haben die Vertreter der be- 
teiligten Staaten nicht in Betracht ziehen können. — Wenden 
wir uns nunmehr zu der Frage, ob die richtige Zeit auch 
eingehalten worden ist. 

Über das was zwischen der 90. Olympienfeier und dem 
Ende des Sommers 420 geschah, hat Thuk. V 50 nur folgendes : 
nach den Olympien begaben sich Argiver und argivische 



1) Um über den Wert der Nissenschen Positionen, Rhein. Mus. XL 
S. 354, ins Klare zn kommen, habe ich sie weiterführen müssen. Nissen 
nun sagt nicht, nach welchem System er seine attischen Daten gesetzt 
habe. Aber sein Ansatz far das Jahr 414 vor Chr. scheint nach Metons 
Cyklus nnd der Begrenzung Scaligers gemacht zu sein, mit Dodwell- 
Ideler stimmt er nicht, ebenso wenig mit Böckh. Ich habe also bei 
der Weiterführung der Nissenschen Positionen Scaligers metonische 
Grenzen zu Grunde gelegt. Zu vergleichen Ideler Handb. 1 S. 364, Böckh 
Monde. S. 27, Scaliger Emend. Temp. p. 77. 



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— 64 — 

Buüdesfreuude nach Eorintfa; auch Lakedämonier nahmen an 
der Konferenz teil; aber nach manchem Hin- und Herreden 
kam nichts zustande. Ein Erdbeben diente dann als Grund 
die Konferenz aufzulösen und nach Hause zu reisen. Damit 
endete der Sommer. 

Schon in Petavs Zeit hat sich ein Antiquar, s. oben 
S. 1, 1, auf diese Stelle berufen um darzuthun, dafs man die 
Olympien nicht in der Zeit wo die Tage am längsten sind, 
sondern viel später im Jahr,, nach dem Herbste zu, vermuten 
müsse ; bei den geringen Ortsentfernungen könne über dem 
Hinreisen nur wenig Zeit hingegangen sein. Petav will nicht 
zugeben, dafs aus Thuk. V 50 eine Annäherung der Olympien 
an den Herbst folgt; es werde wohl zwischen den Olympien 
(die Petav in der Solstitialzeit begangen glaubte) und dem 
Ende des Sommers 420 nichts Denkwürdiges vorgefallen sein; 
und wo nichts vorfalle, da könne auch nichts berichtet werden. 

Die fast vollständige Ereignislosigkeit der Zeit zwischen 
Olympien und Semesterschlufs haben wir, auf Thukydides' 
Zuverlässigkeit hin, zu acceptieren. Da aber diese Zeit nur 
Stoflf für fünf Zeilen des thukydideischen Geschichtswerkes 
lieferte, werden wir geneigt sein sie entsprechend zu bemessen, 
also zu verkleinern; wir werden nicht blofs zehn Wochen 
(Juli 18/9 bis September 28), sondern schon sechs Wochen 
(August 17/8 bis September 28) in deren Verlauf sich beinahe 
gar nichts ereignete, unwahrscheinlich oder doch weniger wahr- 
scheinlich als zwei oder drei Wochen finden müssen, so dafs 
die Feier der 90. Olympiade nicht lange vor Äquinoktium zu 
setzen sein dürfte. Diesem Wahrscheinlichkeitsschlusse — 
denn von mehr kann nicht die Rede sein — hätte Petav sich 
nicht entziehen, zugleich aber fragen sollen, ob der Fall von 
Ol. 90 mafsgebend sei. Er hätte diese Frage meines Erachtens 
verneinen müssen. Dafs er dieselbe überhaupt nicht aufwirft, 
ist zu tadeln. Ebenso urgiert Nissen die kurz vor dem Sommer- 
ende bei Thukydides vorkommenden Olympien von Ol. 90 und ver- 
wertet sie für seine Regel, ohne Rücksicht zu nehmen auf die Lage 
der Dinge, welche einer Einhaltung der regelrechten Zeit wenig 
günstig war. Wie lagen also die Dinge im Peloponnes, als das 
Nationalfest begangen ward? Was berichtet Thukydides V 49? 



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— 65 — 

Zwischen Elia und Sparta ward verhandelt während des 
olympischen Gottesfriedens, dem wir nach einer attischen Ana- 
logie (C. I. A. I n. 1 p. 4, Mysterienfriede beginnend mit der 
Dichomenie des Metageitnion, einen Monat vor dem ersten 
Mysterientage) eine Dauer von 30 Tagen (Minimum) geben kön- 
nen, so dafs er spätestens mit Luna XI des Monats vor den 
Olympien seinen Anfang nahm^) und die Ankündigungen der 
Friedenszeit bis Luna X des Vormonates beschafft sein mufsten. 

Im Eingang des Kap. 49 sagt Thukydides, dafs in dem 
Sommer eine Feier der Olympien stattfand und dafs die Lake- 
dämonier von der Feier ausgeschlossen wurden wegen eines 
ihnen auferlegten Strafgeldes das sie nicht bezahlen wollten. 
Dies gewissermafsen als Überschrift*); denn nunmehr wird 
zurückgegangen auf Vorgänge und Verhandlungen die sich ehe 



1) Grenzen dieses Tages nach dem Entwurf S. 48: Juni 22 bis 
August 5, wobei der Vormonat zu 30 Tagen angenommen ist. Zu Athen 
wird im Jahre 431 vor Chr. a Geminorum, Eastor, morgens wieder 
sichtbar Juni 20 — 24; (5, Pollux, Juni 27 — Juli 1. S. Hartwig S. 18. 
Um Luna XI also, wenn nach obiger Vermutung der Festfriede beginnt, 
ist ce auch beim frühesten Sonnenstande der Olympien und des Fest- 
friedens schon sichtbar, einige Tage danach auch ß. Von Ol. 91 ab 
erscheinen beide Sterne um Luna XI am Morgenhimmel und so bleibt 
es die ganze Periode hindurch. Herakles, als er von der Erde schied, 
hatte die Dioskuren mit der Verwaltung des olympischen Agons be- 
traut, Find. Ol. III 36 toig yccQ insTQccnBv OvlvfinovS' toav &arjtov 
dymva viiisiv. Nach der alten Hypothese, der ich Philologus XI S. 706 ff. 
gefolgt bin, jetzt aber absage, wäre das Olympienfest selbst schon von 
Ende Juni ab, also mit oder bald nach dem Frühaufgang von a und ß 
Gemin., zu feiern gewesen. Aber zum Agon gehört der Gottesfriede; 
den Dioskuren wird beides, der Agon und der Friede, unterstellt ge- 
wesen sein. — Wenn Theron Ol. 76 von dem Kranz der seinem Ge- 
spann zuteil geworden, benachrichtigt ward als er den Dioskuren opferte, 
so braucht er nicht am Tage seines Sieges geopfert und die Botschaft 
vermöge eines wunderschnellen Dienstes der Dioskuren, a. 0. S. 711, 12, 
am selben Tage erhalten zu haben. Entsprach der Festmonat Ol. 76 
einem proleptischen Metageitnion Metons, so pafst Boedromion als Zeit 
des Einganges der Botschaft und das Dioskurenopfer zu Akragas ist 
ein Parallelfest der theoxenienartigen Bräuche gewesen welche Delphi 
im Boathoos = Boedromion beging. Vgl. Delphika S. 225 ff. 

2) Wenn wir nämlich den Olympienfrieden mit zu den Olympien 
rechnen. 

M o m m 8 e D , Olympienzeit. 6 



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— 66 — 

maa das Fest feierte, aber während des Pestfriedens, vollzogen 
hatten und die mit dem Ausschlufs der Lakedämonier endeten. 
Auf die Ursachen also eingehend berichtet Thukydides 
etwa so. Es war in den Tagen da die eleischen Spondo- 
phoren ausgehen den Gottesfrieden der Olympien anzukündigen. 
In diesen Tagen (nach Obigem etwa einen Monat vor dem 
ersten Olympienfesttage) schickten die Lakedämonier 1000 
Hopliten nach Lepreon in Triphylien^). Die Eleer, als sie in 
Kenntnis gesetzt waren , erklärten das für einen Bruch des 
bereits angekündigten Gottesfriedens und verurteilten Sparta 
in eine Bufse von 2000 Minen. Dem ward widersprochen 
durch abgesandte Botschafter: zu der Zeit als die Lakedä- 
monier Lepreon besetzt, wäre bei ihnen der Gottesfriede noch 
nicht angesagt gewesen. Die Eleer entgegneten, in Elis sei 
er doch schon angesagt gewesen, und das habe Sparta sich 
zunutze gemacht um den Eleern die den schon angesagten 
Frieden respektiert, Schaden zuzufügen. Die Lakedämonier 
hinwiederum behaupteten den Gottesfrieden, sobald er ange- 
kündigt, respektiert zu haben. Eleischerseits blieb man dabei, 
Sparta sei friedensbrüchig, lenkte jedoch insoweit ein als man, 
wenn Lepreon wieder herausgegeben werde, bereit war die 
Bufse von 2000 Minen fallen zu lassen. Sparta ging darauf 
nicht ein, und nun machten die Eleer einen neuen Vorschlag 
zur Verständigung, anfragend, ob die Lakedämonier, im Besitze 
von Lepreon bleibend, denn wenigstens feierlich erklären 
wollten dafs sie die schuldige Bufse späterhin entrichten 
würden. Als auch dies von den Lakedämoniern abgelehnt 
ward, schlössen die Eleer sie endlich aus von den olympischen 
Kampfspielen, und die Ausgeschlossenen opferten daheim. Zu- 
stande kam denn nun die Olympienfeier, aber unter Sorgen 
und Ängsten. Fürchtend dafs die Lakedämonier sich mit 
Heeresmacht Bahn schaffen würden in die Altis und zum 



1) Auf die beiden früheren ebendahin erfolgten Truppensendungen, 
V 31 und 34, ist im 49. Kap. keine Rücksicht genommen. Die erste 
gehört, wie Herbst vermutet, ganz in den Anfang des peloponnesischen 
Krieges, liegt also weit zurück. Die andere mag im Vergleich mit den 
1000 Hopliten die während des Gottesfriedens nach Lepreon verlegt 
wurden, unbedeutend gewesen sein. 



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— 67 — 

Hochaltar des olympischen Zeus, rief man die eleische Jugend 
zu den Waffen; auch waren 1000 Mann aus Argos angelangt, 
ebenso viele aus Mantinea, dazu attische Reiterei, Truppen 
der Vertragsmächte. Die Festgemeinde, welche sich durch 
die Anhäufung von Mannschaften auf Kriegsgefahr hingewiesen 
sah, geriet in noch gröfsere Erregung, als Lichas, der obwohl 
Lakedämonier den Spielen unter den Zuschauern anwohnte 
und den siegreichen Lenker seines als bootisch zugelassenen 
Wagens selbst zu bekränzen gewagt hatte, dafür mit Schlägen 
gestraft worden war. Allein die Lakedämonier unternahmen 
nichts, das Fest von Ol. 90 ging vorüber ohne die befürchteten 
gewaltsamen Störungen. 

Diesem Gang der Dinge gegenüber wird niemand die 
Bürgschaft übernehmen können, dafs die richtige Zeit der 
Olympien eingehalten ward. Die wiederholten Vorschläge der 
Eleer beweisen, wie sehnlich ihr Wimsch war sich mit Sparta 
zu verständigen, und es ist möglich, ja wahrscheinlich, dafs 
sie die Feier um einige Wochen hinausschoben, immer noch 
hoffend auf die eine oder andere Weise ihren Frieden mit der 
Grofsmacht herstellen zu können. Vermute man also immer- 
hin den September für die Olympien von Ol. 90, enthalte 
sich aber der Folgerung, als sei September die von der 
oktaeterischen Regel an die Hand gegebene Zeit; die bedroh- 
lichen Umstände hatten von der Regel absehen lassen. 

13. Für die Zeit der 141. Olympienfeier, die der 101. 
des Entwurfs S. 48 entspricht, giebt es eine Art von Zeugnis 
bei Polybios, der die Schlacht bei Cannae an den Schlufs von 
Ol. 140 bringt, III 118, 10, und erkennen läfst, dafs bei Can- 
nae nicht, wie nach Livius' Darstellung anzunehmen wäre^), 
vor dem Beginn der apu lisch en Kornernte, sondern später im 
Jahre gekämpft worden ist. Den Winter und Frühling hin- 
durch hatten die Heere einander im Frentanischen gegenüber- 
gestanden, Hannibal bei Geronium, die Römer bei Larinum- 



1) Vgl. Liv. XXII 43, 5 und 40, 8 und 9, nebst Weissenboms Be- 
merkungen; auch Unger, röm. Kalender (Jahrb. für klass. Philol. 1884) 
S. 659, 21. 

6* 



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— 68 — 

Als die Erntezeit kam und die Getreidefelder Apuliens neue 
Frucht boten, brach Hannibal südwärts auf, Polyb. III 107, 1 
ijdr^ dl TCagaövdovtog rov xatgov rrjv ix tcav iTtstBifov 
xaQTtciv %0QYiyiav ixCvai r^v dvvayuv ix rot; %bqI ro Fsgov- 
viov xaQaxog 'Avvißag, und besetzte die Höhe von Cannae, 
wo aus der Gegend um Canusium das Korn und die übrigen 
Vorräte aufgespeichert wurden zum Gebrauche der Kömer. 
Die beiden römischen Befehlshaber, Cn. Servilius Geminus und 
Atilius Regulus, werden den Puniern gefolgt sein, so dafs der 
Kriegsschauplatz nach Apulien verlegt war^). Beunruhigt 
durch die Wegnahme der Vorratshäuser von Cannae, fragten 
sie wiederholt in Rom an, was zu thun sei; dem nahen und 
die Uralande verwüstenden Feinde gegenüber werde sich das 
Prinzip des steten Ausweichens und Nichtkämpfens unmöglich 
aufrecht erhalten lassen. Der Senat beschlofs, dafs allerdings 
gekämpft werden, vorläufig aber, bis die Armee verstärkt sei*) 



1) üngers Ansicht ist die, dafs die Verstärkungen von den Consuln 
nach Larinum geführt wurden, um von da aus, vereinigt mit den alten 
Truppen, dem in Apulien stehenden Feinde entgegenzugehen. So kann 
es nicht gewesen sein. Geminus und Regulus befanden sich, als Han- 
nibal die Kornmagazine von Cannae wegnahm oder eben weggenommen 
hatte, ohne Zweifel ebenfalls in Apulien; die Wegnahme der Magazine, 
auf die sie in Apulien gerechnet, bereitete ihnen Verlegenheit, Sioc xag 
%oqriyCccg iävaxQrjatovvto Polyb. III 107, 5. Die Consuln haben den 
Oberbefehl über die vereinigten alten und neuen Truppen nicht in 
Larinum übernommen, sondern die neuen Truppen gingen direkt nach 
Apulien, wo die alten schon standen; ebenso die Consuln; Larinum 
wurde gar nicht berührt. Hätte der wechselnde Oberbefehl in Larinum 
begonnen, so wäre das römische Heer nicht schon am zweiten Tage in 
der Nähe des Feindes gewesen; s. Weissenborn zu Liv. XXH 43, 5. 

2) Unger meint, der Senat habe erst auf die Botschaften des Ge- 
minus und Regulus, also nach Hannibals Wegnahme der Magazine, be- 
schlossen vier neue Legionen auszuheben zur Verstärkung der vier bei 
Larinum stehenden. Eine so umfangreiche Aushebung mufste längere 
Zeit in Anspruch nehmen, und indessen hätte Hannibal gar nichts ge- 
than, seine Gegner hätten, ihrer eigenen Erklärung zuwider, das (pvyo- 
(laxsiv recht lange fortsetzen können. Der Beschlufs welchen der Senat 
auf Geminus' und Regulus' Botschaften fafste, betraf nur die Annahme 
einer offenen Schlacht, ot S' ipovlsvaavto (laxBCd-ai, xal av(ißaXlsi,v rotg 
noUfiioig Polyb. a. 0. § 7. Davon unabhängig heifst es hernach § 9 
7CQ0S&BVT0 ds (sie hatten vor, es war ihr Plan der) at^atonsSotg ouvm 



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— 69 — 

und die CodsuId; L. Aemilius Paullus und M. Terentius Varro, 
das Kommando übernommen hätten^ gewartet werden müsse. 
Nach Übernahme des Kommandos über die verstärkte Armee 
suchten die Consuln alsbald den Feind auf. Schon zwei Tage 
nach ihrem Eintreffen hatten sie ihn in 50 Stadien Entfernung 
vor sich, am dritten Tage fand ein Gefecht, am siebenten die 
Hauptschlacht statt. 

Was mufs sich nun ergeben, damit gesagt werden kann, 
Polyb. III 118, 10 unterstütze den Entwurf S. 48? Da das 
olympische Jahr 101, 1 mit dem Neumond des 27./8. Juli an- 
hebt, so erhalten wir für das entsprechende Jahr der nächsten 
Periode, 141, 1, Juli 28/9. Es mufs sich also für die Schlacht 
bei Cannae ein dem 28./9. Juli einigermafsen nahe liegender 
und zwar voranliegender Tag ergeben; sagen wir, ein Tag 
des letzten Monates von OL 140, 4, der Ende Juni beginnt. 

Was Polybios überliefert: als die Jahreszeit eine Ver- 
proviantierung aus neuem Getreide gestattete, sei Hannibal 
von Geronium fortgezogen, beziehe man auf die Anfang Juni 
julianischen Kalenders beginnende Kornernte Apuliens^). Gingen 
dann über den Anfragen die Geminus und Regulus an den 
Senat richteten, 14 Tage hin und andere 14 T. oder 21 T. 
über dem Marsche der neuen Truppen nach Apulien, so kann 
die Schlacht bei Cannae in der ersten oder zweiten Juli- 
woche, also im Schlufsmonat des olympischen Jahres Ol. 140, 4 
erfolgt sein. 



SiccHivdwsvsiv. Auch Holzapfel röm. Chron. S. 297, 1 iat mit Ungar 
nicht einverstanden. Liv. XXII 36 und 38 läfst mit Recht die Rüstungen 
dem Peldzuge vorangehen. 

1) Weissenborn bemerkt, die apulische Eomemte trete in der Mitte 
des Mai ein. Es ist vermutlich der gregorianische Mai gemeint. Einer 
anderen Angabe zufolge findet die Weizenernte in Apulien gegen Ende 
Mai gregor. statt, also nach julianischem Kalender im Jahre 216 vor Chr. 
zu Anfang Juni; ünger S. 659. In Attika ist die Mittelzeit Mai 16 
gregor., Griech. Jahresz. S. 68. Zu dieser stimmt eine etwas spätere 
Mittelzeit des mehr nördlich gelegenen Apuliens; auch geht die Bestim- 
mung auf eine einheimische Autorität zurück. Von den Anfangstagen 
des julianischen Juni dürfte also auszugehen sein für Polyb. III 118, 10. 
Holzapfel S. 296 spricht von Mitte Juni gregor. Aber wie kann Attika 
einen ganzen Monat früher ernten als das (von der Nördlichkeit ab- 
gesehen) gleich günstig gelegene Apulien? 



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— 70 — 

Wenn hiermit die jahreszeitliche Lage welche die Periode 
der 141. Olympiade giebt, unterstützt wird, so ist die Unter- 
stützung doch nicht von Gewicht, weil die Bestimmung des 
Tages von Cannae auf die erste oder zweite Juliwoche auf 
einer Grundlage beruht die immerhin koujektural zu nennen 
ist. Andere Forscher sind zu anderen Bestimmungen gelangt^). 

Unsicher ist auch, ob Polybios die Olympiaden nach 
olympischen Jahren begrenzt hat. 

14. Für die 104. Feier ergiebt sich nach Böckhs 
System, s. oben S. 17, 2, der letzte Monat des olympischen 
Jahres. Seiner Lehre zufolge beging man Olympien am 
ersten Vollmond nach der Sonnenwende, bald als Schlufs-, 
bald als Anfangsfest. Ol. 88, 1 begann ihm am 2. Juli (at- 
tische Numenie nach Ideler); die entsprechenden Jahre der 
Hekkädekaeteris: 92, 1 96, 1 100, 1 und 104, 1 begannen also 
am 5. 8. 11. und 14. Juli. Der letztgenannte Neumond des 
olympischen Jahres 104, 1, Juli 14/15, führte zu einer Luna XIV 
am 27./8. Juli, die, da sich die ersten postsolstitialen Voll- 
monde von Juni 27/8 höchstens bis Juli 26/7 erstrecken, einen 
zweiten postsolstitialen Vollmond brachte^ mithin nach Böckhs 



1) ünger betrachtet August 11 als letzten Tag von Ol. 140, 4; die 
Schlacht hat nach ihm nicht vor Jali 25, wahrscheinlich aber erst im 
Augast stattgefunden. Ungers Position beruht auf einem vorausgesetzten 
Gang der Dinge der der Wirklichkeit gewifs nicht entspricht; lassen 
wir Larinum aus dem Spiel und sehen wir ab von der erst im Verlauf 
des nach Apulien verlegten Krieges vor sich gehenden Aushebung, s. 
oben S. 68, 1 und 2, so ergiebt sich das Intervall zwischen Hannibals 
Ausmarsch und der Ankunft der Consuln nicht wenig kürzer. Auch 
fällt es auf, dafs August 11, ein in der Mitte des Mondmonats liegender 
Tag, den Schlufs von Ol. 140, 4 bilden soll. Mondjahre müssen von 
und bis Neumond laufen. — Holzapfel S. 332 setzt die Schlacht auf den 
28. Juni. Diese Setzung kommt ohne Zweifel der Wahrheit näher als 
die üngersche. Juni 27/8 kann auch für den Schlufsmonat von Ol. 140, 4 
in Anspruch genommen werden, indem die Numenie diesen julianischen 
Tagen entsprechen mochte (Konjunktion zu Olympia 216 vor Chr. Juni 27 
morgens 7 Uhr). — 0. Seipt de Polybii Olympiadum ratione betrachtet 
p. 9 Juni als den Monat der Schlacht; das Jahr 140, 4 endet ihm im 
Juli, p. 15. Ein Julian. Datum für a. d. IV nonas Sextiles (altrömisches 
Datum der Schlacht bei Cannae) giebt er nicht. 



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— 71 — 

Lehre nicht olympienföhig war^). Im Jahre 104, 1 mufste also, 
um die Olympien bei dem ersten postsolstitialen Vollmond zu 
halten, der Schlufsmonat des Vorjahres für ihre Feier gewählt 
werden. Es hat aber nach Xenophon, s. oben S. 16 f., die 
104. Feier vielmehr im Anfange des olympischen Jahres statt- 
gefunden. So erweist sich denn die Böckhsche Hypothese 
auch in diesem Einzelfalle als unhaltbar^). 

Ergiebiger als Ol. 104 ist für unsere Zwecke die zwei 
Periodenlängen spätere 184. Olympiade. Der Entwurf S. 48 
liefert uns die Gleichung: Luna XV des Olympienmonats Ol. 104, 1 
= Aug. 27/8 364 vor Chr. Danach wird in dem entsprechenden 
Jahre Ol. 184, 1 die Luna XV = Aug. 29/30 44 vor Chr., weil 
2 . 160 Jahre verlaufen, mithin zwei Tage zu addieren sind. 
Diese durch die 160jährige Periode an die Hand gegebene 
Position wird bestätigt durch Cic. ad Att XVI 7, wo von den 
Olympien des Jahres 44 vor Chr. in solchem Zusammenhange 
die Rede ist, dafs als Zeit des Festes nur Ende August an- 
genommen werden kann. 

Im Jahre 44 vor Chr. begannen die attischen Monate 
Skirophorion bis Boedromion am 17. Juni, 17. Juli, 15. August, 
14. Sept. Im Sommer also fiel die erste Luna XV auf Juli 1/2, 
die zweite auf Juli 31/ August 1, die dritte auf August 29/30. 
Die Luna XV des 28./9. September gehörte schon dem Herbste 
an (Äquinoktium September 25 21^; vgl. Ideler I S. 78). 

Der Sachverhalt auf den es ankommt für Cic. ad Att. 
XVI 7, ist dieser. Nach Cäsars Ermordung an den Iden des 
März 44 wurde es denen die die folgenschwere That ausge- 
führt hatten oder billigten, bald genug klar, dafs ein längerer 
Aufenthalt am Orte gefährlich, auch unnütz für ihre Sache 
sei; Rom mufste vorläufig gemieden werden. Cicero ging 

1) Da Böckh mit Idel ersehen Numenien operiert, so ist für sein 
System vielleicht nicht von Juli 14/5 , sondern von einer späteren Nu- 
menie auszugehen ; Ideler I S. 385 hat Juli 16, eine Position durch welche 
die erste Luna XIV des Jahres 104, 1 sogar noch tiefer in das, nach 
Böckh, den Olympien verbotene Gebiet der zweiten postsolstitialen Voll- 
monde hineingerät. 

2) Allgemeine Gegengründe s. oben S. 17 f. 



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— 72 — 

aufs Land oder vielmehr kreuz und quer, von einer seiner 
Villen zur andern wandernd, wie einer der sich nirgends sicher 
glaubt. In diesem ziel- und ratlosen Treiben vergingen ihm 
mehr als drei Monate; endlich wandte er sich dem schon 
früher gefafsten Gedanken zu seinen in Athen studierenden 
Sohn aufzusuchen. Mitte Juli schiflFte er sich bei Pompeji 
ein, ad Att. XVI 3 haec ego conscendens e Pompejano^). Am 
20. Juli war er in Velia, am 24. und 25. in Vibo, am 28. in 
Rhegium. Als er dann von Leucopetra (bei Rhegium) am 
6. August aufbrach, zwang ihn ein heftiger Südwind umzukehren. 
Während er nun bei Rhegium auf besseres Wetter wartete, 
kamen ihm durch einige Rheginer günstige Nachrichten aas 
Rom zu; es hiefs, Antonius werde nachgeben, die versprengten 
Gesinnungsgenossen des Brutus und Cassius würden nach Rom 
zurückkehren; man wünsche auch den Cicero herbei, am 1. Sep- 
tember stehe eine vollzählige Senatssitzung in Aussicht. Da 
gab Cicero die Reise auf. Am 17. August hörte Brutus von 
seiner Ankunft in Velia und suchte ihn auf, nam XVI kal. 
Sept. cum venissem Veliam Brutus audivit, XVI 7; auch an- 
dere fanden sich ein. Brutus äufserte, man habe dem Cicero 
der in See gegangen um Italien zu meiden, dies als Verzweif- 
. lung gedeutet und als Imstichlassung der guten Sache, ja 
gemeint er gehe nach Olympia sich daselbst an den Spielen 
zu ergötzen. Dieses Gespräch berichtend fügt Cicero hinzu, 
er sei dem Südwinde sehr dankbar, dafs er ihn von solcher 
Unehre befreit habe, ego vero austro gratias miras qui me a 
tanta infamia averterit. 

Der mehrerwähnte Zeitgenofs des Petav schlofs aus XVI 7 
dafs die 184. Olympienfeier nach XVI kal. Sept. 710 a. u. = 
Aug. 17 44 vor Chr. stattgehabt und der Olympienmonat dem 
attischen Broedromion, der Olympien vollmond dem VI kal. 
Oct. = 26. September entsprochen habe. — Aber es war nicht 
vom 17. August (Gespräch mit Brutus), sondern vom 6. August 
auszugehen. Am 6. August von Rhegium abfahrend hätte 
Cicero noch zur rechten Zeit eintreffen können in Olympia; 



1) 'Scr. in Pompejano postridie idus Quinctiles a. u. c. 710' Wesen- 
berg II p. 581, 16. Juli 44 vor Chr. 



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— 73 — 

sonst wäre es ohne Sinn zu sagen: ego vero austro gratias 
miras cet. Die Zeit des Gesprächs ist Nebensache und bei 
Seite zu lassen. Petavs Zeitgenofs durfte also von dem Voll- 
mond des 28./9. August keineswegs absehen, im Gegenteil war 
derselbe ernstlich ins Auge zu fassen für die Olympien, weil 
drei Wochen genügen um Elis von Rhegium aus zu erreichen. 
Der Septembervollmond ist unwahrscheinlich; von jemandem 
der Mitte Juli von Pompeji oder am 6. August von Rhegium 
unter Segel ging, konnte schwerlich vermutet werden, dafs er 
einer erst Ende September zu begehenden Feier anwohnen 
wolle. — Auch anderes ist einzuwenden. Die Olympien wurden 
diebus aestivis (Censorin, Zeugn. A) begangen. Weisen wir 
ihre Feier im Jahre 44 vor Chr. der Vollmondszeit des Sep- 
tember zu, so würde sie vollständig in das Metoporon und 
fast vollständig in die Zeit nach Äquinoktium fallen. 

Petav hat also mit vollem Recht die Gleichung: Olympien- 
monat = Boedromion und den Vollmond des 26. Sept. zurück- 
gewiesen. Was er aber selbst IX 48 behauptet, durch ad Att. 
XVI 7 erhalte die von den meisten vermutete Anknüpfung an 
das Solstiz einen sehr starken Anhalt^) und es müsse die 
184. Feier um den 1. Juli (Vollmond), höchstens, wenn etwa 
ein präsolstitial beginnender Olympienmonat abzulehnen sei, 
um Juli 30/1 gesetzt werden, giebt uns nur einen neuen Beleg, 
dafs auch der Tüchtige mitunter von Verblendung heimgesucht 
und vom rechtem Wege abgelenkt wird. Sogar von dem 
schon eingeschlagenen rechten Wege. Petav hatte, als er II 73 
schrieb, die Worte *ego vero austro gratias miras qui me a 
tanta infamia averterit' durchaus richtig bezogen auf den eines 
Patrioten unwürdigen Plan die olympischen Spiele zu besuchen 
während das Vaterland in solcher Bedrängnis war. unter 
den Freunden war von zwei Vorwürfen die Rede, welche gegen 
Cicero verlautet hatten; erstlich war ihm seine Abreise als 
Verzweiflung am Vaterlande gedeutet worden, dann hatte man 
es verübelt, dafs er — das Publikum meinte darin nicht zu 
irren — jetzt Olympia besuchen und den Spielen zuschauen 



1) Nullus est locus, sagt er, qui — coujeeturae — communis ac 
receptae üdem yalidius adstruat. 



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— 74 — 

wollte. Diesen zweiten Vorwurf angehend heilst es dann in 
dem Briefe ^Brutus und die übrigen freuten sich des nunmehr 
von mir genommenen Tadels als habe ich die Olympien be- 
suchen wollen; ein Besuch in Olympia wäre nicht anständig 
bei irgendwelcher Verlegenheit des Gemeinwesens, und der 
jetzigen Notlage gegenüber geradezu unter aller Kritik; ich 
mufs es in der That dem Südwinde sehr Dank wissen, dafs 
er mich von solchem Makel (infamia) gereinigt hat'. Die 
infamia geht zunächst und direkt auf den Besuch Olympias, 
der eben vorher erwähnt ist. Petav nun verlangt, dafs wir 
unter 'infamia' den ersten der beiden Vorwürfe verstehen sollen, 
'unam (vituperationem) quam itinere faciendo me intelligebam 
suscipere, desperationis et relictionis reipublicae' und absehen 
sollen von dem zweiten Vorwurf betreflfend den Besuch Olympias, 
der doch gerade von dem Schreibenden als etwas sehr Häfs- 
liches (quo nihil turpius), als eine infamia bezeichnet war. 
Augenscheinlich ist der nicht in dem Grade kränkende, auch 
viele andere Parteigenossen treffende Tadel der desperatio et 
relictio reipublicae etwas zurückgetreten und was vorschwebt 
ist ^me existimari ad Olympia'^). 

Da hiernach die 184. Feier einige Zeit nach dem 6. August 
44 stattgefunden haben mufs, so sind Petavs Julivollmonde, 
von denen der eine (der von Ende Juli) der Frühgrenze 
nahe folgt und an sich richtig sein könnte, abzulehnen. Der 
Septembervollmond nun kann auch nicht gewählt werden, s. 



1) Petav sucht seine unhaltbare Erklärung von ad Att. XVI 7 zu 
begründen durch eine ebenfalls unhaltbare Erklärung von XVI 5: tuas 
jam litteras Brutus exspectabat: cui quidem ego novum attuleram de 
Tereo Accii — ille Brutum putabat — ; sed tarnen rumoris nescio quid 
afflaverat commissione Graecorum frequentiam non fuisse, quod quidem 
me minime fefellit, scis enim quid ego de Graecis ludis existimem 
(Wesenberg II p. 584: scripta in Puteolano a. d. VII idus Quinctiles 
a. u. c. 710). Petav verstand hier die Olympien und schlofs, dafs die- 
selben zur Zeit der Abfassung des Briefes im Monat Juli (Juli 9) be- 
reits vorbei gewesen seien (fuisse). Aber dafs hier die Olympien ge- 
meint sind, ist blofse Behauptung. Was hat der Tereus des Accius 
mit den Olympien zu thun? Dodwell de cyclis p. 229 hat die 
Stelle auf die ludi ApoUinares bezogen; vgl. Orelli Onomasticon II 
p. 322. 



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— 75 — 

Yorhin. Es folgt also dafs die 184. Feier sich dem August- 
Vollmond angelehnt hat^). 

16. Für die 106. Feier, begangen im Jahre 356 vor Chr., 
haben wir in Betracht zu ziehen die Numenien Juni 17 
Juli 16 August 15 September 13. — Zumeist ins Auge zu 
fassen ist was Plutarch Alexander 3 erzählt: iysvvi^d^ri d' 
ovv 'jdXd^avÖQog löxa^evov (irivog ^Exato^ßaiävog ^ ov Maxe- 
dovsg Aäov xaXouöLVy sxti]. An diesem Tage, heifst es weiter 
bei Plutarch, verbrannte der Artemistempel zu Ephesos; über 
das kalendarische Zusammentreffen der Geburt des macedo- 
nischen Thronerben zu Pella und des Tempelbrandes zu Ephesos 
hat der Geschichtschreiber Hegesias aus Magnesia bemerkt, 
Artemis habe ihren Tempel verbrennen lassen müssen, weil 
sie beschäftigt gewesen als Geburtshelferin. Die zu Ephesos 
sich aufhaltenden Magier erkannten in der Feuersbruust des 
6. Hek. ein schlimmes Wahrzeichen für Asien; mit Geberden 
wilder Trauer liefen sie umher, verkündend dafs 'jene exri] 
Verderben und grofs Unheil dem Lande Asia geboren habe'. 
All dies wohl nach Hegesias. Davon unabhängig, vielleicht 
aus anderer Quelle, folgen Berichte verwandten Inhalts: 
QiXCniC(p dh agti Uotidaiav rjQrixoti tgetg f^xov dy^eXcai xata 
xov avrov XQovov ^ ^iv ^IXXvQiovg rjttccöd^aL ficixV l^^y^^V 
diä IlaQ^BvCmvog^ ri 8\ ^Okvii7t(a0cv Itcxg) xiXrixi vsvcxrixivac, 
rgCxTi d% tcbqX ^AXsi^avÖQov ysvsöeoag. Angesichts dieses Zu- 
sammentreflFens der Geburt Alexanders mit glücklichen Erfolgen, 
haben, sagt Plutarch, die Seher gleich erklärt, dafs dem zu- 
gleich mit drei Siegen zur Welt gekommenen macedonischen 
Prinzen der Sieg hold sein werde. 

Es handelt sich also um die gleichzeitige Meldung des 
hippischen Sieges, welcher am vierten Olympientage (Luna XIV) 
dem Philipp zuteil geworden^), und der Geburt des Sohnes, 



1) Zum selben Ergebnis gelangt Nissen. Er sagt mit Recht dafs 
die Verkehrtheit der herrschenden Ansicht, nach der wir die Olympien 
dem Solstiz anzulehnen hätten, besonders klar aus ad Att. XVI 7 de- 
monstriert werden könne. 

2) Nach Dodwell de cyclis p. 227 hat der Bote nicht vor dem 16. 
des Olympienmonats abgehen können, weil in Elis die Preise am 16. 



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— 76 — 

die nach Plutarch (oder vielmehr nach Hegesias) am 6. Heka- 
tombäon erfolgt war. Mit dem Entwurf (Ol. 106 Luna XV 
= August 29, Metageitnion) stimmt diese Gleichzeitigkeit nur 
unter Voraussetzungen die dubios sind^), mit der alten Hypo- 
these, welche die Olympienfeste an Vollmonde des ersten 
Postsolstitialgebiets knüpft, ist sie ohne weiteres vereinbar*). 
Aber mit Recht haben Ideler und andere Gelehrte den 



verteilt wurden. Aber einen Tag der Preisverteilung gab es bei den 
olympischen Spielen nicht; die Preisverteilung am 16. beruht auf einem 
Mifsverstand von Pind. Ol. III 21 xal fisydlmv ai^Xonv ocyvocv iiq^aiv, 
was die Scholiasten fälschlich auf den Ausspruch der Kampfrichter be- 
zogen. Vgl. Fr. Mie Quaestion. agonist. Rostock 1888 p. 29 f. Der Kranz 
wurde gleich nach der Leistung zuerkannt. Der Bote welcher Philipps 
hippischen Sieg meldete, hat also am hippischen Tage selbst schon ab- 
gehen können, den Schlufs der ganzen Olympienfeier brauchte er nicht 
zu erwarten. Wenn die durch Pindar bezeugte Fünftägigkeit des Festes 
auf 356 V. Chr. Anwendung leidet, so können wir nach Holwerdas Pro- 
gramm, s. oben S. 4, die Hippodromie auf den 14. Tag des Olympien- 
monats setzen. Am 14. also mochte der Bote abgehen. 

1) Das schon Anfang Hekatombäon in der eigenen Häuslichkeit 
stattgefundene Ereignis konnte dem Philipp nicht zu gleicher Zeit mit 
dem Mitte Metageitnion im fernen Elis erlangten olympischen Siege kund 
werden. Zwei bis drei Monate kann %atä tov avvbv xQovov nicht um- 
fassen. Allerdings lassen sich leicht Zufälligkeiten denken die das 
Eintreffen einer Meldung verzögerten, z. Beisp. wenn der an Philipp, 
der im Felde stand, abgesandte Bote in Feindeshand fiel und ein zweiter 
Bote abgehen mufste, dem es vielleicht nicht besser ging. Aber ein 
den örtlichen Entfernungen in solchem Mafse widerstreitendes Zeit- 
verhältnis des Eintreffens der Botschaften auf diese oder jene Zufällig- 
keiten zurückzuführen ist sehr mifslich. Ist Alexander am 6. Hekatom- 
bäon geboren und der olympische Sieg 57^ Wochen später, Metag. 14, 
erlangt worden, so können die bezüglichen Depeschen nicht gleichzeitig 
an ihre Adresse gelangt sein. 

2) Nach der alten Hypothese schliefst die 106. Feier den Vollmond 
des 30. Juni/1. Juli ein, es ist der des metonischen Skirophorion ; Heka- 
tombäon 6 ist Juli 21/2. Diese Positionen greifen richtig ineinander. 
Die olympische Siegesbotschaft nimmt, da sie aus der Feme kommt, 
bedeutend mehr Zeit in Anspruch um an Philipp zu gelangen als die 
aus der Nähe und der eigenen Häuslichkeit kommende Botschaft von 
der Geburt Alexanders. Philipp erhielt die Botschaften, nachdem er 
kurz vorher Potidäa erobert hatte {aqu fiQri'nÖTi xtX.), und kann daheim 
gewesen sein. 



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— 77 .— 

Hekatombäon als Geburtsmonat Alexanders verworfen; auch 
was sie Positives aufstellen, Alexander sei vielmehr im Boe- 
dromion geboren, verdient Aufmerksamkeit. Da er 32 Jahre 
und 8 Monate alt Ultimo Thargelion Arch. Hegesias (Olymp. 
114, 1) starb ^), so kann Hekatombäon Arch. Elpines (Olymp. 
106, 1) der Geburtsmonat nicht sein. Gehen wir 32 Jahre 
und 8 Monate von Ultimo Thargelion rückwärts, so erhalten 
wir Ultimo Boedromion; beruhen die 8 Monate auf Abrundung, 
so ergiebt sich entweder ein Tag des Boedromion oder ein 
Tag des Pyanepsion, jener wie dieser in mäfsigem Abstände 
von Ultimo Boedromion. Wählen wir einen Ansatz vor Ul- 
timo, woran nichts hindert, so können die Olympien, dem 
Entwürfe gemäfs, im Metageitnion begangen und die Bot- 
schaften zu gleicher Zeit, d. h. innerhalb eines gewissen 
mehrwöchigen Spatiums^, entsprechend den Ortsentfernungen, 
eingetroffen sein^). 



1) S. die Beweisstellen bei Ideler I S. 406 f. 402; zu vergleichen 
Clinton-Krtlger Pasti p. 134. 172. Nach Aristobnlos bei Plut. Alex. 75 
ist die Triakade des Däsios Alexanders Todestag. Die Gleichung: 
Däsios = Thargelion folgt aus Plut. Alex. 16, wo für die Schlacht am 
Granikos der Monat Däsios, und Camill. 19, wo für dieselbe der Thar- 
gelion angegeben ist, Ideler S. 402, 2. Ultimo Thargelion geht mithin 
zurück auf Aristobulos. Das Lebensalter yon 32 Jahren und 8 Monaten 
(Arrian VII 28, 1) beruht ebenfalls auf Aristobulos' Oberlieferung. Da- 
nach dürfte die Zurückrechnung vielleicht mit mehr Grund von der 
Triakade des Däsios = Thargelion auszuführen sein als von der TQttrj 
cp^CvovTog (Todestag Alexanders nach den itprifiSQ^Ssg, Plut. Alex. 76). 
Doch kommt nichts darauf an. 

2) Petav X 33 erklärt nata tov cevtov xQovov durch eodem mense; 
Kap. 34 bemerkt er, man habe mit Unrecht eodem die übersetzt. Dem 
möchte ich beitreten. Auch das Zusammentreffen der Geburt Alexanders 
mit drei Siegen (tov naida tQiol vUaig avyysyevrifisvov) ist wohl nur von 
annährender Gleichzeitigkeit zu verstehen. Man denke sich das rjusiv 
%tttoc tov avtbv xqovov als eine Aufeinanderfolge mit mehrtägigen 
Intervallen, z. Beisp. so: Philipp hat in der zweiten Hälfte des Meta- 
geitnion Potidäa erobert und ist dann nach Pella zurückgekehrt; noch 
vor Ablauf des Monates kommt die Botschaft aus Olympia, in der ersten 
Hälfte des Boedromion wird der illyrische Sieg gemeldet, in der zweiten 
Alexander geboren, was dem Philipp sogleich kund wird. 

3) Nissen Rhein. Mu*. XL S. 364 setzt den Olympienvollmond 
September 26, Alexanders Geburt Boedromion 6 «= Oktober 3. Gegen 



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— 78 — 

Wie kam aber Plutarch dazu ein falsches Datum für Alexan- 
ders Geburt zu überliefern? Ideler hat die Frage beantwortet 
durch eine chronologische Hypothese die keinen Beifall verdient^). 



das Zeitverhältnis dieser Positionen ist nichts einzuwenden, desto mehr 
gegen die Positionen selbst. September 26 fällt in die Tage nach dem 
Frühaufgang des Arktur, den die Olympien nicht überschreiten dürfen 
(Zeugn. B); die Gleichung: Boedromion 6 = Oktober 3 scheint auf einem 
Versehen zu beruhen; September 26 ist Luna XIV, sieben Tage später 
also, Oktober 3, nicht Luna VI. 

1) Ideler Handb. I. S. 403 stellt zwei Gleichungstabellen der Mond- 
monate Macedoniens und Attikas auf, eine für ältere Zeiten nach [Dem.] 
18, 157 und eine für jüngere Zeiten nach Plutarch Alex. 3 und 16 ; 
Camill. 19. Letztere Tabelle stimmt mit mehreren Daten des Almagest 
(Ideler S. 223. 405), aus denen erhellt dafs die Gleichung: Loos =«He- 
katombäon und die übrigen jüngeren Gleichungen schon im 3. Jahrh. 
vor Chr. geltend gewesen sind. Was die Gleichungen älterer Zeit, 
Loos s:» Boedromion und die hieraus hergeleiteten, angeht, so müssen 
dieselben, meint Ideler, antiquiert sein durch eine von Alexander bald 
nach seinem Regierungsantritt angeordnete Verfrühung des macedoni- 
sehen Kalenders; von Alexander sind auch andere kalendarische Um- 
änderungen (Plut. Alex. 16 und 25) ausgegangen; Plutarchs Gleichung ist 
also für seine jüngere Zeit richtig; wenn er, statt, wie er gesollt, Luna VI 
des Boßdromion = Loos anzugeben, irrtümlich Luna VI des Hekatom- 
bäon = Loos angab, so übertrug er die letztgenannte jüngere Gleichung 
auf Zeiten die noch der alten Weise folgten. — Idelers Hypothese be- 
ruht wesentlich auf [Dem.] 18, 157 iniatoXiq. ßaailsvg Ma%6ö6va)v ^C- 
XimtoQ xrX. Ihm ist diese kTtiazoXri ein Schriftstück des IV. Jahrh. 
vor Chr. (S. 404), herrührend von König Philipp. Aber § 157 ist Ein- 
schub aus wer weifs wie später Zeit, Schlüsse auf 356 vor Chr. haben 
keine Sicherheit. Derjenige welcher die iniatoli^ fabriziert hat, stellte 
Loos und Boi^dromion gleich, weil ihm der macedonische Kalender 
vermutlich in solcher Verschiebung geläufig war, wie wir ihn aufserhalb 
Macedoniens in Gebrauch finden, s. K. Fr. Hermann, Monatskunde S. 128. 
— Die kalendarischen Manipulationen deren Plutarch Alex. 16 und 25 
erwähnt (Umnennung des Däsios, tqkTj fp^Cvovxoq statt T^iaxag), haben 
wenig Verwandtschaft mit einer allgemeinen Verfrühung des macedoni- 
schen Kalenders, in der wir, wenn sie ja stattfand, vielmehr eine wohl- 
überlegte Reform zu erblicken hätten. Vgl. unten S. 90, 1. Durch den 
kalendarischen Unfug den Alexander zuliefs oder anbefahl, wird eine von 
ihm ausgehende Beform die den Kalender auf eine solide Basis stellte, 
keineswegs wahrscheinlich, im Gegenteil. — Ideler verwirft in Plutarchs 
Gleichung blofs den Monat Hekatombäon, nicl^ auch den Monatstag. Aber 
vom sechsten Tage des Boedromion Ol. 106, 1 bis zum drittletzten oder 



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— 79 - 

Vielleicht haben wir das plutarchische Datum für ein fingiertes 
zu halten^). 

letzten des Thargelion 114, 1 ergeben sich die 32 Jahre und 8 Monate 
weniger gut; von 33 Jahren gehen nur 3 Monate und 8 oder 6 Tage 
ab, so dafs sich das yon Alexander erreichte Lebensalter, durch Ab- 
rundung, auf 32 Jahre und 9 Monate stellen würde. 

1) Bei Plutarch Alex. 3 liegt uns eine Reihe yon Eo^Qzidenzen yor. 
Die einheimischen, Z. 22—28 Sintenis, unterscheiden sich sowohl dem 
allgemeinen Eindrucke als der Glaubwürdigkeit nach von der mace- 
donisch- asiatischen, Z. 12—22. Dafs dem Philipp nach der Eroberung 
von Potidäa die Anzeige von der Geburt eines Sohnes mit anderen er- 
freulieben Meldungen zukam, hat nichts Auffallendes und erhebt sich 
nicht sehr über den Ereis des Gewöhnlichen. Eigenartig dagegen und 
höher geschwungen ist die macedonisch- asiatische Koinzidenz, das 
Zusammentreffen des Tempelbrandes zu Ephesos mit dem Familien- 
ereignisse zu Pella; was die Magier rufen, arTji^ afia xal cvfKpoQocv fis- 
yaXriv xf^ 'AaCa xriv rjfiSQav ^mCvtiv tsto'nivaiy könnte im Trauerspiel 
stehen. Auch die Glaubwürdigkeit ist eine verschiedene. Dafs im jn- 
lianischen Jahre 356, dem der Geburt Alexanders, penteterische Olympien 
begangen wurden, ist sicher und gewifs, und auch die übrigen ein- 
heimischen Koinzidenzen brauchen nicht erfunden zu sein; kleinere 
Waffenerfolge hatte Philipp gewifs jedes Jahr zu verzeichnen. Dafs die 
Meldungen an einem und demselben Tage eingingen, besagt die Über- 
lieferung nicht; vgl. was oben S. 77, 2 über nata tov avxov xqovov be- 
merkt ist. Die macedonisch-asiatische Koinzidenz hingegen, so zugespitzt 
dafs am sechsten Tage des Hekatomb'äon = Loos Alexander zur Welt 
kam und der Artemistempel in Flammen aufging, ist unwahr, wie eine 
Heranziehung der zuverlässigen Notizen lehrt, die das von Alexander 
erreichte Lebensalter und den Monat seines Todes im Jahre Ol. 114, 1 
betreffen. S. oben S. 77. Hatte sich die Idee festgesetzt, dafs der 
Tempelbrand zu Ephesos eine Vorwarnung sei die den Untergang Asiens 
bedeute, so kbnnte leicht hinzugedichtet werden, dafs das verhängnis- 
volle Zeichen am selben Tage mit der Geburt desjenigen erfolgt sei 
durch den Asiens Untergang herbeigeführt wurde. Hegesias also oder 
ein Fabulist dem er nachschrieb, behauptete ein kalendarisches Zu- 
sammentreffen der , beiden bezüglichen Ereignisse, indem er entweder 
das ihm bekannte Datum des Tempelbrandes auf Alexanders Geburt 
übertrug und nur für diese ein fingiertes Datum aufstellte, oder beide 
Ereignisse willkürlich dem Hekatombäon = Loos und einer artemidiachen 
sKxrj zuwies. Das hat denn Plutarch wiederholt. Die einheimischen 
Koinzidenzen hat er einer andern Quelle entnommen und sich nicht 
darum gekümmert, ob dieselben mit dem 6. Hekatombäon gut oder 
schlecht stimmten. Derjenige Autor auf welchen die einheimischen 
Koinzidenzen zurückgehen, hatte also nicht behauptet, die Nachricht 



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- 80 - 

17. Die 75. Feier, welche in die Zeit der Gefechte bei 
Therinopylä und Artemision fieP), wird von denen die den 
Vollmond welcher dem Solstiz zunächst folgt, als den der 
Olympien annehmen, in den Juli gesetzt; Solstiz 480 v. Chr. 
Juni 28, Numenie Juli 7/8, Luna XIV Juli 20/1*). 

Petav stützt seine Juli - Olympien auf Herodot, dessen 
lückenhafte und ungenaue Angaben aber auch mit einer um 
30 Tage späteren Olympienzeit vereinbar sind^). 



von Alexanders am 6. Hekatombäon erfolgter Geburt sei zugleich mit 
der Siegesbotschaft aus Olympia an Philipp gekommen; bestimmte 
Daten mag er überhaupt vermieden haben, weil ihre Angabe den Effekt 
verringert hätte. 

1) Dafs die Seekämpfe bei Artemision in denselben Tagen statt- 
fanden wie der Landkampf bei Thermopylä, sagt Herodot VIII 15 övv- 
STcmts Tag avräg rjfiSQag (während derselben Tage) tag ts vaviiax^ccg 
ylvBoQ'oci xccvzag xal rag nsiofiaxCag tag iv ©SQfionvXjjai. Die Gleich- 
zeitigkeit der beiderortigen Kämpfe mit den Olympien meldet er nicht 
geradezu, doch geht sie hervor aus VII 206 und VIII 26. An der ersten 
Stelle wird berichtet, dafs Leonidas und seine Sparter ein vorläufig ab- 
gesendetes Corps waren; die Hauptmacht sowohl der Sparter als auch 
der Bandner sollte folgen, nur gedachte man erst die nahe bevor- 
stehenden Feste zu feiern, Sparta die Kameen, Hellas die Olympien; 
dafs sich die Dinge so bald entscheiden würden, hoctcc taxog ovt(o 8uc- 
TiQtd'T^asaQ'ccL xov iv Begfionvlrjai 7t6Xs[jLOVy nahm man nicht an. Aber 
sie Cütschieden sich doch bald, denkt Herodot, nämlich noch vor oder 
während der Festfeier. An der anderen Stelle wird Folgendes erzählt. 
Die Perser befanden sich noch bei Thermopylä, wo eben der Kampf be- 
endet war und die Beerdigung der Toten stattfand ; da kamen arkadische 
Flüchtlinge, und die Perser erkundigten sich bei ihnen, was die Hellenen 
thäten; die Antwort war, dafs sie die Olympien begingen. Die Angriffe 
der Perser auf Leonidas und ihr endlich erlangter Sieg sind also in die 
Tage des Olympienfestes gefallen oder in eine dem Olympienfeste sehr 
nahe liegende Zeit. 

2) Irrtümlich sagt Stein zu Herod. VIII 26, 6, der letzte Olympientag 
sei auf den Vollmond nach der Sonnenwende, also im Jahre '480 auf 
den 25. Juni' gefallen. Ebenfalls irrtümlich Busolt Laked. I S. 428, 
die Olympienfeier des Jahres 480 habe 'am 7. Juli' begonnen. 

3) Mit dem (beginnenden) Lenz verliefs das persische Landheer die 
Winterquartiere bei Sardes um zunächst Abydos zu erreichen, ;i;€tfi«^^<rag 
a[i,a rm iuQi nccQSßyisvaGfiivog o ctQurog in x&v SagdCoav coQfiato iXmv 
sg "JßvSov^ Herod. VH .87. Einen Monat blieben die Perser am Helle- 
spont, nach drei weiteren Monaten — also, meint Petav IX 48, Augusto 



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— 81 ~ 

Das Intervall zwischen jenen mit den Olympien ko'inzi- 
dierenden Gefechten und der Schlacht bei Salamis wird von 
den meisten etwa zweimonatig angenommen. Unger findet 
diese Bemessung zu klein und streicht einen Monat ab. Allein 
die gewöhnliche Ansicht dürfte Beifall verdienen. Nach den 
Gefechten bei Thermopylä und Artemision gingen die Perser 
südwärts; während sie nun Doris, Phokis und Böotien durch- 



circiter mense — drangen sie in Attika ein, Herod. VIII 51. Ihrem 
Eindringen in Attika ging die Olympienfeier voran, denn schon gleich 
nach dem Gefecht bei Thermopylä verlantete, dafs die Hellenen in diesen 
entscheidungsreichen Tagen Olympien feierten und unentwegt den Wett- 
spielen zuschauten, VIII 26, s. vorhin S. 80, 1. Ehe aber Attika erreicht 
ward, zog das Perserheer nach Doris, Phokis und Böotien. Um diesen 
Vorgängen Baum zu geben, müssen wir — so schliefst Petav — die 
Olympienfeier in den Monat vor dem des Eindringens in Attika (August), 
also in den Juli setzen. — Dafs wir so rechnen können, läfst sich nicht 
bestreiten. Wenn man afioc tm iccQi, auf Äquinoktium (480 vor Chr. 
März 26 gegen 6 Uhr nachmittags) bezieht, Herodots Monate (1 Monat 
am Hellespont, 3 weitere Monate bis Attika) SOtägig nimmt, dann für 
die Strecke von Sardes bis Abydos 1 Monat auswirft, so haben die 
Perser am 24. April Abydos erreicht, bis Mai 24 sind sie am Hellespont 
geblieben, am 22. August in Attika eingedrungen. Dann allerdings 
können wir die Olympien und die gleichzeitigen Gefechte nicht auf 
Mitte August setzen, es würde nur etwa eine Woche für die Vorgänge 
zwischen den Gefechten bei Thermopylä und Artemision und dem Ein- 
dringen in Attika bleiben. Aber der Auszug aiia rm iagi braucht nicht 
schon März 26 erfolgt zu sein, Duncker setzt ihn Mitte April. Zogen 
die Perser Mitte April aus Sardes, so verspäten sich die vorhin auf- 
gereihten Daten um 3 Wochen und es liegen zwischen dem Olympien- 
anfang Mitte August und dem Eindringen in Attika 4 Wochen. Eine 
Zeit von 4 Wochen genügt für das Durchziehen der Landschaften 
nördlich von Attika. Dann fehlt eine Angabe der Zeit welche der Marsch 
von Sardes nach Abydos forderte ; es könnt derselbe auch etwas länger 
als einen Monat gedauert haben, wodurch ebenfalls eine Verspätung 
obiger Datenreihe erreicht wurde. Selbst wenn diese Lücke nicht wäre 
und Herodot eine Monatszeit für den Marsch von Sardes nach Abydos 
überlieferte, auch ccfia tco iagt sicher auf den 26. März zu beziehen 
wäre, würde die Zeit des Eindringens in Attika unsicher bleiben, weil 
die Monate Herodots ohne Zweifel bequeme, abgerundete Bestimmungen 
sind, die wir uns zu hüten haben in bestimmte Tagsummen umzusetzen. 
— Was Plutarch Them. 10 erzählt, in Trözen habe man den Kindern 
der attischen Flüchtlinge gestattet überall von den Früchten der Opora 
zu nehmen, ist für eine präcisere Zeitbestimmung kaum zu verwerten. 

Mommaen, Olympienzeit. 6 



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~ 82 — 

zogen, verliefsen die Athener ihr Land. An ein rasches ziel- 
bewufstes Vorgehen der Perser ist nicht zu denken, sie hielten 
sich auf mit Plünderung uud Verbrennung feindseliger Ort- 
schaften; ebenso wird die Auswanderung der Bewohner At- 
tikas, welche sehr vollständig bewirkt worden zu sein scheint, 
viel Zeit weggenommen haben. Als danach der Feind in den 
attischen Grenzen erschien, begann die Belagerung der Akro- 
polis; die Geduld des Xefxes ward lange auf die Probe ge- 
gestellt, äöts tSig^sa inl xqovov 6v%vov ccTtoQiyöt, ivBxe6%'at 
ov dwäiievog 6<p€ag iXatv Herod. VIII 52, erst nach manchen 
vergeblichen Mühen gelang es die Akropolis einzunehmen. 
Die Nachricht vom Falle der Akropolis kam den Hellenen 
noch vor der Schlacht bei Salamis zu, Kap. 56. Hiernach 
mufs der Zeitabstaud zwischen den Olympien und ihren 
Parallelereignissen einerseits und der Schlacht bei Salamis 
andrerseits ziemlich bedeutend gewesen sein, so dafs zwei 
Monate der Wahrheit wohl näher kommen als ein Monat. 

Gegen September als Zeit der Schlacht spricht das Orake], 
Herod. VII 141 c5 d^eiri UaXanCg, ccTtoXetg di 6v tsxva ytrvaixäv 
^ nov öKLÖvaiiivrig ^rj^'^rsQog iq övvLOvörjg, wenn anders mit 
öxidvaiidvrig ^rifiijteQog die Aussaat des Getreides gemeint 
ist und dieser Teil des Orakels sich bestätigt hat, indem zur 
Zeit der Aussaat bei Salamis gekämpft wurde. H. Stein zu 
d. St. deutet öxidva^evrig ^ri^^tegog richtig auf die Jahres- 
zeit der Schlacht, irrt aber, wenn er bemerkt, die Schlacht 
sei auf den 20. September (Böckhs Ansatz) gefallen, „also 
um den Anfang der Aussaat". Der 20. September Julian. 
Kai. im Jahre 480 v. Chr. (Äquinoktium Sept. 26) entspricht 
der Septembermitte gregorianischen Kalenders, und gesäet 
wird in Attika erst in der zweiten Hälfte des Oktober gregor. 
Das Böckhsche Schlachtdatum liegt also dem Anfange der 
Aussaat um mehr als einen Monat voran. Nach antiker Be- 
stimmung hebt der agotog sogar erst um den Frühaufgang 
der Plejaden (Anf. November) an. ZKidvaiidvrjg ^rjiiritsQog 
führt mithin auf die Tage nach Anfang der letzten Dekade 
des julianischen Oktober 480^). — Die gleich nach der Schlacht 

1) Heldreich Nutzpfl. S. 4 f. giebt för die Aussaat der Gerste 
und des Weizens in der Ebene die Monate Oktober, November und De- 



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— 83 — 

gethaDe Aufserung des Themistokles, Herod. VIII 109, ein 
jeder solle sein Haus wiederherstellen und ernstlich an die 
Getreideaussaat denken, hat allerdings nicht ein unmittelbares 
Bevorstehen des Arotos zur Voraussetzung; doch wird man 
nicht leugnen können, dafs die Aufserung um so zeitgemäfser 
war, je näher der Arotos bevorstand*). Endlich ist es nach 
Herod. VIII 113 gleich nach der Schlacht zu spät im Jahre 
um Krieg zu führen, ävcogcri — rotJ heog TtoXefiisiv. ^AvoQia 
ist die Regenzeit, Winter nach populärer Auffassung. 

Im julianischen Oktober also ist bei Salamis gekämpft 
worden. Haben wir nun das Intervall zwischen Olympien 
und Schlacht auf zwei Monate zu bemessen, s. vorhin S. 82, 
so ergiebt sich in dem ungefähr aus August, September und 
Oktober bestehenden lunarischen Trimester, dessen dritter 
Monat den Tag von Salamis einschliefst, der erste als der 
der 75. Feier, die mithin, viertägig angesetzt, s. oben S. 6, 
am 17. August (Luna XII) anfing und am 20. (Luna XV) 
endete. Dem julianischen August hat schon Dodwell die 
75. Feier zuweisen wollen, und zum selben Ergebnis sind die 
neuesten Forscher gelangt*). 



zember gregor. an. Das Sprichwort von MykoDOs (Jahresz. S. 86 N 120) 
setzt als Saatmonat den Oktober alten Stils (Oktober 13 bis Nov. 12 
gregor.) voraus. — Ein Bückschlufs aus dem ersten Saatengrfln, für 
welches viele und gute Angaben aus Attika zu Gebote standen, ergab 
mir Oktober 25 gregor. als Mittelzeit der beginnenden Aussaat bei 
Athen; es ward dabei ein ITtägiges Intervall zwischen Aussaat und 
erster Begrünung angenommen. Für 480 vor Chr. ergiebt sich danach 
Ende Oktober Julian., und diese Bestimmung kommt dem Frühuntergang 
der Plejaden ziemlich nahe. Sie ist m. E. einer um 10 Tage früheren 
Bestimmung vorzuziehen, welche auf nicht mehr als zwei Daten beruht 
die den Anfang der attischen Bodenbestellung selbst betreffen. — Sicher 
und gewifs ist so viel, dafs von einem Anfang der attischen Boden- 
bestellung um die Septembermitte gregor. nicht die Rede sein kann. 

1) Dodwell de cyclis p. 226 führt die Stelle an zu Gunsten seines 
herbstlichen Ansatzes der Schlacht. S. nächste Note. 

2) Bei Dodwell a. 0. findet man Bogdr. 20 Ol. 75, 1 (Schlacht bei 
Salamis) dem 20. Okt. 480 jul. Eal. geglichen; er nahm die bürgerlichen 
Mondmonate dieser Jahre absichtlich inkorrekt an. Die Olympien setzt 
er in den vorangegangenen Hekatombäon, der ihm also, wie auch seine 
Tafel p. 710 lehrt, August war. — ünger Philol. XXXIII S. 282 läfst die 

6* 



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— 84 — 

In welchem Zeitverhältnisse sich Herodot die Kameen 
und Olympien denkt, ist nicht klar*), so dafs, auch wenn 
Plutarchs syrakusisch-attische Gleichung: Karneios = Meta- 
geitnion für den Peloponnes zutreffen sollte^), für die Bestim- 
mung der Olympien des Jahres 480 vor Chr. kein sicherer 
Gewinn aus den Karueen zu ziehen ist. 

18. Die Erklärbarkeit der Einzelfälle von 
Ol. 88 90 141 189 und 106 aus der 160jährigen Periode ist 
oben uachgewieseu, und auch der Fall von Ol. 75 ist aus der 
Periode erklärbar. 

Von der Luna XV des Olympienmonats Ol. 75, 1, die 
dem vorhin Gesagten zufolge = August 20/1 480 vor Chr. 
gewesen ist, bis zum selben lunarischen Datum des Jahres 
Ol. 115, 1 verläuft eine Periodenlänge, denn der Entwurf 
giebt die Gleichung: Olympienmonat Luna XV Ol. 115 == 
August 21/2 320. 

Die einfachste Erklärung des Verhältnisses in welchem 
die Daten von Ol. 75 und 115 zu einander stehen, ist die, 
dafs wir sagen, um Ol. 75, 1 === 480/79, im V. Jahrh. v. Chr. 
müsse die 160jährige Periode schon gegolten haben, nach 
Anleitung derselben habe man den Haupttag der 75. Feier 



olympischen Spiele am 11. Metageitnion Ol. 75, 1 «= 15. August 480 
beginnen. — Nissen Ehein. Mus. XL S. 352 betrachtet August 19 als 
Olympienvollmond. 

1) Herod. VII 206 rovg dfiq)l Asoav^dsa nQ(6tovg aTtSTtsiitpav Znag- 

tiijtai fistu ds^ KaQVSia ydq ctpi riv iiinodmv, ^fisXXov natd 

tdxog ßoTjd'Tiasiv navdrifis^. äg dh xal ot lomol z&v avfipiccxaiv ivivtovro 
Tial avtol sTBQa toucvta noirjösiv * ^v yccQ nottd tmvto 'Olvfiniag xovzoiai 
rotai ngriyfiaGi aviinsaovacc, VIII 72 'OXvfinia Sl xttl KaQvsia nagot- 
xcanss riSri, — ünger S. 230 nimmt Gleichzeitigkeit der beiden Feste 
an. Ist als Regel nicht wahrscheinlich. Busolt Laked. I. S. 428 scheint 
ebenfalls Gleichzeitigkeit, jedoch nur für das Jahr 480, zu statuieren; 
man habe die Kameen dem Herkommen zuwider verfrüht. Nissen S. 352 
läfst die Kameen den Olympien folgen; letztere weist er dem August 480, 
s. vorige Note, erstere dem September zu, so dafs zwischen den beiden 
Festen etwa ein Monat liegt. 

2) Für Rhodos scheint sie nicht zuzutreffen. S. m. Artikel 'Rhodos* 
in Bursian-Müllers Jahresbericht für Altertumswissenschaft LX (1889 III) 
S. 431. 437. 



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~ 85 - 

auf den 20/1. August gesetzt. Es pafst recht gut das Auf- 
kommen der 160jährigen Periode der Zeit zuzuweisen ehe 
Metons Dekennaeteris ans Licht trat; im V. Jahrhundert mufs 
Önopides seine chronologische Tafel zu Olympia aufgestellt 
haben; dafs sie die 160jährige Periode enthielt, sagen freilich 
unsere Autoren nicht ^). Man trat dann in die ihrem Ende 
nahende Periode ein, z. Beisp. um 01.74,1 ; die Anfönge Ol. 41 . . . 
und der mittlere Verlauf waren ohne aktuelle Bedeutung und, 
wie die Ol. 1, 1 anhebende Periode, blofs prolep tisch*); um das 



1) önopides ist verm. Zeitgenofs des Anaxagoras (500—428 v. Chr.) 
gewesen; Censorin nennt statt seiner den Philolaos (498—395). Die 
Aufstellung gehört jedenfalls einer ziemlich frühen Zeit an; vgl. was 
Dodwell p. 262 bemerkt. — Älian Censorin und Plutarch setzen Öno- 
pides' grofses Jahr auf 59 gewöhnliche Jahre. Anders Stobäos Eclog. 
phys. I 9, 42 p. 264 ed. Heeren: tov dl fisyav iviccvtov ot filv iv ty 
oyixocBxriQlSi, xl^Bvxai, ot 8\ iv xjj ivvsainxidetiasxrjQidi, ot d* iv xoig 
xexQanXctaioig ixsaiv, ot S* iv xotg ll^xoyra, iv olg OlvonlÖrig xal Ilvd'a- 
yoQag. Aber die plutarchische Parallelstelle de placit. phil. 32 (IV p.269 
Tauchn.): xbv dl fiiyav ivtwoxov ot fkhv iv x^ OTixaex-qg^di xi^svxoti^ ot 
d' iv xii ivvecciiaids%a6xriQ£8i, ot ^ iv xoig i^ri'KOvxa ivog Öiovaiv lehrt, 
dafs bei Stobäos svog diovaiv ausgefallen ist; Ideler I S. 303. Statt 
der wunderlichen, weder zu Olympia noch irgendwo sonst in der Welt 
brauchbaren Periode von 59 Jahren erwarten wir die 160jährige. Da 
dieselbe 59 Schaltmonde hat, so kann man vermuten dafs 59, die An> 
zahl der Schaltjahre, aus Versehen für die der Jahre genommen ist. 
(Durch blofse Eorruptel — hr^ s^ri'Kovxa svog diovxa statt i^ri'iiovxa xal 
sxaxov — dürfte die Festhaltung der Zahl 59 bei den Autoren nicht 
erklärbar sein.) Die Autoren haben dann das Versehen arglos accep- 
tiert und sogar ausgeführt bis ins einzelne (Censor. 18, 8 eat et Philolai 
Pythagorici annns ex annis quinquaginta novem in quo sunt menses 
intercalares viginti et unus). — Wer ihre Notizen für wahr hält und 
daran glaubt, dafs ein jenes seltsame 59jährige Jahr darstellendes Para- 
pegma zu Olympia vorhanden war seit dem V. Jahrhundert vor Chr., 
wird sich der önopidei'schen Aufstellung als eines Analogons bedienen 
können; hat in Anaxagoras' Zeit die olympische Behörde der Tafel des 
önopides einen Platz in der Altis bewilligt, so kann damals auch für 
die 160jährige Periode Interesse und Verständnis vorausgesetzt werden. 
— Unter den Erzplatten die man zu Olympia gefunden hat, ist die des 
önopides nicht. 

2) Im VII. Jahrhundert vor Chr., dem Ol. 41 angehört, waren die 
Geister noch nicht so geweckt und rege, dafs sich an Erfindung der 
160jährigen Periode denken liefse. 



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~ 86 - 

Vergangene kümmerte man sich nicht, es kam ja nur darauf 
an durch Beseitigung von Abweichungen (wenn, der neuen 
Regel zuwider, beispielsweise die 74. Feier nach dem augen- 
blicklichen Stande der Oktaeteris in den Anfang des Oktober 
statt in den des September kommen mufste) und durch Be- 
stimmung des Jahres vor Ol. 80, in welchem der fortan nach 
je 40 Quadriennien zu wiederholende Ausschub einer Lunation 
stattfinden sollte, die Olympiendaten der Gegenwart dem 
160jährigen System zu akkommodieren und der Ol. 81 an- 
hebenden Periode Bahn zu schaffen. 

Möglicherweise also ist man schon vor Ol. 75 in das 
Oktaeteridensystem und zwar in die vorletzte Hekkädekaeteris 
eingetreten und hat die 75. Feier ihre Gleichung Luna XV 
= August 20/1 480 nach Anleitung des Systems erhalten. 
Aber August 20/1 kann sich auch unabhängig ergeben haben 
aus dem älteren Herkommen. Wie denken wir uns dasselbe? 

Die jüngere Zeit hat den Haupttag des Olympienfestes 
auf die ersten sieben Wochen der Opora beschränkt durch 
die 160jährige Periode. Vor alters wird man sich begnügt 
haben das noch nicht so vieltägige Fest überhaupt nur inner- 
halb der Opora festzuhalten, zwischen Hundsstern und Arktur 
sollten Olympien begangen werden, eine fafsliche und bequeme 
Regel, die den Früheren die von Hekkädekaeteriden und einem 
auf sie gebauten System noch nichts wufsten, füglich zugetraut 
werden kann. Die oporischen Grenzen wurden gewahrt 
mittelst einer Kürzung deren Eintritt nicht streng geregelt 
war; die frühesten Lagen des Olympienfestes fielen mitunter 
weg, ebenfalls die spätesten; die mittleren kamen immer vor^). 

1) Denken wir uns z. Beisp., dafs der Haupttag des Festes zuerst 
die ganze Opora durchlief, die Oktaeteris also mehr als zwei Jahr- 
hunderte lang ohne Kürzung blieb. War der letzte Rand der Opora 
erreicht, so trat die Kürzung ein. Durch diese kam die Oktaeteris nicht 
wieder zurück zur Anfangslage, sondern ihre Lage nach der Kürzung 
war eine spätere; von dieser aus begann sie ihren zweiten Lauf, für 
den mithin etliche Fruhstände wegfielen. Gesetzt nun man wünschte 
sie im zweiten Lauf zum Anfang der Opora zurückzuführen, so mufste 
derselbe entsprechend abgebrochen werden, so dafs etliche Spätstände 
unberührt blieben. Der zweite Lauf dauerte also weniger als 160 Jahre. 
Im dritten Laufe wurden dann, wie im ersten, die Frühstände vollständig 



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— 87 — 

Wenn wir nun die Anzahl der extremen Oporatage die un- 
benutzt blieben, nicht allzu grofs annehmen , so lassen sich 
alle Einzelfälle die eine nähere Bestimmung der Jahreszeit 
zulassen, ebenso gut aus dem älteren Herkommen wie aus der 
160jährigen Periode erklären^). Für die Lage der Olympien 
von Ol. 81 bis 87, 121 bis 127 u. s. w. sind keine Anhalts- 
punkte aus den Historikern zu schöpfen. Also kann es uns, was 
die Erledigung des historischen Materials angeht, ganz gleich- 
gültig sein, ob statt der jenen Olympiaden zukommenden 
Frühstände: Juli 26, August 11 . . . die um 30 (29) Tage 
späteren Stände des August und September eingetreten sind 
oder nicht. Unregelmäfsigkeiten, wie die vorhin beispiels- 
weise für die 74. Feier aufgestellte, widerstrebten dem alten 
Herkommen nicht weniger als dem 160jährigen System; fiel 
damals die Luna XV in den Anfang des Oktober 484, also 
in das Metoporon, so trugen besondere Umstände oder Nach- 
läfsigkeit die Schuld, das alte Herkommen verlangte für 
Luna XV einen Tag der Opora. Das Datum für Ol. 75, 
August 20/1 480, setzt nicht notwendig die Periode voraus. 



benutzt, und wenn dieselben Spätetände unberührt blieben, wie im zweiten, 
80 dauerte der dritte Lauf 160 Jahre und entsprach dem Entwurf S. 48. 
Der erste Lauf mithin vereinigte sämmtliche Yollmondszeiten der Opora, 
frühe, mittlere und späte; der zweite berührte blofs die mittleren; im 
dritten gab es nur frühe und mittlere. Was also dem alten Herkommen 
zufolge niemals cessierte war die mittlere, ohne Zweifel weitaus gröfste 
Partie. — So waren denn die Läufe alten Herkommens dem OktaSriden- 
system aufs nächste verwandt, jene stellten das Genus dar, dieses die 
Species, eine Formation die, neben anderen Formationen, nach dem alten 
Herkommen zulässig gewesen war. 

1) Was sich aus dem bequemen Herkommen alter Zeit, vermöge 
dessen der Spielraum des Olympienfestes keine bestimmte Lage in der 
Opora hatte, nicht erklären läfst, ist das oben S. 22 erwähnte Ver- 
hältnis der Mondphasen zum Hundsstemaufgange, welches in den Jahren 
Ol. 1, 1 und 41, 1 proleptisch, von 81 ab wirklich, stattfindet. Die am 
ersten Rande der Opora liegenden Vollmond zelten, die wir in den Spitzen 
160 jähriger vom Anfang der Ära abwärts bestinmiter Spatien antreflFen, 
markieren offenbar Ausgangspunkte 160jähriger Perioden auf denen die 
Ära beruht, und lassen erkennen dafs der Spielraum der Panegyris in der 
Opora an eine feste Fpoche und zwar an ihren ersten Rand (Juli 26/7) 
einmal gebunden worden ist. Es ist also mit dem alten Herkommen 
nicht überall ffir die Erklärung auszureichen. 



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— 88 — 

Folgen wir den älteren Berechnungen der Arkturphase, so 
bot die Opora des Jahres 480 überhaupt nur diese einzige 
Luna XV dar, und auch nach der neuesten Berechnung braucht 
die Luna XV des September kein Oporatag gewesen zu 
sein^). Mithin mufste oder konnte nach dem alten Herkommen 
August 20/1 gewählt werden. 

Nichts hindert also das Inslebentreten der 160jährigen 
Periode in die Zeit nach den Perserkriegen zu setzen. Damals 
machte sich auch bei den Eleern, wo es sonst so still war, 
ein Geist der Neuerung geltend. Elis wurde Grofsstadt durch 
Übersiedelung zahlreicher Landbewohner, ein Umschwung in 
demokratischem Sinne; Diodor berichtet davon unter Ol. 77, 2 
vor Chr. 471/0 Archon Praxiergos^). In dem Jahre vorher 
waren die olympischen Spiele nach einer Anordnung begangen 
worden die von der früheren abwich und fortan bestand; 
also selbst das konservative Olympia hatte einmal vom Alten 
und Gewohnten lassen müssen*). . Zugleich mag man sich 
mit dem Kalender beschäftigt*) und ihn vor den Schwan- 



1) Im Jahre 480 entsprachen der Luna XV die jnlianischen Daten 
Juli 22/3, August 20/1, September 19/20. Juli 22/3 liegt mehrere Tage 
vor dem Hundsternaufgang, September 19/20 mehrere Tage nach 
dem Frühaufgang des Arktur, wie Hartwig und Förster ihn bestimmt 
haben (September 17 u. 18, s. oben S. l2, 1). Auch nach R. Schorrs Er- 
gebnis (September 20, s. oben S. 12, 2) ist September 19/20 kein Oporatag, 
sondern erster Tag des Metoporon. Allerdings liefse sich wohl die 
Septembemumenie (September 5/6) um einen Tag verfrühen, so dafs 
Luna XV = September 4/6 + 14 = 18/9 würde. Dann enthielte die 
Opora des Jahres 480 Luna XV zweimal, im August und im September. 

2) Diodor XI 54 'Hlstoi iisv nlsiovg nal fiiyiQccg noXsig oUovvtsg stg 
fiiav ovv(pY,io^7ioav xriv ovoficctofiivrjv ^Xiv. Strabon VIII 3, 2 p. 336 
Olpe ds nots avvriXQ'ov slg trjv vvv noXiv ''H.Xiv iistä ta IIsQei'iia ix 
noXXmv drifKov. Vgl. Busolt Laked. I S. 182 f. 17. 

3) Obwohl die Kürzung erst etliche Jahre später zur Ausführung 
kam und die Periode noch später begann, können diese kalendarischen 
Bestimmungen schon Ol. 77, 1 getroffen sein. Dergleichen Modifika- 
tionen verlangen Behutsamkeit, von heute auf morgen lafsen sie sich 
nicht machen. — Von dem reformierten Programm der olympischen 
Spiele, welches Ol. 77 in Kraft trat (nariatri, Pauaan. V 9, 3) ist bereits 
oben S. 4f. die Bede gewesen. 

4) önopides gehörte dem V, Jahrb. vor Chr. an, s. oben S. 85, 1. 



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— 89 - 

kungen die der bisherige Modus zuliefS; geschützt haben durch 
Einfahrung der 160jährigen Periode, die, auch wenn sie von 
Delphi aus angeregt und nicht ele'ischen Ursprungs war, in 
Olympia zur Annahme vorgelegt werden mufste; die Akkom- 
modation an das Bestehende, die Einzelheiten der Ausführung 
hatte man den olympischen Behörden zu überlassen. Durch 
die Bestimmung des um 30 Tage zu kürzenden Schaltjahres 
war zugleich der technische und der historische Anfang ge- 
geben und damit die 160jährige Periode begründet^). Da in 
dem historischen Anfangsjahre, Ol. 81, 1 vor Chr. 456/5, der 
Tempel des olympischen Zeus vollendet ward^), so hätte man 
eine Ära anknüpfen können in der Quadriennien nach Er- 
bauung des Tempels gezählt wurden, und diese Ära wäre Vor- 
gängerin der später begründeten, bis zur Scheide der mythi- 
schen und historischen Zeit (776 vor Chr.) hinaufreichenden 



Näheres ist nicht bekannt. Er kann seine chronologische Tafel ebenso 
gut nach Ol. 75, 1 wie vor diesem Jahre aufgestellt haben. 

1) Als Eürzungsjahr habe ich oben S. 60 Ol 119, 3 vorgeschlagen 
in der von Ol. 81 laufenden Periode. In der Periode vorher ent- 
spricht 79, 3. 

2) Es ist nicht fiberliefert, aber doch so gut wie gewifs (Purgold 
Arch. Zeit. XL Sp. 184), dafs der Bau des Zeustempels im Jahre 456 
vollendet und den zur 81. Pauegyris versammelten Hellenen zuerst von 
Gerüsten frei vor die Augen gebracht wurde. Es mag hier eine Ver- 
bindung von Zufall und Absicht vorliegen , doch folgt nicht , dafs 
beabsichtigt ward der Epoche des jetzt eingeführten Oktaöteriden- 
systems mehr Relief zu geben. Dafs der Bau überhaupt in der Mitte 
des V. Jahrh. angefangen ward, hatte keinen Bezug auf eine bestimmte 
Olympienfeier, war mithin für OL 81 ein zufälliger und nebensächlicher 
Umstand. Aber einen Zufall kann man benutzen, ein Bau läfst sich 
beschleunigen oder rerzögern, und so haben die welche den Bau leiteten, 
es wohl absichtlich zu Wege gebracht, dafs die 81. Feier und damit 
die neu kreierte Epoche durch die erste Anschauung des grofsen Werkes 
gehoben und verherrlicht wurde? Ganz zurückzuweisen ist diese Ver- 
mutung nicht. Allein an die Epoche des Okta^teridensystems brauchen 
die Leiter des Tempelbaues nicht gedacht zu haben. Sie mochten dar- 
auf zustellen^ dafs der Bau zur grofsen Panegyris fertig ward, also zu 
einem ersten Jahre des olympischen Quadrienniums, es war ihnen ja 
um zahlreiche Bewunderer zu thun; die lieferte ihnen aber jede Pan- 
egyris, einerlei ob sie mit einer Epoche des 160jährigen Systems zu- 
sammenfiel oder nicht. 



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— 90 — 

gewesen. Aber das Bedürfnis einer Ära mit gezähltem Anno 
empfand man nicht so zeitig , man behalf sich mit Sieger- 
namen, Thuk. III 8, V 49. 

19. Die attische Oktaeteris kann mit der olympischen 
nicht zusammengefallen sein, aber die beiderseitigen Zeit- 
rechnungen haben doch wesentlich übereingestimmt und be- 
ruhen auf demselben System. Dies nachzuweisen ist die Auf- 
gabe des 19. Abschnitts. 

Von den acht Jahren Ol. 88, 1 Arch. Diotimos bis 
89, 4 Arch. Aristion hat Böckh durch seine Zinsrechnungen 
die ersten sechs, 88, 1 bis 89, 2 Arch. Amynias, ihrer Monats- 
zahl nach festgestellt. Was die beiden übrigen angeht, so 
hatten sie zusammen 25 Monate ^ welches aber von beiden 
Schaltjahr und welches Gemeinjahr gewesen, hat sich nicht 
entscheiden lassen. — Die Anknüpfung der sechs Jahre an 
die julianische Zeitrechnung wird möglich durch ein Finstemis- 
datum aus Ol. 88, 4 vor Chr. 425/4 Arch. Stratokies: Schol. 
Aristoph. Wölk. 584 ^ ösli^vri S* i^sXems' ijiBvSri ixXsLilfLg 
iyivero ösXrivrig tc5 tcqozbqg) hat iitl UtQaroxliovg ßoriSgo- 
^L(DVL. — Von den, einen oder einige Tage betragenden Ver- 
frühungen sämmtlicher Monate Athens, die nach Bockh zur 
Zeit des archidamischen Krieges stattfanden und nach und 
nach im Laufe der Jahre berichtigt wurden, ist abzusehen, da 
das in diesem Sinne verwertete Material sich hinreichend er- 
ledigt durch die Annahme vorübergehender Störungen^). 



1) Die Unordnung im Kalender von der Aristophanes spricht, ist 
zurückzuführen auf eben jene Willkür vermöge welcher, späteren Inschriften 
zufolge, ein xar' agxovta gesetztes Datum neben das xata d-söv gesetzte 
richtige tritt. Wenn es für die archontische Mifs Wirtschaft die im Ka- 
lender Athens einrifs, an Belegen aus älterer Zeit fehlt (Chron. S. 137, 2), 
so folgt keineswegs dafs solche Mifswirtschaft den Athenern des V. Jahr- 
hunderts fremd war und erst aufkam bei den Epigonen. Thukydides 
giebt uns V. 54 ein Beispiel wonach man schon zur Zeit des pelo- 
ponnesischen Krieges jene Manipulation kannte und anwendete durch 
die ein Tagname auf mehrere Tage erstreckt ward. Es heifst a. 0.: 
'AgysLOL d' avaxmQriadvtcDv avxmv (als die Lakedämonier wegen des 
bevorstehenden Karneenmonats nach Hause gegangen waren) xov nqb 
zov KaQVELOv firivog s^sld'ovteg TStQoidi cp%'£vovxog^ xal ayovxBg tijv 



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— 91 — 

Aufer jenen Jahren aus der Zeit des archidamischen 
Krieges steht noch die Gleichung für den Monat und Tag 
der Schlacht bei Salamis zu Gebote. Doch zeigt unsere Über- 
lieferung einige Unsicherheit. Dafs die Schlacht im Boedro- 
mion statthatte, dürfen wir annehmen; also den nebenher 
übedieferten Munychion (Clinton p. 30), welcher der aus 
Herodot bekannten Jahreszeit widersprechen würde, verwerfen. 
Der Munychion, wie auch der im Munychion angegebene Tag, 
die extrj ijcl Sixa, beruht wahrscheinlich darauf, dafs man der 
Artemis Munychia, die dem Orte der Schlacht nahe wohnte, 
einen Dank schuldete und diesen Dank mit ihrem unabhängig 
bestimmten Feste des 16. Munychion verband; daraus entstand 
der Irrtum, die Schlacht habe am 16. Mun. stattgefunden. 
S. Ideler I S. 309, 1. Der 16. gohört zu den Tagen an denen 
der Mond voll sein kann, daher denn der Schein des Voll- 
monds von welchem Plutarch de glor. Athen. 7 spricht, auf 
einer Schlufsfolgerung aus der exxri iicl dexa beruhen dürfte. 
Hiernach werden wir nicht danach zu streben haben die 
Schlacht auf einen Vollmondstag zu bringen^), und es bleibt 
weiter nichts übrig als an dem 20. Boedromion nach Plut. 
Camill. 19 festzuhalten. Sicher ist der Tag nicht. Herodot 
nennt keinen bestimmten Tag, nach ihm könnte die Vision 
auch vor dem lakchostage stattgehabt haben und dieser von 

rifisQav ravtriv nccvta tov ;i;90i'oy, iaißccXov ig xr^v 'EnidavQ^av ytal 
iSrjovv. Ebenso auf späten Inschriften Athens eine oydorj dsvtsQUy die 
einer oydori ngotigcc gefolgt sein mufs. Nach Plutarch Alex. 25 hatte 
der Seher Aristandros erklärt, die Stadt Tyros, welche man belagerte, 
werde noch im laufenden Monat genommen werden; nun war es aber 
schon der letzte Monatstag, da befahl Alexander: fi7}%stt tQicc%dSa trjv 
rifisQctv naXstv, dXXoc zQlxriv tpf^Cvavtoq. Attisch allerdings sind diese 
Beispiele nicht, aber was andere Hellenen wufsten und übten, das wird 
auch den Athenern geläufig gewesen sein. 

1) Böckh. Monde. S. 73 sucht den Vollmondsschein festzuhalten 
durch Ycrfrühung infolge nicht eingefügter Zusatztage, eine Annahme 
die besser vermieden wird. Sein Ergebnis ist nicht ansprechend. Er 
setzt die Schlacht zwei Tage nach Vollmond; in den beiden ersten 
Nachtstunden, als die Verwirrung am gröfsten war, hat Artemis den 
Griechen kein Licht gegönnt. Trotz der willkürluihen Annahme ver- 
sagter Epagomenen wird also doch der Vollmond — und diesen über- 
liefert Plutarch, nicht eine Zeit nach Vollmond — keineswegs erreicht. 



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— 92 — 

Späteren blofs vermutet sein, weil er für die Vision am besten 
zu passen schien. Geben wir nun den Vollmondssehein preis 
und halten fest an dem freilich nicht YöUig sicheren Tage des 
lakchoszuges; Boedromion 20, so ist das julianische Datum 
der Schlacht, da sie in den Tagen der Aussaat stattfand, 
s. oben S. 82 f., Oktober 22/3 gewesen^). 

Böckh, der den Athenern ein Oktaeridensystem mit sol- 
stitialer Spitze beilegte, hat, auf Grund der epigrapbisch ge- 
sicherten Jahre Ol. 88, 1 bis 89, 2 und des nach ihm dem 
September 480 zu gleichenden Boedromion Ol. 75, 1, folgendes 
aufgestellt. Die attische Oktaeteris schrieb sich her aus 
ferner Vergangenheit; sie blieb in Geltung bis in die Zeit 
Alexanders des Grofsen. Die Kürzungsperioden von 160 Jahren, 
eingerichtet in der bei Geminos überlieferten Weise, hoben 
an mit einem julianischen Jahre welches den Anfang eines 
dritten Olympiaden -Jahres einschlofs und zugleich eine mit 
dem Sommersolstiz zusammenfallende oder demselben sehr 
nahe liegende Numenie darbot; die solstitiale Numenie ward 
erstes Neujahr der Eürzungsperiode. Jene beiden Eigen- 
schaften finden sich vereinigt vor in den Jahren 642 482 
322 vor Chr.*). Im Sommer der genannten Jahre beginnen 
Ol. 34, 3 74, 3 114, 3. Die um 74, 2, unmittelbar vor der 
Epoche 74, 3, erforderliche Ausmerzung eines Monates wurde 
verabsäumt und erst 62 Jahre später nachgeholt. Hätte 



1) Meine Tafeln, vgl. oben S. 61, 8, liefern für 480 v. Chr. folgende 
Numenien: Jnli 7 (auch bei Böckh Monde. S. 74) August 5 September 4 
Oktober 3. Danach wird die Luna XX des Oktober 8/4 beginnenden 
Mondmonats = Okt. 22/ä. Es kann aber auch Oktober 23/4 genommen 
werden, wenn man als Nnmenien Juli 7 Angast 6 (wahrer Neumond in 
Athen August 4 7** 26"*) September 4 Oktober 4 setzt. 

2) Für 642 ergab sich dem Urheber des Systems das Solstiz am 
80. Juni nachmittags, die Konjunktion am 27. Juni ungefähr 9 Uhr Abends. 
Eine auf Juni 28/9 gesetzte Numenie schlofs also das Solstiz nicht ein. 
Hiergegen läfst sich kaum etwas einwenden; nicht weil die Numenie 
auch Juni 29/30 gesetzt werden könnte, so dafs sie das Solstiz ein- 
schlösse, sondern weil die Zeitgenossen des VII. Jahrhunderts vor Chr. 
zwar die längsten .Tage und ihr regelmäfsiges Eintreten im Sommer 
recht wohl kannten, schwerlich aber einen bestimmten Tag als den 
längsten zu fixieren wagten. Vgl. Böckh Monde. S. 88. 



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— 93 — 

nämlich die Ausmerzung bestimmungsmäfsig stattgefunden^ so 
würde Ol. 75, 1 schon am 7. Juni 480 beginnen, der Boedro- 
mion also in welchen die Schlacht bei Salamis fiel, dem 
August entsprechen. Der Boedromion hat aber nicht dem 
August, sondern dem September entsprochen. Eine recht- 
zeitig, Ol. 74, 2, erfolgende Ausmerzung würde den Jahren 
Ol. 88, 1 bis 89, 2 ebenfalls einen zu frühen Sonnenstand geben. 
Es erklären sich also die Daten (Ol. 75, 1 Boedromion = Sep- 
tember und die in den Juli und den August fallenden Neu- 
jahre von Ol. 88, 1 — 89, 2) aus einer Oktaeteris die von 
Ol. 34, 3 bis 89, 2 ohne Kürzung blieb. Was dann die vor 
der Epoche Ol. 114, 3 fallige Kürzung angeht, so erfolgte sie 
nicht bestimmungsmäfsig um 114, 2, sondern scho^ 112, 2, mit 
welchem Jahre die attische Oktaeteris ihre Laufbahn schlofs 
und der 19jährige Cjklus zur Geltung kam. So Böckh. 

Nach den Voraussetzungen die Böckh machte, konnte er 
der 160jährigen Periode Athens keine andere Gestalt geben 
als diejenige welche er ihr gegeben hat. Das Jahr der Schlacht 
bei Salamis, Ol. 75, 1, begann ihm, da er die Schlacht in den 
September setzte, also von einem dem September entsprechen- 
Boedromion ausging, am 7. Juli 480. Die unabhängig aus 
den Zinsrechnungen und dem Finsternisdatum ermittelte Lage 
der Jahre Ol. 88, 1 — 89, 2 stand zu 75, 1 in einem solchen 
Verhältnis, dafs sie erklärt werden konnte aus einer von 75, 1 
bis 89, 2 ohne Kürzung gebliebenen Oktaeteris. Auf diese 
durchaus angemessene Erklärung trat also Böckh ein. Da er 
ferner einen das Sommersolstitium berührenden Stand des 
ersten Neujahrs der 160jährigen Periode Athens voraussetzte, 
so war es ebenfalls angemessen die Epoche Ol. 74, 3 und die 
noch höhere 34, 3, von der gesicherten Reihe Ol. 75, 1 — 89, 2 
aus, durch Retrokomputation festzustellen. Wenn sich dabei 
die unwillkommene Nötigung ergab, eine um viele Jahre zu 
spät erfolgende Kürzung, mithin eine vieljährige Vernach- 
lässigung der 160jährigen Periode zu statuieren, so mochte 
allerdings auch demjenigen welcher auf Böckhs System ein- 
zugehen geneigt war, ein Zweifel kommen, ob die Anfangs- 
numenie der Periode wirklich so früh lag, dafs sie das Sommer- 
solstiz berührte« Schiebt man nämlich den Anfang der Pe- 



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— 94 — 

riode um etliche Wochen tiefer in den Sommer hinein, so 
fällt die Nötigung den Ausschub eines Monats verspätet an- 
zunehmen weg. 

Böckhs Voraussetzungen sind nur teilweise zuzulassen« 
Der Monat Boedromion in dessen Verlauf die Schlacht bei 
Salamis fiel, hat nicht dem September, sondern dem Oktober 
entsprochen, das Jahr Ol. 75, 1 also nicht am 7. Juli, sondern 
am 5. August begonnen, so dafs zwischen Ol. 75 und 88 ein 
Schaltmonat abgeworfen sein mufs^). Die attische Oktaeteris 
hat also einen andern Gang genommen als Böckh vermutete. 
Das attische Oktaeteridensystem kann auch nicht, wie Böckh 
wollte, dem Sommersolstitium angelehnt gewesen sein; nur 
durch die unwahrscheinlichsten Annahmen liefse sich das 
Material mit einer von 160 zu 160 Jahren zum längsten Tage 
zurückkehrenden Oktaeteris vereinbaren*). 



1) Wäre die Oktaeteris seit dem am 5. August 480 begimieoden 
Jahre Ol. 75, 1 Arch. Ealliades bis in die Zeit des archidamischen 
Krieges ohne Ausmerzung gebliebnn, so würde sich für 89, 1 Arch. 
Tsarchos nicht Hek. 1 » Jnli 17 424 ergeben , sondern das Jahr würde 
erst am 16. August anheben; und wiederum würde man, ausgehend von 
den epigraphisch festgestellten Gleichungen für Ol. 88 und 89, durch 
eine nach aufwärts fortgesetzte Reihe ausmerznngsloser Okta^teriden einen 
zu frühen Monat julianischen Kalenders für den Boädromion Arch. Kal- 
liades und die Schlacht bei Salamis erhalten, den September. (Die 
Yerfr Übungen um einen oder einige Tage, welche Böckh für die Monate 
der archidamischen Kriegsjahre annahm, sind für unsere Frage von 
keiner Bedeutung; ich möchte sie fallen lassen, s. oben S. 90; mir be- 
ginnt also das Jahr des Isarchos am 17. Juli 424, bei Böckh. Monde. 
S. 27 findet man den 16.) 

2) Um August 5 480 vor Chr. « Hek. 1 Ol. 75, 1 nach Böckhs System 
zu erreichen, würde man zu behaupten haben, im Jahre 802 sei die 
attische Oktaeteris von einem in die längsten Tage fallenden 1. Hek. 
ausgegangen und habe mehr als drei Jahrhunderte hindurch ihren sich 
verspätenden Lauf fortgesetzt; der 1. Hek. des Böckhschen Epochen- 
jahres Ol. 34, 3, welcher bestimmungsmäfsig mit dem Sonmiersolstitium 
hätte komzidieren sollen, habe, weil man die Kürzung verabsäumt, dem 
Ende des Juli 642, der 1. Hek. des folgenden Epochenjahres Ol. 74, 3 
aus demselben Grunde dem Ende des August, etwa dem 28., entsprochen ; 
da die Jahre 74, 3 und 4 zwölfmonatig gewesen seien (Böckh Monde. 
S. 74), so ergebe sich als Neujahr von Ol. 76, 1 Arch. Kalliades August 5 
und der 1. BoÖdr. entspreche dem 3./4., der Tag von Salamis, BoSdr. 20, 



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— 95 - 

Dafs in Athen ein Monat abgestrichen sein müsse zwi- 
schen Ol. 75 und 88, ist vorhin bemerkt. Die Kürzung welche 
der oben S. 48 entworfenen Olympienperiode voranging, lag 
ebenfalls zwischen Ol. 75 und 88. Dies deutet auf eine ge- 
wisse Verwandtschaft des attischen Oktaeteridensystems mit 
dem olympischen hin. 

Eine nahe Verwandtschaft der beiderseitigen Kalender 
anzunehmen nötigt der merkwürdige umstand, dafs in den 
Jahren 480 428 und 424 vor Chr. Hekatombäon und Olympien- 
monat zusammenfielen. Das attische Neujahr Ol. 75, 1 Arch. 
Kalliades entsprach dem 5./6. August 480; der Entwurf des 
olympischen Oktaeteridensystems giebt für das entsprechende 
Jahr Ol. 115 den 7./8. August 320, woraus für das 160 Jahre 
frühere Neujahr August 6/7 folgt. Von dem kleinen unter- 
schiede der Numenien können wir absehen^). Ebenso haben 
sich die Anfangsmonate Athens und Olympias in den beiden 
anderen Fällen nahezu gedeckt. Das Jahr Ol. 88, 1 Arch. 
Diotimos begann zu Athen 428 Juli 31/ August 1, zu Olympia 
August 1/2; Ol. 89, 1 Arch. Isarchos zu Athen 424 Juli 17/8, 
zu Olympia Juli 18/9^). 

Übereinstimmende Polgen lassen auf übereinstimmende 



dem 22 ./3. Oktober. Aber eine Eegel die nur da zu sein scheint um 
vemachläsBigt zu werden, ist null. Und mit der zweimal fälligen und 
beide Mal vernachlässigten Kürzung wären wir noch nicht am Ziel^ da 
zwei Kürzungen nachzuholen sein würden. Die eine hat, wie das Ma- 
terial lehrt, zwischen Ol. 75 und 88 stattgefunden. Von der anderen 
müfste man behaupten^ dafü man sie verschoben habe; es sei zu gewalt- 
sam erschienen zwei Monate zugleich dem aktuellen Kalender zu ent- 
ziehen. Aber in den Jahren Ol. 88, 1 '— 89, 2 ist die zweite Kürzung 
nicht erfolgt. Dafs man die Hälfte des Fehlers noch so lange kon- 
servierte, ist wenig glaublich. Statt das Bedürfnis einer abermaligen 
Kürzung und einen mehrjährigen Aufschub derselben anzunehmen, 
müssen wir vielmehr vermuten, dafs dem Qktaöteriscben Kalender durch 
die Kürzung zwischen Ol. 75 und 88 vollständig genügt ward und ein 
weiteres Kürzungebedürfhis nicht vorlag. 

1) Wahrer Neumond zu Olympia 480 nach Chr. August 4 7** 17™. 
Abends den 4. war der Mond noch zu jung um sichtbar zu werden, am 
zweiten Abend konnte, am dritten mufste er erscheinen. 

2) Die Daten des Entwurfs sind also wiederum ein wenig später, 
8. vorige Note. Vgl. Chron. S. 245. 



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— 96 — 

Ursaclieii schliefsen. Es mufs dieselbe 160jährige Periode 
gewesen sein welche den attischen und olympischen Jahren 
ihre Lage gab^) — dieselbe, materiell wenigstens; formell kann 
nicht alles harmoniert haben. Die attische Oktaeteris bestand 
ohne Zweifel aus ganzen Panathenaiden, d. h. aus Quadriennien 
die mit dem Monate der grofsen Panathenäen anhoben, und 
die grofsen Panathenäen feierte man zwei Jahre vor und nach 
den Olympien. Die Lage der attischen Oktaeteris, folglich auch 
die ihrer Multipla, des 16jährigen und des 160jährigen Kreises, 
war mithin eine andere in der Jahrreihe als die der olym- 
pischen Oktaeteris und ihrer Multipla, welche an die grofse 
Panegyris der Olympien gebunden waren. 

Wenn nun hiernach die Epochen des attischen und olym- 
pischen Oktaeteridensystems keineswegs zusammenfielen, sondern 
um ein Biennium mindestens differierten, so läfst doch das 
nahe Verhältnis der beiderseitigen Kalenderjahre, s. vorhin, 
glauben, dafs der Abstand der einen Epoche von der anderen 
nicht grofs war. Sehr passend kann Ol. 81, 3 als Epochenjahr 
des attischen Oktaeteridensystems betrachtet werden. 01.81,3 
ist nur ein Biennium später als die olympische Epoche 81, 1 
und Anfangsjahr der attischen Quotenlisten. Es war damals 
die Bundeskasse von Delos nach Athen verlegt worden, und 
fiir Kassenbeamte ist ein zuverlässiger Kalender erwünscht; 
ohne einen solchen lassen sich keine Zinsen berechnen — die 
Rückstände der nach Athen fliefsenden Steuern wurden mit- 
unter verzinst, s. ü. Köhler Urkunden des delisch-att. Bundes 
S. 124 



1) Die attisch-olympischen Kongruenzen würden rätselhaft bleiben, 
wenn wir annähmen, dafs der vormetonische Cyklus, die Oktaeteris, 
willkürlich und systemlos gehandhabt ward. Die Willkür der attischen 
Behörde würde ihres eigenen Weges gegangen sein und Ziele erreicht 
haben welche ohne Zweifel andere gewesen wären als die in Olympia 
erreichten, weil die daselbst herrschende Willkür ebenfalls ihren eigenen 
Weg eingeschlagen hätte. Die Übereinstimmung in Betreff der drei 
Neujahre ist nur dadurch erklärbar dafs beide Teile sich einem und 
demselben Gesetze unterordneten und der subjektiven Willkür entsagten. 
Ich habe Chron. S. 212 viel zu ungünstig über die oktaeterische Zeit- 
rechnung geurteilt. 



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- 97 — 

Fing Ol. 85, 3 Arch. Theodoros am 23. Juli 438 an, so 
erhalten wir, nack Geminos' Regel, für 81, 3 die Gleichung: 
Hek. 1 = Juli 20/1. Vgl. Chron. S. 403. 

Die 160jährige Periode Athens scheint mit mehr Recht 
für eine Modifikation der olympischen gehalten werden zu 
können als umgekehrt, diese für eine Modifikation jener. Auch 
andere Staaten von Hellas mögen sich der vielleicht von Delphi 
aus augeregten Periode Olympias bedient und sie ihren Her- 
kömmlichkeiten angepafst haben. 

20. Aus Statins' Epistel an Marcellus, Silv. IV 4, 
insonderheit aus den Worten V. 31 f. *et Eleis auriga laboribus 
actos Alpheo permulcet equos' kann für unsern Gegenstand 
nichts gefolgert werden. 

Das IV. Buch der Silvae ist geschrieben als Domitian zum 
17. Mal Consul geworden war, 1, 1 f. laeta bis octonis accedit 
purpura fastis, 95 nach Chr. Im Sommer 95 endete das 2. 
und begann das 3. Jahr des olympischen Quadrienniums, wo- 
durch die Penteteris der Olympien altüblichen Ansatzes aus- 
geschlossen ist. 

Wie das Jahr, so steht auch die Jahreszeit in der Statins 
die Epistel verfafste, fest. Der Hundsstern ist bereits auf- 
gegangen, V. 12 f. iam terras — — Icariis coelum latratibus 
urit; die im Zeichen des Löwen stehende Sonne sendet ihre 
Gluten, V. 27 f. dum nimio possessa Hyperione flagrat torva 
Oleonaei juba sideris; die Strafsen Roms werden leerer, V. 14 
jam densae rarescunt moenia Romae, alles sagt der Haupt- 
stadt Valet und sucht anderswo Kühlung, V. 15 flF.; die Ge- 
richte pausieren, das Getreide ist geerntet, V. 39 ff. Die Epistel 
ist also geschrieben im Löwenmonat, s. oben S. 53, 1. 

Dodwell p. 231 findet, dafs wir die olympischen Spiele, 
von denen V. 31 f. als bereits gefeierten die Rede sei, einer 
Zeit im Jahre zuweisen müssen die der Abfassungszeit des 
poetischen Briefes vorherging; im Sommer 95 nun freilich 
könne eine grofse Panegyris nicht begangen sein zu Olympia; 
Statins also habe vom Jahre 95 und überhaupt von einem 
bestimmten Jahre abgesehen und sich blofs an den auf Juli 15 

Mommseu, Olympienzeit. 7 

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- 98 — 

gesetzten Schlufs des Festes gehalten^); dem 15. Juli sei die 
Abfassung des Briefes in nicht grofsem Abstände, noch im 
Juli^), nachgefolgt, so dafs V. 11 f. von der bereits abgeschlos- 
senen Feier die Rede sein konnte. 

Nach Dodwell also hat in den Tagen vor Abfassung der 
Epistel eine Olympienf^ier nicht wirklich stattgefunden, und 
V.,31f. ist der Sommer des laufenden Jahres charakterisiert 
durch etwas was im laufenden Jahre nicht vorkam. Durch 
Thatsächlichkeit zeichnete sich mithin Statins' Charakteristik 
der Sommerzeit von 95 keineswegs aus. 

Das einigermafsen unerwartete Absehen vom Thatbestande 
des Jahres 95 wird vermieden durch die Hypothese Nissens 
Rhein. Mus. XL S. 359, der zufolge mit jener auf Neros Ge- 
heifs um zwei Jahre zu spät, 67 nach Chr. statt 65, gefeierten 
Olympiade eine neue, die zweijährige Verschiebung zur Regel 
machende Ära begann. Statins, meint Nissen, bezeuge, dafs 
die neue Ära, nach welcher in den Jahren 71 75 79 83 87 
91 95 Olympien zu begehen waren, noch im Jahre 95 befolgt 
ward. Die in den Worten et Eleis auriga laboribus cet. 
angedeutete Olympienfeier werde sich dem Vollmond des 
4. Aug. 95 angelehnt haben, der Brief an Marcellus am 5. 
oder 6. Aug. geschrieben sein. 

Aber die von Nero erst im Jahre 67 begangenen Olympien 
betrachtete man als nicht begangen, und an eine Feier die 
annulliert war, kann sich eine Ära nicht geknüpft haben*). 



1) Dodwell behauptet, zur Zeit des Domitian (f 96) sei in Elis das 
Mondjahr nicht mehr in Geltung gewesen, man habe der Luna XV des 
dem Hekatombäon Athens entsprechenden Olympienmonates, dem alten 
Schlufstage der Olympien, einen Tag des julianischen Kalenders und 
zwar den 15. Juli substituiert. 

2) Dodwell bemüht sich zu zeigen, dafs die Abfassung des Briefes 
in die Tage Juli 17 — 31 gefallen sei. Er setzt für Statius deu Hunds- 
stemaufgang 23 Tage nach Cäsars Solstiz voraus und, mit Rücksicht 
auf Y. 40 messesque reversae, glaubt er den Schlufs kaiserzeitlicher 
feriae messivae die bis kal. Aug. reichen, anwendbar. 

3) Nero siegte 'zu Olympia, aber nicht in den Olympien', Philostr. 
V. Apollon. V 7. Von der auf seinen Befehl verschobenen 211. Olym- 
piade sagt Pausanias X 86, 9 avxr} &e iv rotg 'Hls^cov yQ(X(i,fiaCL nagsirai 
(lovTi naaoäv rj 6Xvfi,niag. In Africanus^ Verzeichnis (bei Euseb.) heifst 



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— 99 — 

Wenn wir nun der neuen Ära Nissens absagen müssen, 
80 folgt daraus noch nicht die Richtigkeit der Dodwellschen 
Hypothese; beide Forscher sind mit Befangenheit an die 
Statiusstelle herangetreten und haben sie falsch beurteilt. 
In den Worten Stat. Silv. IV 4, 27—34 

Sed tu, dum nimio possessa Hjperione flagrat 
torva Cleonaei juba sideris, exue curis 
pectus et assiduo temet furare labori. 
Et sontes operit pharetras arcumque retendit 
Parthus; et Eleis auriga laboribus actos 
Alpheo permulcet equos; et nostra fatiscit 
laxaturque chelys. Vires instigat alitque 
tempestiva quies; major post otia virtus 

es: diaiioaiOöTTi evSsndtri' ovx rjx^Vi NsQcavog dvccßaXXofisvov slg zriv 
savTOv imdrifi^v fistä dl irrj Ovo dx^B^ffrjg avr^g x. r. X, Diese Autoren 
kennen also nur 65 nach Chr. 01. 211, 1 als richtige Zeit und haben 
nichts davon gewufst dafs 67 Ol. 211, 3 fortan mafsgebend war. Dafs 
Neros Yerstöfse gegen das alte Herkommen nur augenblicklich geduldet 
wurden und weiterhin spurlos blieben, lehrt auch das Nichtvorhanden- 
sein einer Bühne zu Olympia, s. Philostr. a. 0.; der musische Agon, 
welchen er seinen Olympien willkürlich zusetzte, hätte, wenn man ihn 
beibehielt, eine solche erfordert. Reste eines für dramatische und musi- 
kalische Leistungen bestimmten Baus haben die Ausgrabungen zu Olympia 
nicht ans Licht gebracht. Wenn Xenophon eines Theatron erwähnt, 
Hellen. VIT 4, 31, so kann damit nur der Zuschauerplatz am Stadion 
gemeint sein; C. I. A. II p. 82 n. 176 stg xriv no^riaiv xov atad\_Qov aal 
tov d'sdtQOv xov TIotvotd"ri[v(x:c]iiovy wo mit Unrecht ein Irrtum vermutet 
wird ; vgl. Virgil. Aen. V 288 f. mediaque in valle theatri circus erat und 
was Servius dazu bemerkt. Die Annullierung der Feier von 67 und 
wohl alles dessen was sich an sie knüpfte, mufs, da Nero schon 68 ums 
Leben kam, sehr bald erfolgt sein. Sein Nachfolger Galba (f 69) nahm 
den Preisrichtern die von Nero geschenkten Gelder wieder ab, Dio Cass. 
68, 14 h 91 zotg 'OXvfinioig agfia iXdaccg xal nsatov ^| avtov xal oXlyov 
dstv avWQißslg ofimg iatstpavtod^ ^ xal did tavxa %al xoCg BXXavoSUaig 
xdg nivxB xal cfxocri [ivQidSag, ag vaxBQOv FdXßag nag' ccvxöav dnrjxriösv, 
^dcoHSv. (Die Stelle verdanke ich der freundlichen Mitteilung Dr. H. Köstlins.) 
Vgl. Sueton Nero 32. Nach Dittenberger freilich wären Neros musische 
Spiele gleich beibehalten worden, allein die Inschrift, welche diese Be- 
hauptung veranlafst hat, Archäol. Zeit. XXXVH 1879 S. 132 N. 261, ist 
zwar in Olympia gefunden, bezieht sich aber auf Spiele die zu Neapel 
in Campanien begangen wurden; Fragm. b lin. 10 ysivia&oiaav iv Nsa- 
n6X[si] und c 26 Nsa7eo[X . .]. S. Fr. Mie Quaestion. agonist. p. 22 — 26. 

7* 



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— 100 — 

wird ausgegangen von der augenblicklich, zur Zeit der Ab- 
fassung des Briefes an Marcellus, herrschenden Sommerglut 
(dum nimio possessa Hyperione cet.), aber dann verläfst der 
Dichter den Standpunkt der aktuellen Jahreszeit und stärkt 
nur sein ^assiduo temet furare labori'. Dafs der Parther, sonst 
so unermüdlich mit Köcher und Bogen, doch auch wieder 
seinem Geschofs und sich selbst Buhe gönnt, hat gar nichts 
zu thun mit Jahreszeiten. Wenn Statins von seiner Laute 
bemerkt, dafs die Stunde komme wo er sie pausieren lasse, 
so will er nicht sagen, dafs sie augenblicklich pausiere — wie 
könnte er es auch, da seine Epistel ja geschrieben wird im 
Löwenmonat. Wir sind also durchaus nicht berechtigt V. 31 f. 
et Eleis auriga laboribus actos Alpheo peirmulcet equos so zu 
erklären, als werde gesagt: jetzt im Löwenmonat oder im Löwen- 
monat derjenigen Jahre welche grofse Olympien bringen, tränkt 
der Wagenlenker seine dürstenden Pferde im Alpheios. Dafs die 
drei Beispiele — man könnte sie auch Gleichnisse nennen — 
weiter nichts urgieren als das im Vorwege Angeratene: assi 
duo temet furare labori, lehrt auch der Verfolg: vires instigat 
cet.; der dem Marcellus gegebene Rat sich der beständigen 
Mühwaltung einmal zu entziehen kehrt wieder als allgemeiner 
Satz, dafs, wenn man zur rechten Stunde ruhe, die gute Stunde 
doppelt gut sei. 

Stat. Silv. IV 4 also, obwohl geschrieben im Löwenmonat 
welchem die Olympien in den von Statins erlebten Menschen- 
altern arigehörten^), lehrt uns nichts über die Jahreszeit der 
Olympien. 



1) In den Jahren 25 nach Chr. bis 93 fiel Luna XV des Olympien- 
monats frühestens auf Juli 29, spätestens auf Aog. 26. Diese Daten 
ergeben sich durch Zugabe von 3 Tagen zu den Positionen des Ent- 
wurfes oben S. 48. 



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Index. 



Achäer 35. 

Achill. Totenklage 4. 

Alexander der Gr. Zeit seiner Ge- 
burt 77. 

Alexandriner 7, 2. Vgl. Kalender. 

Alphiöos 84. 

avongla 83. 

Apollonios, 8. Parthenios. 

Arktur. Frühaufgang 12 f. 27, 1; 
für die Olympien weniger wich- 
tig 21; säkulare Verschiebung 
12, 2. 27, 1 u. 2; vit' avxov zov 
ocQKzovQOv 28, 1; Signal der 
Weinlese 69. 

Artemis Elaphia u. Alpheionia36, 1. 

Artemision 80, 1. 

Athen. Vertrag von 420 S. 60 f. 
Attischer Kalender 47. 50; vor- 
übergehende Störungen 90, 1; 
Böckhs Otagteridensystem 92 ff.; 
Verwandtschaft der ^ att. und 
olymp. Okt. 95. 

Bakchos 33. 37, 1. 

BoSdromion. Eintritt^ der Athleten 

40. B. und Olympienmon. 39, 4. 
51. 53. 63. 

Cannae 67 ff. 

DekennaSteris. Hat die Okt. nicht 
verdrängt 10 f. 16. Eleüsch 34. 
Ergiebt zwei Parallelmonate des 
Olympienmon. 36, drei erst spät 
47, 2. 

Dichomenie 3. 28, 2. 

Dioskuren 65, 1. 

Eleer und Pisäer 36 f. 39, 3. Neue- 
rungen in Elis 88. 
Ephesos. Tempelbrand 79, 1. 
Epimenien 35 f. . 

Feigenemte 59, 1. 

Gottesfriedenszeiten 61, 1. 65. 

Hekatombäon = Olympienmon. 40 ; 
Seltenerwerden dieser Gleichung 

41, 1. 53. H. = Apollonios 42. 
HekkädekaSteris. Drei (vier) Zu- 
satztage 19. Vorstufe der 160jähr. 
Periode 24. 



Heraklesjahr 45 f. 

Herodot. Zeitangaben 80, 3 a. E. 

Hundsstern. Für Zeitrechnung ge- 
eignet 20. Frühaufgang 11, 2; 
H. St. Vollmond Signal des Früh- 
stands der Olympien 22; H. St. 
Neumond technische Epoche 31 f. 
(52). 

Hundsstengahr für die Okt. be- 
nutzt 21. 

Jahresfeste 35 f. 
Jungfrau und Wage 53, 1. 

Kalender. EleYscher K. 33 ff.; An- 
fangsmon. (33.) 38, 1; Monats- 
namen 34 f.; K. von Elis und Pisa 
verglichen 37, 1. Pisäischer 
Schaltmon. 40, 1. Alexandrini- 
scher K. 41. Macedonischer K. 
78, 1. Vgl. Athen. 

Kameen (80, 1.) 84. 

xaQfCOv ^vyTiOfii.d7i 57 ff. 

Kastor u. Pollux. Frühaufgang 65,1. 

Korn. Aussaat in Attika 82 f Ernte 
im Peloponnes 57 f.; in Apulien 
69, 1. 

Lepreon 66, 1. 

Lesbos. Mytilenäer nach Olympia 

beschieden 56. Vorgänge auf L. 

428 S. 56 f 
Löwenmon. 15, 1. 43, 4. 61,2. 53, 1. 

(97.) 
Loos «» Hekatombäon 78, 1. 

Mesori, s. Thoth. 

Metageitnion = Olympienmon. 40; 

= Parthenios 42. 
lievg 'OXvvfcmog 36. 
Monat. Ältester Opferkreis 35. Zehn- 

mon. Übungszeit der Athleten 40. 

Vgl. Kalender. 

Neapolis. Spiele 98, 1. 
Nero. Olzmpienfeier 98 f. 

Onopides. Grofses Jahr 85, 1. 

OktaSteris. Budimente 18. 49mon. 
Hälfte voran 29 f. Vgl Deken- 
naäteris u. Periode, auch Athen. 

Olivenernte 59, 1. 



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— 102 ~ 



Olympiaden. Von Neumond bis 
Nenmond 70, 1. 
Ol. I 23,2; I und XLI 
proleptisch ange- 
setzt 24. 85 
„ LXXV soff. 
„ LXXVIL Reform 

4 f. 88, 3. 
„ LXXXI. Tempel- 
bau 89. 
„ LXXXVIII 54 ff. 
„ XC 60 ff. 
„ CIV 16 f. 33, 2. 70 f. 
„ CVl53,la.E.75ft. 
„ CXLI 67 ff. 
„ CLXXXIV71ff. 
Olympiadenära. Aufteilung in Pe- 
rioden 22. 87, 1. Mythische Ära 
30 f. 
'OXv^niaKOv ^xoq 38. 
Olympien. Im selben Monat pi- 
säischen Eal. 17 f. 
Lage im Monat 1 ff. 
Programm 4 ff. 
Vorabend 2, 1. 4 f. 
Vor Ol. 77 vier Tage 
S. 6; hernach fünf T. 
2 f. u. 6. 56, 1; später 
mehr als fünf T. 7. 27. 
Lage im Jahr. Zeug- 
nisse 8. 

Luna XV mafsgebend 
7. 20. 

Oktaöterisch bestimmt 
11. 16 f.; älteres Her- 
kommen schwankend 
20; vgl. Periode. 
Nach ele'ischen Mona- 
ten angesetzt "37. 
Grenzen 14 f. 19. 29; 

vgl. Spielraum. 
Frühgrenze 21 f. ; ver- 
schob sich 23 f.; zu 
Anf. der Opora 26; 
Anhaltspunkte 46 f. 
Spätgrenze 27 f. 
IlQcöta '0Xvfi7tt.cc 38, 2. 
Vgl. Opora. 
'OXvvTCLtiog firiv 36. 
Opora. Grenzen 11 ff. Letzter Ab- 
schnitt des Sommers 14, 1. Zeit 
der Olympien 19 f; vgl. Spiel- 
raum; von den grofsen und klei- 
nen vollständig durchlaufen 28, 2. 
Früchte der 0. 68 f. (80, 3 a. E.). 



Parthenios und ApoUonios. Ab- 
folge 9. 44 f. Nicht olympisch 16, 
sondern elei'sch 34 f. P. u. A. = 
Thoth u. Mesori = Metag. u. 
Hek. 41 f. 

Pelops. Totenbräuche 4 f. Achäisch 
36. 

TCSQl 38, 1. 

Periode. 160jährige P. (Oktaöte- 
ridensystem) 18 f. ; verschob sich 
um 1 Tag 19. 21; war eine Prä- 
zisierung des älteren Herkom- 
mens 86; Zeit ihrer Erfindung 
und Einführung 24. (31.) 86. 88; 
technische u. histor. Epoche 29. 
39, 2. 46 ; Benutzung für mythische 
Zeiten 31; Einstimmung mit 
Athen 95 f. 69jährige Periode 
vielleicht auf Irrtum beruhend 
86, 1. 

Phthinoporon 56. 

Pisäer, s. Eleer. 

Pisaeus annus 61, 2. 

Postsolstitialgebiete 53, 1. 

Proarkturia 21, 2. 

TCQOtQvyrjzT]^ 69. 

Pythiaden 32. 

Salamis 81 ff. 91^ 94. 

caXTCiyiiTTig xal 'KrjQv^ 5, 1 

Schaltjahre der Okt. 18. 60. 

CLtov avy'KOfiLd'q 67 f. 

Spielraum der Olympien. Lag in 
der Opora 19 f ; später präzisiert 
86 f. Nicht 66 Tage 43 f. Sp. 
des Hochfesttages nicht 30 T. 
63, 1, sondern 45 (44) T., zerleg- 
bar in drei Teile 61; bei Mit- 
berücksichtigung der kleinen 
Olympien 66 T. 28, 2. 

S'icctQOv 88, 1. 
Thermopylä 80, 1. 
Thosythias 8 f. 34. 38, 1 
Thoth u. Mesori 8 f. 41 ff. - 
Thyios 34. 
TQidg 36. 

Wandeljahr 41, 1. 
Weinlese 68 f. 

Zahlenmonate 35. 

Zeus. Z. Horkios4f. Erster Jahres- 
vollmond dem Z. geweiht 16. 
Tempel 89, 2. 



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